Traumfrau

Ich habe keine übertriebenen Ansprüche an Frauen. Nein, wirklich nicht. Deshalb weiß ich auch ganz genau, wie ich mir einen Tag mit meiner Traumfrau vorstelle. Nehmen wir einen völlig frei ausgewählten, x-beliebigen Tag der Woche und schauen uns an, wie sich mein Leben mit dieser Frau darstellen wird. Dass sie toll aussieht, witzig, kreativ, gebildet und sportlich ist, versteht sich von selbst und bedarf deshalb keiner gesonderten Erwähnung.
Nun also: Es ist sechs Uhr früh am Morgen, die Sonne blinzelt durch unsere herrlich weißen ADO-Gardinen und die Doppelverbundgläser unseres mittels eines Schnäppchenkredits finanzierten Eigenheimes und ihre wärmenden Strahlen kitzeln uns mit Unterstützung der seichten Klänge unseres SONY-CD-Weckers ganz sanft wach. Meine Frau springt wie von der Tarantel gestochen auf, hetzt in die Küche, bringt mit flotten Vorbereitungshandlungen und mittels eines finalen Knopfdrucks auf unsere Krups-Kaffeemaschine den Morgenkaffee zur tropfenweisen Entfaltung und zieht sich dank ihres außergewöhnlichen Aufnahmevermögens die FAZ von vorn bis hinten rein, selbst die Börsenkurse unseres gesamten Aktienpaketes meißelt sie noch in unser Küchenlaptop und druckt die Tageskurven aus, bevor der letzte Tropfen Krönung-Light aus dem Filter ploppt, just als ich gerade den letzten Tropfen Morgenurin von mir gebe. Ich lege mich noch mal entspannt hin, sie ist schon an der Tür, öffnet diese mit unverständlichem Elan, die Sonnenstrahlen streicheln sie und die an ihr perfekt sitzenden Nike-Schuhe und vom Adidas-Trilobalanzug strahlt das Licht zurück wie von einer Göttin.
Eine halbe Stunde später kommt sie verschwitzt, aber nicht wirklich fertig zurück, stellt die beim Bäcker im nächsten Dorf eingekauften Backwaren auf den Küchentisch, arrangiert den Tisch für mich, schreibt mir einen mit Liebesbekundungen verzierten Zettel, wo ich was finde, versorgt unseren Hund, wischt noch fix die Küche, markiert die für mich lesenswerten Stellen in der FAZ, weckt unser gemeinsames Kind, zieht es an, liest ihm Harry Potter Band 4 geduldig komplett vor, streicht ihm liebevoll über sein weiches Gesicht, fragt noch einmal die Schularbeiten für den Tag ab, achtet darauf, dass es das Müsli nicht zu sehr schlingt und geht dann entspannt und mit einem Lächeln zur Dusche und bringt sich für den Tag in Form. Da sie einmal in unserem marmorierten Bad steht, nimmt sie die Wäsche aus der Miele-Waschmaschine, hängt sie flugs in unserem weitläufigen Garten auf, jätet fix das auf dem Weg störende Unkraut, stellt die Zeitschaltuhr unseres japanischen Rasensprengers auf um elf und unserer Nachbarin erläutert sie in einem diskreten Frauengespräch die Vorzüge der Camelia-Binde für Tangas und erörtert mit ihr die Nahrungsmittel, die einer gesunden Scheidenflora zuträglich sind. Anschließend hechtet sie die Treppen nach oben, haucht mir einen sündhaften Kuss auf meine Stirn und saust im selben Moment wieder nach unten. Im enganliegenden Chanel-Kostümchen und über die Schulter das Gucci-Ledermäppchen aus dem Angebot schwingt sie ihren Sahnehintern aus dem Haus und wenn ich nicht so verdammt müde wäre, ich würde ihr jeden Morgen hinterher pfeifen oder auf meine Morgenerektion hinweisen, wenn ich noch eine hätte.
Punkt sieben schwingt sie sich kraftvoll-elegant in ihr BMW-Cabrio, setzt den Kleinen auf den Beifahrersitz, scherzt noch ein wenig mit ihm herum, schaltet das Radio ein, hinter ihr auf dem Rücksitz liegt schon das Tagesprogramm bereit und auch an die Verpflegung hat sie gedacht: Obst, belegte Vollkornbrötchen, eine Milchschnitte und die Kaffeeration für den Tag, zwei Päckchen Krönung-Light. Der Wind weht ihr während der zügigen Fahrt durchs gepflegte Drei-Wetter-Taft-Haar und gemeinsam mit unserem Stammhalter singt sie: Schön ist es, auf der Welt zu sein. In der Schule angekommen, bringt sie unseren Sohn in seine Klasse, rügt bei dieser Gelegenheit seine Klassenlehrerin ob der letzten Benotung seines ohne Frage ausgezeichneten Aufsatzes über die Kernaussagen von Kants »Selbstverschuldeter Unmündigkeit«, auch wenn das in den Augen dieser Schnepfe in einem Schulaufsatz der fünften Klasse mit dem Thema: »Wie wird Politik gemacht?« nichts zu suchen habe, springt fix in das Büro der Direktorin, um über die Eckpunkte der letzten Elternbeiratssitzung zu philosophieren und geht dann lässig, lächelnd und entspannt zurück zum Wagen, den sie in die Waschanlage lenkt, um ihn mit der Komplettwäsche einschließlich Motorreinigung und Unterbodenschutz zu versehen.
