Kap der guten Hoffnung

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Vier Jahre war er jetzt verheiratet, und wirklich, er konnte sich beglückwünschen. Zu seiner Frau, seinen Kindern und all den anderen Kleinigkeiten, die zu den Dingen gehörten, die in ihrer Gesamtheit die Größe seines Lebens ausmachten. Der Beruf füllte ihn aus, das Geld stimmte, die Familie war gesund; fast schien es, als liefe alles viel zu glatt. Er stand auf dem Balkon dieses griechischen Hotels, blies den Zigarettenqualm gegen die Meeresbrise und die heißen Sonnenstrahlen assimilierten den Rauch wie staubsaugende Tentakel. Drinnen lag seine Frau im Bett, räkelte ihren sinnlichen Körper auf der Matratze und wischte sich seinen Samen vom Oberschenkel. Die Kleinen hatten sie über Mittag im Kinderklub abgegeben. So wie jeden Tag. Und so wie die anderen Tage wurde es auch in dieser Siesta ein rauschendes Fest der Sinne und der Ekstase. Die Laken waren naß vom Schweiß und ihren Säften, das Zimmer lag eingehüllt in einem schweren Duft von Sperma und Sünde. Während er auf das Mittelmeer schaute und ihren Duft von seinen Fingern einatmete, dachte er daran, dass ihm eins trotz aller Zufriedenheit fehlte. Nicht immer und so bedeutend wie Essen und Trinken, aber doch wie ein stetig im Hintergrund schwelendes Bedürfnis, das einfach nicht zu beruhigen war. Trotz der Befriedigung und der sexuellen Kapitulation, die er soeben wieder erlebt hatte, stand ihm der Sinn danach, wieder mal in aller Gemütsruhe zu wichsen. Man darf hier natürlich nicht dem Irrglauben unterliegen, er wäre sexuell unausgelastet, ein hungriger Krieger auf der Suche nach einem üppigen Schlachtfeld. Es war subtiler, sehr viel subtiler und mit Sex hatte es im eigentlichen Sinne auch nichts zu tun. Sex hatte er ausreichend, in allen Facetten und befriedigend wie ein Kindheitstraum, der sich endlich erfüllte. Darum ging es überhaupt nicht. Auch sollte es nicht mehr diesen infantilen Beigeschmack haben, wie bei seinen frühpubertierenden Höhepunkten, die er beim schuldbewussten Onanieren in ein altes Taschentuch spritzte. Das war doch bloße animalische Befreiung von einer Last, die geradezu primitiv und fremdgesteuert und zudem von großen Schuldkomplexen beladen war. Das war alles Schnee von gestern. Sollte doch Frau Dr. Faust mit ihren fünf flinken Schwestern bleiben, wo es noch etwas zu schrubben gab! Hier ging es um höhere Weihen, um heilige Selbstbefleckung und himmlischen Genuss. Und natürlich ging es um diese zutiefst egoistische Beziehung zwischen ihm und seinem Schwanz. Es sollte nun, Jahre nach seinen überhasteten Bemühungen autosexueller Art, eher so etwas sein wie der Besuch eines alten Freundes, die Wiederaufnahme eines längst vernachlässigten Hobbys oder das Lesen eines Buches, in dem man immer wieder schmökern könnte.
»Schatz, woran denkst du denn?«
Seine Frau stand plötzlich hinter ihm; er hatte gar nicht bemerkt, wie sie sich, in das Laken gewickelt, auf den Balkon geschlichen hatte.
»Wie schön es hier doch ist. Wie schön es eben mit uns war. Wie schön du bist. Und wie sehr ich dich liebe.« Er drehte den Kopf zur Seite und lächelte sie sanft an.
