Rezension zu Wankelmuse auf amazon

Wankelmuse

http://www.amazon.de/Wankelmuse-Ophelia-Hansen/dp/3941935100/ref=sr_1_7?ie=UTF8&qid=1391167343&sr=8-7&keywords=jischinski

Fazit:
Im zweiten Teil der Carlotta und Max Reihe findet man tiefe Gefühle und eine gescheiterte Beziehung vor. Der Leser bangt und hofft auf ein Happy-End und wird durch viele Höhen und Tiefen mitgezogen. Ich habe gelacht, geträumt und geweint und werde die beiden Charaktere sehr vermissen. Eine absolute Leseempfehlung!

Vielen Dank für diese schöne Rezension, liebe Kati!

Advertisements

Telefonieren ohne Reue

Bild 0156Der Robin Hood aller telefonierenden Autofahrer: Horst F., arbeitsloser Rechtsanwalt aus Berlin bei seiner zweitliebsten Beschäftigung im Auto.
© Foto Schmidt

Das Landgericht Berlin hat gestern ein spektakuläres Urteil gefällt, das alle Autofahrer aufatmen lässt. Beim “Telefonieren am Steuer während der Fahrt oder bei Stopp mit laufendem Motor ohne Benutzung einer Freisprechanlage“ waren bislang 40 Euro Bußgeld fällig und 1 Punkt wanderte nach Flensburg. Der Kläger Horst F., ein arbeitsloser Rechtsanwalt aus Berlin-Mitte, begründete seine Unschuld im laufenden Verfahren damit, dass er nicht wissen könne, wann er angerufen wird und darüber hinaus auch nicht absehen könne, ob der Anruf dringlich sei oder nicht. Da nicht mit absoluter Sicherheit ausgeschlossen werden kann, dass es sich beim Anruf während der Fahrt um einen Notruf handelt, der die schützenswerten Grundrechte nach Artikel 1 bis 19 des Grundgesetzes zum Inhalt hat, muss jeder Angerufene seiner staatsbürgerlichen Pflicht nachgehen und das Gespräch annehmen, ob er nun im Stau steht, oder eben mit 180 über die Autobahn rast. Denn die Sicherung der Grundrechte geht in jedem Fall anderen Rechtsnormen vor. In Anbetracht eines solchen staatsbürgerlichen Bewusstseins und einer derart selbstlosen Identität, die das Gemeinwohl über die Gefahr einer eigenen Verurteilung stellt, kann der Staat gar nicht anders, als den passiv Telefonierenden zu schützen. In der Folge stimmte das Landgericht Berlin in seinem Urteil 1 V 1536/12 dem Kläger zu und in Zukunft muss der aktiv Telefonierende die Dringlichkeit des Anrufs nachweisen, wenn der passiv Angerufene polizeilich erfasst wird. Kann der aktiv Anrufende keinen ausreichenden Nachweis erbringen, dass der Anruf zum passiv Telefonierenden mindestens marginal die Grundrechte berührt, muss er das Bußgeld von 40 Euro tragen und er bekommt einen Punkt in Flensburg. Richter am Landgericht Detlef Schwing betonte an dieser Stelle, dass insbesondere Artikel 6 des Grundgesetzes nicht missbräuchlich verwendet werden dürfe. So sei es nur unbillig, wenn die Gattin des Klägers nämlichen anriefe, um ihm das akute Erkranken des Kindes mitzuteilen und ihn um die sofortige Rückkehr zum Hort der Familie anfleht. Nicht schützenswert ist dagegen der erboste Anruf der Gattin, um das Familienoberhaupt darauf hinzuweisen, dass er säumig in der Terminierung des gemeinsamen Abendessens sei. Auch sei hier der Einwand, dass mit einer gut geplanten Speisefolge die Menschenwürde im Sinne des Artikels 1 des Grundgesetzes sichergestellt wird, nicht geltend zu machen. Ein weiteres Beispiel soll den Regelungsinhalt verdeutlichen: Anrufe im Stau sind immer mit der neuen Rechtsprechung vereinbar, da die Versammlungsfreiheit unter dem Schutz des Artikels 8 unserer Verfassung steht. Laut Richter Schwing wird das Urteil mit seiner „Umkehrung der Telefonschuldnerschaft“ eine solche Strahlkraft besitzen, dass sich jeder Anrufer in Zukunft sehr genau überlegen werde, ob er jemanden anruft oder eben nicht. „Im relativen Mittel bin ich mir sicher, dass der Anteil der Schwachsinnstelefonate deutlich zurückgehen wird“, meinte Richter Schwing nach der Urteilsverkündung. Aufgrund der positiven Wirkung auf das Kommunikationsverhalten der Bevölkerung und die damit einhergehende Gesundung der spirituellen Kapazität der Bundesbürger ist eine Übertragung des Urteils auf sämtliche öffentlichen Verkehrsmittel von Seiten des Bundesverkehrsministeriums angedacht.