Kurz nach acht flaniert sie betont lässig in ihr Büro, grüßt alle Anwesenden freundlich und bereitet sich kurz auf das tägliche Halb-Neun-Meeting vor. Mit ihrem Montblanc-Kugelschreiber, den ich ihr zu unserem sechsten Hochzeitstag zusammen mit dem IBM-Laptop und dem AEG-Allesschneider geschenkt habe, zeichnet sie kurz vor halb neun die Ausgangspost der ihr unterstellten vierunddreißig Mitarbeiter ab, nicht ohne die kleinen und größeren Fehler genauestens zu korrigieren und die Schreiben an die Verfasser zurückzuleiten und geht akribisch die vierhundertzehn Briefe der Morgenpost durch. Zwischendurch nippt sie dann und wann an einer köstlichen Tasse Krönung-Light, die ihr wieder Kraft für die nächsten Stunden gibt, auch wenn sie die Plärre eigentlich gar nicht bräuchte.
Nach einem recht aufreibenden, aber nie wirklich anstrengenden Vormittag im Büro schwingt sie zur Mittagszeit ihren knackigen Hintern ins Fitneßstudio, in dem sie stundenweise Tai-Bo-Kurse gibt. Nach diesem entspannenden Stündchen geht sie mit neuem Enthusiasmus gesegnet in ein Restaurant der gehobenen Klasse und wirft sich, jeden Bissen 32 mal kauend, eine Vorsuppe, ein durchgebratenes Rindersteak an Salatblatt sowie zum Nachtisch einen in Melasse geschwenkten und danach kandierten Tofu ein. Wenn sie kurz vor halb zwei in der Firma aufschlägt, kippt sie sich noch ein Täßchen hinter die Binde und schon ist sie auch wieder Miss Hundertzehnprozent.
Derweil beginnt mein Tag. Ich stehe betont langsam auf und betrachte unsere 19jährige polnische Haushälterin, wie sie gerade das Bad wischt. Nachdem ich mir von ihr ein Frühstück habe zubereiten lassen, strecke ich mich noch ein wenig im Garten aus und beginne gegen halb fünf damit, meinen Artikel über die Thematik »Das 21. Jahrhundert – Ende des globalen Patriarchats« zu schreiben. Zur selben Zeit schürzt meine Frau noch mal kurz die Lippen, um einen letzten Schluck Krönung Light aus ihrer nie versiegenden Tasse zu schlürfen. Mit dieser Energiebombe im Magen brettert sie zum Termin mit ihrer Freundin, um sich in der nächsten Stunde angeregt über unverzichtbare Modetrends, schicke Accessoires und die neuesten Entwicklungen in den Beziehungen ihrer Mitmenschen auszutauschen. Anschließend befreit sie unseren lieben Buben aus der pädagogischen Knechtschaft und fragt ihn schon auf der Heimfahrt für die folgende Klausur ab. Nonchalant erklärt sie ihm den Dreisatz und bei dieser Gelegenheit gleich noch die Vektorrechnung. Der Junge könnte es ja mal brauchen. Schnell halten sie unterwegs noch beim Fußballtraining, damit unser Kleiner nicht so ein Fachidiot wird, der kaum seine Stelzen bewegen kann. Wenn das Training zwei Stunden später zu Ende ist, merkt unser Sprößling gar nicht, dass seine Mama bereits via Internetkonferenz über Handy und Laptop einen überflüssigen Mitarbeiter entlassen, danach im Marktkauf den Wochenendeinkauf erledigt hat und sogar noch beim Aldi war, weil ich ihr schon immer gesagt habe, dass deren Limburger zwar billig, aber wirklich der Beste ist. Ein Schatz ist sie. Auf dem Rückweg zum Fußballplatz war selbstverständlich auch noch Zeit, die Kostümchen aus der Reinigung zu holen und in meinem Auftrag im Buchladen nachzufragen, warum es »Das Manifest der Kommunistischen Partei« noch immer nicht als Hörbuch gibt. Sie ist wirklich ein Goldstück. Und schon hat sie unseren Buben wieder geschnappt und sie machen sich auf den Weg zu mir, dem liebevollen Familienvater und Ernährer, der  nicht eine Zeile zu Papier gebracht hat und schon seit Stunden durch die Kanäle zappt. Zuhause angekommen, fliegt sie mir in die Arme, so gut ich sie eben von der Fernbedienung und aus der Hose bekomme, küsst mich stürmisch, bringt den Kleinen in sein Zimmer, hüllt ihn in sein Schlafgewand, spielt hurtig ein Spiel mit ihm, um dann fix ein Tässchen zu brühen und mit neuer Kraft das dreigängige Abendessen zu kredenzen. Wir lassen es uns gut gehen bei unserem abendlichen Male, doch meine Frau kommt natürlich nicht umhin, nach dem kulinarischen Genuss alles in den Geschirrspüler zu stopfen und die Bügelwäsche zu plätten. Weil ich gerade nicht kann, streichelt sie dem Kleinen noch mal über die nasse Stirn und obwohl ich eigentlich lesen wollte, lege ich mich schon mal ins Bett.
Keine Viertelstunde später schleicht sie in unser Schlafzimmer, frisch geduscht und gesalbt, an ihrem Körper ein sündiger Fetzen Stoff, den ich ihr früher schon lange mit den Zähnen von den Hüften gezerrt hätte. Sie kommt zu mir rübergetigert, legt sich auf mich, reibt sich an mir, küsst mich auf meine Lenden, meinen Bauch, meine Brust, meinen Mund. Und sicher, da ist etwas von diesem Krönung-Light-Geschmack auf ihrer Zunge und ich hasse diesen Kaffeeatem, aber die Show ist heiß und sie steckt mir ihre harte Brustwarze in den Mund, stößt spitze Schreie aus, greift mir zielsicher und lustvoll zwischen die Beine und fragt:
»Schatz, was ist los?«
»Tut mir leid, Darling, aber ich hatte wirklich einen harten Tag«

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