Auschnitt aus dem Ratgeber „Schatz, scheiß auf die Frage, die Antwort ist …“

Weil dieser Ausschnitt aus dem Ratgeber bei der Kollegin Jana Huster so gut ankam, kommt hier das komplette Kapitel 18 mit der entsprechenden Facheinschätzung. Für den interessierten Leser folgt ganz unten der Anlass für Cover und Text.

Kommunikation Web
Kommunikation in der Partnerschaft – Intimität und Unabhängigkeit
Fast nichts ist erfreulicher, als eine gelungene Kommunikation in der Partnerschaft. Sie ist Türöffner zur Seele des Partners, in das Herz der Geliebten und Garant für dauerhaften und hemmungslosen Sex. Nicht selten auch innerhalb der Partnerschaft. Um den Paaren Hilfestellung zu leisten, hier ein alltägliches Beispiel für wirklich gelungene Kommunikation:
Bernd will am Freitagabend mit den Jungs einen saufen gehen, Bärbel dagegen will mit ihren Mädels einen Weiberabend machen. Doch wer passt nun auf Bruno, den vierjährigen Labradorrüden auf? Wir beobachten Bernd und Bärbel.
Bernd: „Pass auf, Alte!“ (Sehr gut, Bernd! Wichtig ist schon die Anrede. Immer im gleichen Ton, Tonlage halten, nicht vorwurfsvoll, ganz neutral und immer dasselbe Wort. Eins, das auf alle Frauen in der partnerschaftlichen Historie Bernds passt und auf jede mögliche Künftige übertragbar ist. „Alte“ ist der Königsweg der Ansprache, weil der dauerhafte Gebrauch derselben Anrede im gleichen Ton, ganz neutral und nicht vorwurfsvoll, für seine Frau Bärbel eine Konstante bringt. Konstante Dinge geben Frauen Sicherheit und Frauen lieben Sicherheit.)
„Pass auf, Alte!“ (Bernd ist ein Meister der Kommunikation. Die Dopplung bewirkt Verstärkung, wodurch sich Bärbel noch sicherer fühlt.) „Ich gehe am Freitag mit Jörg und Knut in die Kneipe. Bundesliga gucken und so.“ (Wunderbar! Bernd unterstreicht durch seine klare Festlegung, dass er unabhängig entscheidet und durch die Endung „und so“ lässt er offen, ob der Abend in einem alkoholischen Absturz oder aber zehn Minuten später mit der Rückkehr endet. Bravourös! )
Bärbel antwortet brüllend und mit Blitzen unbekannter Herkunft in den Augen: „Ich würde mir in Zukunft von dir wünschen, dass du so etwas vorher mit mir absprichst. Ich wollte nämlich auch am Freitag mit Bruni und Gudrun ausgehen und wollte mich vorher noch darüber mit dir austauschen. Aber dir sind deine Saufkumpels ja wichtiger als ich!“ (Fast noch besser! Bärbel sagt ihrem Bernd trotz ihrer Kränkung und des mangelnden Austausches das, was sie sich in der Zukunft von ihm wünscht. Kein Vorwurf, keine kommunikativen Todsünden, schlicht und ergreifend eine liebende Frau. Und ihre Sehnsucht nach Intimität unterstreicht sie dadurch, dass sie ihrem Mann offenbart, dass sie vorher gern noch mit ihm darüber gesprochen hätte, sich mit den Mädels zu treffen und sich das auch von ihm wünscht.)
Was in diesem Beispiel durch die Liebenden so wunderbar gelöst wurde, gerät nicht selten im normalen Leben ins Ungleichgewicht. Es mag sein, dass Bernds meisterhafte Eröffnung bereits Garant für die gelungene Kommunikation ist, es ist aber auch möglich, dass Bärbel und Bernd so harmonisch miteinander verbunden sind, wie es eben nur wirklich offene und immer gleichbleibend kommunikative Paare sein können. Bernd würde mit seiner Frau nie vorher darüber sprechen, mit Jörg und Knut wegzugehen. Es wäre wie die Bitte um die Erlaubnis, wie eine verbale Kastration, die kommunikative Guillotine seiner Männlichkeit. Er wäre nicht unabhängig und hätte nicht die Freiheit, selbst zu entscheiden. Unmöglich! So etwas machen nur Kinder und Angestellte. Für Bärbel dagegen hätte ein kommunikativer Austausch gar nichts damit zu tun (nur weiß unser Bernd das nicht). Nein, sie will nur die Pläne gemeinsam mit Bernd besprechen, weil ihr Leben so wunderbar mit diesem noch wunderbareren Mann verknüpft ist, weil sie eins sind und weil die Handlung eines jedes Partners schon allein energetisch eine Auswirkung auf den anderen hat. Für Bärbel ist der Satz: „Tut mir leid, Bruni und Gudrun, aber ich muss das vorher mit Bernd besprechen“ keine Einengung. Sie erhält dadurch ein gutes Gefühl, weil sie eine tiefe und echte Beziehung zu Bernd hat und spürt, dass ihrer beiden Leben verbunden sind. Bernd dagegen sind in ihren Augen seine Freunde wichtiger als eben diese tiefe und innige Beziehung. Bernd ist ein Arschloch. Aus Bärbels Sicht. Und Bärbel eine Schnepfe. Aus Bernds Sicht. Auf dem folgenden Arbeitsblatt finden Sie die Übungen, wie die Auflösung der oben stehenden Situation erfolgt. Viel Erfolg!