„ironisch“ – nur noch ein paar Wochen …

… ironische Ereignisse werfen ihre Schatten voraus…

Cover_final

„Warum uns die Verkäuferin im Supermarkt auf die Palme bringt, Feng Shui belebend für die Partnerschaft ist, eine Beschneidung ebenso und Frauenfußball eine überdenkenswerte Erfindung. Mark Jischinski hat Antworten auf die Fragen des

Alltags, die besser niemand gestellt hätte. Beobachtungen zu Kundenorientierung in öffentlichen Toiletten, dem Konsum von Viagra, den Hintergründen zur Finanzkrise und der Erschaffung der Welt – er sieht genau hin. Wenn der Leser dann noch von Witzwort in Nordfriesland in einem Rollentausch eine Mitfahrgelegenheit ins Paradies findet, dort von der verbotenen Frucht nascht und wahrhaft magische Momente genießt, dann steht er nicht im irischen Regen. Nein, er ist mittendrin im Jischinski-Land. Verstörend, lebendig, skurril und ironisch. Aber unversehends bleibt dem Leser das Lachen im Hals stecken und es wird ernst.“

 

 

 

Mark allein zu Haus

Im Dienste der Wissenschaft und menschlichen Erkenntnis darf kein persönliches Opfer zu groß sein. Deshalb habe ich heute Abend ein chemisches Experiment gewagt, das an Kühnheit und Wagemut kaum zu überbieten ist. Bekanntlich kann beim Whisk(e)y-Genuss nichts schief gehen, da es sich um das Wasser des Lebens handelt. Einige Banausen mischen trotzdem selbst die edelsten Tropfen mit Eis oder, noch schlimmer, mit Cola. Und diese Cola kommt meist vom großen Brausehersteller aus Amerika mit dem geheimen Rezept, aber vor allem mit ganz viel Zucker. Als Vorreiter habe ich das Selbstexperiment beim durchaus annehmbaren Jacky-Cola gewagt und die Industriebrause gegen ein Bio-Produkt getauscht und … tatarata: Ich bin hacke! Breit, beschwippst, hinüber. Und ich kann feststellen: Der Jacky-Bio-Cola ist echt in Ordnung und der Bio-Alkoholiker trinkt definitiv gesünder!

DSCF5387

Berlin, Berlin, ich fahre nach Berlin!

Jeder Staatsbürger sollte einmal im Leben seine Hauptstadt gesehen haben. Am Tag der heiligen Könige sehe ich die eiligen Heiligen über das bedeutsame Pflaster der Bundespolitik flanieren, sehe echte Berliner zum Anfassen und kann mein Glück kaum fassen. Bereits am Vormittag fällt mir auf, dass es sehr viele Hauptstädter gibt. Sie mögen arbeitslos oder aber politisch oder touristisch aktiv sein. Anders ist diese Masse an Menschen nicht erklärbar. Und was so wunderbar angenehm auffällt, ist diese Nächstenliebe, der soziale Zusammenhalt! Alle paar Meter fragen mich junge Menschen mit einem scheinbar alternativen Lebensentwurf nach Geldern unterschiedlicher Stückelung. Ob ich diese nicht entbehren könne, fragen mich diese netten Raskolnikoffs und Jemeljans. Ich lasse sie hinter mir und kann an jeder Straßenecke die Geschichte dieser Stadt einatmen. Und Berlin ist so voller Geruch und Gestank der Geschichte! Aber auch Ambrosia liegt in der Luft, denn es riecht nach Selbstlosigkeit und Hingabe, nach Menschen, die unser staatsbürgerliches Wohl verfolgen. Historische Zeugnisse legen das Deutsche Historische Museum, das Pergamonmusem, das Museum für Naturkunde und diverse Mahnmale ab. Ich war als heranwachsender Jüngling einst im Museum für Naturkunde und bestaunte das Skelett des Brachiosaurus. Und heute, endlich, kann ich mitten in Berlin die größten noch lebenden Dinos bestaunen. Der Kranus Saurus! Eigentlich ist er ein scheuer Steinfresser, aber hier in Berlin kann man ihn im Rudel antreffen. Wenn man genau hinsieht, erkennt man sogar den großen Kranus Saurus Rex, der bis an den Fernsehturm heranreicht.