»Du bist ein schlechter Lügner!« Sie schlang sich von hinten um seinen Körper und schmiegte ihre Wange an seine Schultern. »Und woran hast du wirklich gedacht?«
»Dass ich Hunger habe.«
»Na bitte. Ich kenne dich doch!« Wenigstens nicht ganz gelogen, dachte er. Hunger war die Reaktion des Körpers auf einen Mangel an Energie. Er wollte wichsen, weil er einen Mangel an purer egoistischer Onanie verspürte. Da gab es kaum Unterschiede. Es ging um Mangelbeseitigung und Bedürfnisbefriedigung. Sie duschten, zogen sich an und sammelten die Kinder ein. Beim Essen sah er auf ihre Lippen, wie das Olivenöl darauf glänzte und verschmitzt lächelnd dachte er daran, was noch vor Kurzem auf diesen Lippen glänzte. Aber nein, so schön Fellatio auch sein mochte, wie erregend und entspannend diese Spielart der Liebe auch war – ein wunderbarer Kontrollverlust; die gestaltgewordene und hart geschwollene Männlichkeit zwischen den Zähnen der Angebeteten, gab es einen größeren Ausdruck des Vertrauens? Trotzdem war es nicht wie wichsen. Er begab sich in die Hände der Geliebten, ließ sich beherrschen und hatte das Heft des Handelns nicht mehr in der Hand. So anregend es auch war, und wie gewaltig die Höhepunkte auch aus ihm und in ihren Mund sprudelten, das IKEA-Regal hatte er schließlich auch allein zusammengebaut, ganz ohne fremde Hilfe. Darum ging es. Etwas ganz für sich zu haben, um Egoismus und Narzißmus.
Noch auf dem Heimflug überlegte er sich, wie er sein Vorhaben in die Tat umsetzen würde. Wie sollte das überhaupt gehen? Abends im Bett: »Du Schatz, ich habe heute abend keine Lust mit dir zu schlafen, ich würde lieber ins Bad gehen und mir in aller Ruhe und bei einem Glas Whiskey einen runterholen.«
»Aber du trinkst doch keinen Whiskey!«, würde sie wohl kaum entgegnen. Viel mehr hätte sie Komplexe, weil sie denken würde, dass sie ihm nicht mehr gefallen könnte, ihn nicht mehr reizen würde, ja sogar die Liebe würde als Zielscheibe verletzter Gefühle herhalten müssen. Und er stände im Bad, würde nicht mal einen onaniefähigen Ständer hinbekommen und hätte Schuldgefühle, weil sie ihn nicht verstand und drüben im Schlafzimmer traurig an seiner Liebe zweifelte. So hatte das alles keinen Sinn. Und überhaupt: im Bad, was für eine beklemmende Vorstellung: Klammheimlich, bedrückt-verstört auf Fliesen glotzen, während man sich einen schönen, würdevollen Moment der inneren Befriedigung gönnen wollte? Die Kraft des Leibes schuldbewusst, mit verkniffener Miene und einem unterdrückten Stöhnen ins Waschbecken plumpsen lassen, obwohl man befreit schreiend abspritzen wollte? Unmöglich! Diese Sache musste etwas Erhabenes ausstrahlen, nicht so etwas Triviales haben, bei dem jede Frau gleich wieder den Kopf schütteln würde, weil sie alle billigen Klischees über den niederen Menschen bestätigt sah. Nein, es musste etwas werden mit Stil und Würde, mit Anstand und Moral. Es gab schon alles in schriftlicher Form, was zwischen den Geschlechtern erwähnens- und beklagenswert ist. »Frauen sind von da und Männer von dort« und all dieser Kram; es gab Modemagazine und »Schöner Wohnen«, aber »Schöner Wichsen« gab es nicht. »Schöner Wichsen« – Ihr monatlicher Ratgeber für autarke Stunden voll Harmonie und Wonne. Bestimmen sie selbst, wie sie sich am liebsten lieben. Machen sie es sich gemütlich, überstürzen sie nichts, fallen sie nicht über ihren Penis her wie Hitler über Polen. Diese Stunden gehören nur ihnen und ihrem Liebsten. Ja, so in etwa würde verbraucherorientierter Journalismus in seinen Augen aussehen. Auf die Bedürfnisse eingehend, aufklärend, aber nicht belehrend.
Sie kamen wieder nach Hause, verabschiedeten sich Stück für Stück von den Urlaubseindrücken, ohne ihn aber zu vermissen, verlebten glückliche Tage wie immer und es hätte wohl ewig so weiter gehen können, hätten ihn nicht immer wieder diese Sehnsüchte heimgesucht. Trotz der häufigen Kontakte mit seiner Frau, trotzdem sie sich in Küche, Bad und Flur liebten, jede erdenkliche Spalte ihrer Körper erkundeten und leckten, er konnte die Sehnsucht nach diesem heiligen Moment ganz für sich nie niederkämpfen.