Im nächsten Kapitel:
Wie apportiert mein Mann richtig? Und welche Leckerlis sind die Besten? Bernd in seiner besten Rolle.

 

Der Ursprung:

Jana Huster:

Dieser Text ist für alle, die Mark Jischinski und mich kennen oder bald kennenlernen sollten:

Oswald Kolle in Gera

Ja, es gibt sie auch in meinem Leben: Diese Tage, an denen man denkt, es ist alles Mist. Ich versuche dann, etwas Verrücktes zu tun, um meinem Leben einen neuen Sinn zu geben. Letzten Montag war es soweit. Ich tat etwas, was ich sonst nie tue:

Ich ging in einen großen Buchladen einer großen Buchkette.

Dort suchte ich mir die am unreflektiertesten aussehende Verkäuferin und fragte sie, ob sie ein Buch von Mark Jischinski da hätten. „Wer ist das?“, fragte sie und legte einen Stapel Mainstreambücher aus der Hand. „Ein ziemlich bekannter Autor aus Gera“, erwiderte ich. „Kenn ich nicht, haben wir auch nicht“, sagte sie und nahm ihren Stapel Mainstreambücher wieder auf. „Könnte ich da ein Buch von ihm hier bestellen, wenn ich in den richtigen Buchläden keins finde?“ „Hm. Da müssen wir mal schauen.“ Sie legte den Stapel Mainstreambücher wieder vor sich hin.

Angestrengt schnaufend ging sie an einen Computer und ließ sich den Namen buchstabieren. „Ji-schins-ki, ja, hier, der hat paar Bücher geschrieben.“ Sie nickte andächtig und scrollte mit der Maus herum. „Sag ich doch.“ sagte ich doch und fragte nach seinem letzten Buch mit dem ironischen Titel „ironisch“.

Sie tippte und tippte und scrollte und schnaufte: „Ja, das sind so Lebenshilfe-/Psychobücher, ge?“ „Naja,“, sage ich, „Mehr so Sexualratgeber.“
„Ach echt?“ fragte sie jetzt interessierter. „Jaja, der schreibt das ganz gut. Kann ich also seine Bücher hier bestellen, wenn ich sie nicht in einem richtigen Buchladen in der Stadt kriege?“
„Ja“, sagte sie, „könnte ich bestellen und ist dann am nächsten Tag da.“ Ich bedankte mich und ging kichernd. Sie blieb an ihrem Rechner stehen und scrollte weiter.

Wahrscheinlich bin ich jetzt für den großen Durchbruch des Adakia Verlag und die vertausendfachte Nachfrage nach Mark Jischinskis Sexualratgebern verantwortlich.

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