Schreiben – Kaufen – Lesen

Am Ende des Weges erscheint er beim Rückblick gar nicht mehr so lang. Die Steine sind nicht mehr da und ein wenig sprießt sogar schon das Unkraut auf den Pfaden, auf denen ich noch vor ein paar Wochen ging. Und am Ende des Weges liegt ein Buch vor mir. Ich habe es mit Ophelia Hansen geschrieben und es war eine bewegende und wertvolle Zusammenarbeit mit ihr. Unser Buch „Spatzenmuse“ ist nun seit drei Wochen im Handel erhältlich, wir haben eine Lesung veranstaltet und auch schon einige Bücher verkauft. Die Rückmeldungen sind toll und sie erfreuen mich sehr. Und doch bleiben ein paar negative Eindrücke haften, die mit dem Buch eigentlich gar nichts zu tun haben.
Ich bin sehr nah dran am Verlag, an der Pressagentur und vor allem der Marketingchefin Susan. Sie alle rufen überall an, nerven Redakteure mit ihren Mails und verteilen Bücher für Verlosungen durch Magazine und Zeitschriften. Es ist toll zu sehen, wie so ein kleines Team mit soviel Energie und Herz bei der Sache ist und für ein Produkt eintritt, von dem es überzeugt ist.
Täglich müssen sie und ich aber durchatmen. Klöße runterschlucken, die viel zu groß für unsere Hälse sind. Von unseren Mägen ganz zu schweigen. Der Buchhandel ist eine sehr interessante wirtschaftliche Erscheinung. Gleiche Preise, gleiche Produkte und überall die gleichen Psalme. Wir haben Testkäufer bundesweit in Buchhandlungen geschickt, um nach „Spatzenmuse“ zu fragen. Dieser Titel ist auch bundesweit über das „Verzeichnis lieferbarer Bücher“ zu ordern. Für moderne Menschen natürlich auch ganz einfach über amazon.

Die Psalme der Händler klingen so:

„Spatzenmuse? Nö. Das haben wir nicht. Ist auch nicht lieferbar.“ (Köln, Halle, Erfurt)

„Ja, das kann ich Ihnen bestellen. Dauert aber sechs bis acht Wochen bei so einem kleinen Verlag.“ (Nürnberg, Stuttgart, Berlin, Hamburg, Halle) Anmerkung: Die Bestellung in Halle wurde am 27. September vom Buchhändler aufgenommen. Sie ging am 07. Oktober im Verlag ein und wurde noch am selben Tag an die Buchhandlung geschickt. So ein kleiner Verlag hat nämlich sogar Briefmarken.

„Das haben wir nicht da.“
„Können Sie es mir bestellen?“
„Das dauert aber immer so lang und ist umständlich.“
„Soll ich es dann über das Internet bestellen?“
„Das geht wahrscheinlich schneller.“ (Gera)

Was lerne ich als Autor daraus? Dass es eigentlich albern ist, etwas zu schreiben, was zwar gedruckt und von den Lesern für gut befunden, aber nicht vertrieben wird? Dass es besser wäre, aufzuhören? Soll ich in das Lamentieren der Unverstandenen einstimmen? Den Buchhandel für alles verantwortlich machen? Einsehen, dass das alles nur ein Zeichen für schlussendlich mangelnde Qualität ist?

Ich lerne, dass es in dieser wunderbaren Welt unglaublicherweise in jedem Bereich unseres organisierten Lebens Menschen gibt, die so sehr in Systeme eingebunden sind und Dinge jeden Tag so machen wie am Tag zuvor. Und dass ich das große Glück habe, mich jeden Tag dafür entscheiden zu können, genau das nicht tun zu müssen.

1 Kommentar zu „Schreiben – Kaufen – Lesen“

  1. In so einem Moment denke ich: Ach, könnten doch literaturbegeisterte Menschen, die auch oder besonders die kleinen Verlage mögen, kleine feine Buchhandlungen eröffnen und dort die noch unbekannten Romane unter die lesende Bevölkerung streuen!

    Ich finde es immer wieder schade, dass Bücher, die sowieso schon mehr Beachtung bekommen, als sie vielleicht verdienen, weiter gepusht werden, während die unbekannteren zu einem Leben als Nachtschattengewächse verdonnert werden.
    Und dass ein Buchhändler seinem Kunden empfiehlt, die gewünschten Bücher lieber im Internet zu bestellen, halte ich schlichtweg für dumm.

    Die Qualität deines (ich möchte immer „Sie“ sagen, seit ich Spatzenmuse lese) Schreibens kann ich noch nicht umfassend beurteilen, aber Aufhören halte ich für einen Fehler. Das Verhalten der oben zitierten Buchhändler ist doch Grund genug weiterzukämpfen. Jetzt erst recht!

    Abendliche Grüße,
    Ada

    (P.S.: Falls die Technik noch zu undurchsichtig ist, anbei noch der kleine Hinweis, dass ich dir auf meiner Kontaktseite geantwortet habe.)

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