IMG_00000336

Unsere Hauptstadt muss sehr reich sein, denn bekanntermaßen frisst der Kranus Saurus sehr viele Steine, gern auch große Mengen Kies. Er bedarf starker Pflege und muss viel bewegt werden. Ein kleines Rudel von sechs Kranus Saurus  hilft dabei, ein Schloss zu bauen, das ganz sicher nie fertig werden wird.
IMG_00000340

Im Park treffe ich auf Marx und Engels und gleich neben ihnen verkaufen ein paar Jugendliche Opium fürs Volk.

IMG_00000342

Und da! Mein Herz zieht sich zusammen. Ich sehe meine Jugendliebe wieder. Auf dem Rand des Neptunbrunnens räkelt sich die Rhein-Dame und ich erkenne sie sofort wieder. Damals, als ich auch den Brachiosaurus kennenlernte, ließ ich mich von meiner Mutter mit der Schönen zusammen ablichten. Und nachdem ich in unserer Beirette für die Nachwelt festgehalten war und meine Mutter sich anderen Schnappschüssen widmete, griff ich der Nymphe an die Hupen und hatte meine erste Erektion. Und nun stehe ich wieder vor ihr und nichts passiert. Sie sieht allerdings auch schon etwas abgegriffen aus.

IMG_00000343

Kurz vor dem Alexanderplatz erlebe ich ein ganz seltenes Naturschauspiel. Ein Kranus Saurus hilft dem Apiformes Saurus, einem Vorläufer unserer heutigen Honigbiene, die Waben zu errichten.

IMG_00000345

Nur ganz selten gehen die scheuen Tiere eine solche Symbiose ein, aber in Berlin sind eben auch unmögliche Koalitionen möglich. Ungeachtet solcher Wunder gehe ich weiter und lausche auf dem Alex der faszinierenden Musik von Nuria Edwards, der ich ganz offiziell, aber ohne Quittung, fünf Euro für eine CD gebe. Da ich damit eindeutig als solventer Musikliebhaber enttarnt bin, tummeln sich um mich herum sofort eine Handvoll Kinder. Ich gebe den Kindern Raskolnikoffs und Jemeljans je 50 Cent. Sie haben ja auch so schöne Rappermützen auf. Auf dem Weg zu meinem eigentlichen Termin und dem Grund meiner Hauptstadt-Reise werde ich kurz sentimental. Gleich beim S-Bahnhof Friedrichstraße befindet sich die Turnhalle der Humboldt-Uni, in der ich 1998 während der Deutschen Studentenmeisterschaften genächtigt habe. Völlig entkräftet kam ich dort an, schleppte mich auf die Waage und war glücklich: 90,5 Kilogramm und damit ein halbes Kilo unter dem Limit. Sofort danach ging ich in die nächste Dönerbude und verputzte zwei Döner, während auf einem Fernseher zu sehen war, wie Frankreich bei der Fußball-WM mit 3:0 gegen Südafrika gewann und damit den Grundstein für den späteren Titelgewinn legte. Ich wollte eigentlich auch einen Titel gewinnen, verlor aber im Finale des Schwergewichtsboxens gegen einen Blödmann, der auch noch kleiner war als ich und BWL studierte. Hätte ich mal lieber drei Döner gegessen.
Heute aber gibt es kein Fastfood, zudem habe ich die Freude, meine Berlinreise mit einer Zeugenaussage vor dem Amtsgericht in Tiergarten zu krönen. Mit der S-Bahn fahre ich mit Tausenden von Arbeitslosen und -suchenden in den Westen und stehe dann vor einem geschmacklosen Bau. Ich komme durch die Personenkontrolle und sitze schließlich auf einem noch geschmackloseren Gang, um auf meinen Aufruf als Zeuge zu warten. Von links nähert sich eine Dame mittleren Alters mit der Frisur eines Nymphensittichs und einem Gesicht, das die Schwere ihres Amtes zum Ausdruck bringt, und von rechts kommt eine Frau in der 68er-Ausgabe in Kartoffelsackklamotten, für die die Zeit stehengeblieben ist. Beide fahren auf einem lustigen Wägelchen, das sonst für Akten bestimmt ist, je eine Topfpflanze spazieren. Wahrscheinlich brauchen alle vier Auslauf.
„Grüß dich! Und ein gesundes Neues noch!“, sagt die Linke von rechts. „Dir auch! Und? Bist du schon wieder voll dabei?“
„Nein! Ich mach erst mal ganz langsam. Und du?“
„Ich auch. Ich sortiere ein paar Akten und dann wird der Tag auch schon wieder rum sein.“
Sie tauschen noch ein paar Belanglosigkeiten aus und da ich inmitten von fünf weiteren Zeugen sitze, die allesamt durchaus Steuerzahler sein könnten, spüre ich eine gewisse, wenn auch noch unterschwellige Bereitschaft, die Zeugenschaft freudig gegen eine Täterschaft zu tauschen. Die beiden mutmaßlichen Opfer verabreden sich auf eine Zigarette und ich kann nun den Qualm geschmorter Plaste riechen, die von den Stellen aufsteigt, an denen sich die Zeugen mit ihren Händen in die billigen Wartestühle krallen. Nur wenige Stunden später mache ich meine Aussage (die eigentlich nichts zur Sache tut) und kann die Hauptstadt wieder verlassen. Die Kranus Saurus arbeiten fleißig weiter, bei Marx und Engels gibt es Opium fürs Volk und die Raskolnikoffs und Jemeljans sind noch mehr geworden. Berlin ist immer eine Reise wert. Nette Menschen, gestresste Menschen und tief entspannte Menschen kann man hier treffen. Menschen, soweit das Auge reicht! Sogar Politiker sieht man an jeder Ecke. Auf dem Heimweg erfahre ich aus den Nachrichten, dass die Kanzlerin auch wieder in Berlin ist und dieses Land trotz Krankheit regiert. Kein Wunder! Denn wer würde das denn im gesunden Zustand tun?