So sehr er sich in den eigenen vier Wänden auch mühte, sein Vorhaben in die Tat umzusetzen, es gelang ihm nicht. Nicht, weil er nicht geil genug gewesen wäre, oh nein, das war er sicher. Er hatte sich in seiner Geilheit und Sehnsucht sogar krankschreiben lassen, um der Arbeit fern und seinem dringenden Vorhaben zu Hause nah sein zu können. Doch allein die Vorstellung, dass die Kinder aus der Schule kommen könnten, ließ ihn innerlich zusammensacken und seine Erektion beteiligte sich an diesem Gemütswandel in verkörperlichter Parität, wie ein perfekter Synchronschwimmer. Die Kinder waren ein nicht zu verachtender Punkt. Er wollte immer als junger Vater gelten, aber so jung!? Was würden die Kleinen wohl sagen, wenn sie nach Hause kämen, womöglich in Begleitung von ein paar Freunden, mit denen sie Hausaufgaben erledigen wollten, und er stände im kerzenbeleuchteten Wohnzimmer, seine Augen zu Schlitzen verformt, keuchend, sein Schwanz puterrot und kurz vor der Eruption?
»Papa, du wichst?« Es würde eine schlimmere Erkenntnis sein, als die, dass die eigenen Eltern miteinander schlafen. Kopulierende Erziehungsberechtigte, das mochte schlimm genug und einen Besuch beim Jugendamt wert sein, aber ein onanierender Vater?
Unmöglich! So ging das alles nicht. Aber einfach so in der vertrauten Umgebung? Beim Joggen hinter der Eisenbahnbrücke am Fluß? Vor den Augen der Enten? Das hatte wieder diesen billigen Einschlag eines verhinderten Zuhälters, das wollte er nicht. Wichsen mit Stil – das war die Devise. Er wurde allerdings immer geiler, je mehr er über seine Selbstbefriedigung nachdachte. Seine Frau registrierte das gern und nahm ihn und seine Begierde mit Freude. Nicht, dass er sonst ein erkalteter Stein der Enthaltsamkeit war. Er war vielmehr ein Kessel, der immer auf guter Flamme kochte, nun aber kurz vorm Zerplatzen stand.
Im Dezember kam ihm die rettende Idee. Früher war er ziemlich oft geschäftlich unterwegs. Ganz Deutschland hatte er bereist, war wie ein windiger Staubsaugervertreter über die Straßen gebrettert, schlief in teuren Hotels und hörte sich abends an den Bars die privaten Probleme von Ehefrauen an, die das kurze Abenteuer suchten und beobachtete hitzige Männer, die anderen Frauen ihre Eheprobleme schilderten und doch keine Abenteuer fanden. Als dann aber die Kinder da waren, übergab er die lästige Reiserei an andere, delegierte und verteilte und konnte so immer bei seiner Familie sein. Nun wurde es Zeit, sich noch einmal auf eine große Reise zu begeben. Eine Reise zu sich selbst und zu seinem Schwanz, der sich nach seinem Griff sehnte. Er würde machen, was er wollte, diesen Moment ganz für sich genießen. Keine Erkundungen von Poren und Körperöffnungen, keine Verrenkungen und Stellungswechsel. Er würde einfach ans Meer fahren, irgendwohin an die Küste, es musste nicht mal warm sein dort. In einer einsamen Bucht würde er halt machen, fernab des Leuchtturms würde er beginnen, seinen eigenen Turm zu bauen, seine zunehmende Härte, Größe und Eleganz bewundern und genießen, ja und dann würde er einfach nur in aller Erhabenheit ins Meer wichsen.
»Ich muss kurz vor Weihnachten mal einen Kunden besuchen«, verkündete er beim Abendessen der überraschten Familie.
»Cool Mama, da können wir bei dir schlafen!«, freute sich die Kleine.
