Die Königin der Lust

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Wenn ein Magazin mit dem Titel »Klitoris – die Königin der Lust!« als Aufmacher erscheint, kann ich es einfach nicht links liegen lassen. Sicher, es handelt sich um die »Emma«, und ich muss 7,50 EUR für ein Magazin ausgeben, dessen Inhalt mir bislang fremd war.  Und die Herausgeberin ist Frau Alice Schwarzer! Selbige hat einmal verlauten lassen, dass Sex Arbeit sei und ich frage mich seitdem, ob eine sexuelle Belästigung im Grunde nicht mehr ist, als eine Bewerbung im arbeitsrechtlichen Sinne.  Doch seit eben diese Belästigung in der Maßeinheit von einem Brüderle gemessen wird, muss man etwas vorsichtiger sein. Die Dirndl-Geschichte könnte man wohl als Konstante mit »einem Brüderle« versehen und je nach der Ausprägung der sexuellen Belästigung kann der Ausschlag erfolgen. »Sie haben aber richtig geile Titten« wären dann zum Beispiel drei Brüderle auf der nach oben offenen Brüderle-Skala. Ich frage mich in diesem Zusammenhang, ob der intellektuelle Mann als solcher mit der soliden Smalltalk-Einlage von »Sagen Sie, ist es nicht interessant, dass die Klitoris über achttausend Nerven hat?«, überhaupt von der Brüderle-Skala erfasst wird. Wenn nicht, wäre es doch eine willkommene Abwechslung im verbalen Austausch, wenn ich in Zukunft darüber hinaus mit dem Wissen aus der Emma glänze, dass das Skrotum im Grunde nicht mehr ist, als eine übertrieben große Schamlippe. Oder, noch besser, dass zwei mit der Klitorisspitze verbundene Stränge von Daumenlänge zwei zwiebelförmige Schwellkörper umfassen, die tief in den Körper der Frau reichen, teilweise bis an die Vorderwand der Vagina. Ist das dann noch sexuelle Belästigung oder einfach nur echtes Interesse am anderen Geschlecht? Stellen wir uns also vor, der Brüderle hätte die gute Dame nicht mit der Dirndl-Geschichte belästigt, sondern so etwas wirklich Bildungsbürgerliches von sich gegeben, wie zum Beispiel: »Sagen Sie, ist das nicht interessant? Im Jahr 2005 wurden 50 Frauen vermessen und dabei wurde deutlich, dass die äußeren Genitale in Form und Färbung stark variieren. Die Ausdehnung der kleinen Schamlippen zwischen Klitoris und Damm lag zwischen 2 und 10 cm. Die Länge der kleinen Schamlippen betrug zwischen 7 und 55 mm.« So kommt man politisch weiter! Nicht gleich die Titten der Gegenüber auf den möglichen Füllgehalt im Hinblick auf die Volumina von irgendwelchen Dirndln reduzieren, nein! »Emma« lesen und mit sachkundigem Hintergrundwissen die Dame vom Hocker hauen. Wenn der Brüderle dann noch gewusst hätte, dass die Länge der Augenbrauen mal die Breite der Ohrläppchen dem Oberflächeninhalt der Schamlippen entspricht, hätte er – rein politisch gesehen – wesentlich besser punkten können. Denn, mit dem Wissen der »Emma« gesegnet, würde man nicht in den Generalverdacht geraten, Possen über die Weiblichkeit mit einem Maß von drei, vier oder mehr Brüderle zu reißen, sondern vielmehr würde man es als Verständigungsversuch zwischen den Geschlechtern werten. Wenn wir uns also in Zukunft dem vermeintlich schwachen Geschlecht nähern, dann nicht mit dem schnöden Spruch: »Jo mei, Ihre Hupen können aber locker ein Dirndl ausfüllen«, sondern weltmännisch, belesen, aber trotzdem spontan: »Also, die achttausend Nerven in Ihrer Klitoris können nicht annähernd wiedergeben, wie stark mein Penis pulsiert, wenn ich Sie sehe«. Das zeigt, dass wir uns mit dem anderen Geschlecht beschäftigen und die Vulva so würdigen, wie es sein muss. Ich habe sowieso das Gefühl, dass hier noch eine Menge Aufklärungsarbeit geleistet werden muss. Als Kind wurde ich nicht selten als Gast bei den Müttern meiner Mitschüler darauf aufmerksam gemacht, dass es im Bad Handtücher für »oben« und »unten« gab. Und dieses »unten« haben diese Mütter immer so ausgesprochen, als ginge es gerade nicht um ihr Allerheiligstes, das damals noch auf meiner Augenhöhe war, sondern vielmehr um den Keller. »Da unten« hörte sich immer wie etwas ganz schmutziges an. Wenn ich damals schon die »Emma« gelesen hätte, dann hätte ich sicher so etwas gesagt wie: »Sie wollen doch nicht etwa die achttausend Nerven Ihrer Vulva mit diesem viel zu wenig flauschigen Handtuch malträtieren?« Und dann, ja dann, wäre meine Jugend in sexuell-politischer Hinsicht sicher ganz anders verlaufen. Ein »Emma«-Abo gehört also in das gut sortierte Zeitschriften-Portfolio eines jeden Haushalts. Wenn schon nicht uns, dann sollten wir es unseren Kindern schuldig sein.

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