… alles soll sein, wie es bleibt …

Nun ist es wieder soweit. Sanftmütig blicken wir zurück, entdecken dabei voller Schwermut all die Dinge, die wir doch nicht geschafft haben und planen mit neuem Tatendrang ein frisches Jahr, das noch jungfräulich und gerade deshalb plan- und steuerbar vor uns liegt. Es beginnt die Phase des „ich müsste mal wieder“. Endlich wieder Aquarelle malen, den Körper mit Bewegung und den Geist mit intellektuellem Input verzücken, länger und gesünder leben und vor allem vom latenten Selbstmörder der eigenen Träume zum lebensbejahenden Optimisten werden. Das ist schon alles. Unsere Psyche hat alle Synapsen voll zu tun, denn sie muss wahre Wunder zwischen Anspruch und Wirklichkeit vollbringen. Gewohntes aufgeben, Neues entdecken, aber bitte: So sicher wie möglich!! Individuell sein und keinesfalls wie die Anderen, aber auch nie ohne die Anderen.  Ein Leben als Gummiband zwischen den Extremen. Dieses dauernde Miasma im Kopf, das endlich verschwinden soll.

Vielleicht wäre es bei diesen Herausforderungen doch besser, den einfachen Weg zu gehen: Wir sollten auch im neuen Jahr die Antidepressiva der täglichen Verblendung schlucken und aus dem Quell der Fernsehsender „Beta-Blocker-TV“ einschalten, ihn ruhig konsumieren, damit wir weiter jeden Morgen mit Frohsinn aus den Betten schnellen und den angenehmen Chemiefraß in uns kippen, den wir kunstvoll Cerealien, Functional Food und Energydrinks  nennen. Cerealien für den Körper und „Bauer sucht Frau“ für den Geist – so gedeihen prächtig neue Ähren auf dem Acker unserer Illusionen. Die guten Vorsätze wehen derweil dahin wie die Lumpen an einer Vogelscheuche und wenn es uns doch etwas mulmig wird, ziehen wir raus in die Welt, verziehen uns in neue Tempel und konsumieren dort. Vor der Nahrungsaufnahme erfolgt mit unseren Smartphones die Nahrungs-Aufnahme. Wir haben die Verbindung zum Netz immer griffbereit in unseren Halftern, damit zumindest die Nachwelt nicht das verpasst, was wir gerade verpassen: Den Moment. Hingabe. Erleben. Vor jedem Erleben steht das Veröffentlichen. Wir regen uns über die NSA auf, posten uns aber zu Tode, nur um sicher zu sein, dass wir vorher gelebt haben. Wenigstens irgendwo da draußen, in diesem virtuellen Nirwana, wenn es schon im richtigen Leben nicht klappt. Food-Porn, Konsum-Porn und Travel-Porn für die Seele, Unsterblichkeit, ganz virtuell. Zwar wollten wir mehr Sport treiben, weniger rauchen, weniger trinken, weniger verblöden, doch am Ende glimmt all das an einem dünnen Stängel wie ein letzter Funken Hoffnung, den wir mit genau den Füßen treten, mit denen wir lieber in die Konsumtempel laufen. Zum Schluss sind wir Menschen auf der Erde wie ein Haufen viel zu vieler Fische, die aus einem völlig verdreckten Aquarium nach draußen schauen, ohne zu begreifen, was dieses „Draußen“ ist. Und schuld daran ist sowieso immer dieser blöde Fisch neben mir. Der, der zwar genauso blöd glotzt wie ich, aber ausnehmend bescheuert aussieht. Außerdem malt er auch noch so wunderbare Aquarelle, hier, landunter.