»Aber du wolltest doch nie wieder für die Firma umherreisen?«
»Das stimmt, aber es ist ein ganz wichtiger Kunde.« Das war unstreitig die Wahrheit. Es ging um seinen wichtigsten Kunden überhaupt. Wenn der eines Tages aussteigen würde, wäre das auch für seine Frau ein Trauertag.
»Und wie lange braucht so eine Kundenodyssee?«
»Nur zwei Tage, dann bin ich wieder zu Hause.«
»Dann geht es ja. Aber es wird doch eine Ausnahme bleiben, oder?«
In diesem ›oder‹ lag viel mehr als die bloße Fragestellung. Es war Frage und Drohung zugleich und die falsche Antwort würde Konsequenzen in jedem Bereich des ehelichen Miteinanders nach sich ziehen. Doch er wusste leider nicht, wie sich sein Meereswichsen auf ihn auswirken würde. Befreit und beruhigt für immer? Oder hungrig nach weiteren Spritztouren, die Mutation zu einem Wichstouristen? Die Antwort konnte nur die Reise und die Erfahrung bringen. Also ließ er es offen.
»Kommt drauf an. Es ist ein schwieriger Kunde, der immer mal nach mir verlangt. Er ist im Regelfall gut umsorgt und braucht mich bei weitem nicht mehr so oft wie früher, aber es kann sein, dass es ihn ab und an mal wieder nach meiner ordnenden und beruhigenden Hand verlangen wird. Das Treffen wird es zeigen.«
Die schnell verzogene Zornesfalte auf der Stirn seiner Frau beruhigte ihn. Sie würde ihm diese Ausnahme zugestehen, auch wenn nicht all zu viele folgen dürften. Er hatte ihr das Ende seiner Reisen damals hoch und heilig versprochen. Doch sie verstand, dass es um einen wichtigen Kunden ging. Konnte sie etwa Gedanken lesen?
»Und wo wirst du ihn heimsuchen?«
»In Bergen auf der Insel Rügen.«
»Wer immer es ist, sag ihm einen schönen Gruß von mir, und, dass wir ungern auf dich verzichten.«
»Ich werde ihn von dir grüßen, verlass dich drauf.«
Das würde er auch tun, aber nicht im Moment des höchsten Genusses. Auf der Hinfahrt vielleicht und kurz danach möglicherweise, doch nie und nimmer wenn er sich nur mit ihm allein beschäftigen würde.
Es konnte nichts erhabeneres und angemesseneres geben, als die weiße Winterlandschaft, durch die er an die Ostsee fuhr. Bewusst hatte er den Zug als Beförderungsmittel gewählt, um sich möglichst gut auf den Moment der Entladung vorzubereiten. Im Abteil war es angenehm warm. Draußen dagegen nagte der Frost an der Natur und rang ihr ein wunderbares Aussehen ab, das es ermöglichte, dem Traum zu erliegen, es gäbe tatsächlich Ruhe und Frieden auf dieser Welt. Auf den Feldern glitzerten Eiskristalle und alle Naturgewalten schlummerten unter einer weißen, dichten Decke. Seine Geilheit aber steigerte sich mit jeder Bahnschwelle, die er dem Ziel näher kam. Eine pochende Erektion drückte gegen seine Jeans und beschwor ihn geradezu, die Sache schon auf der Zugtoilette hinter sich zu bringen. Doch selbst schwülstige Gedanken an die zwei Reihen weiter sitzende junge Studentin mit ihren langen blonden Haaren und den Bernsteinaugen konnten seine Standhaftigkeit nicht erschüttern. Nein, er würde nicht wie ein lausiger kleiner Wichser in diese enge Zugtoilette hetzen und sich völlig überhastet entladen, womöglich noch testen, wie erregend diese Saugklos sein konnten, wenn er den Knopf drücken würde. Keine Frage, es war eine heilige Mission, er war ein Pilger des anspruchsvollen Wichsens. Gehobenes Onanieren bedeutete auch Entbehrungen auf sich zu nehmen, sich kasteien zu lassen von den unbedeutenden Impulsen einer reizüberladenen Umgebung. Er saß wie ein junger Fakir auf Nägeln und brannte darauf, sein Hotel zu beziehen und an den Strand zu gehen. Eine innere Unruhe ergriff ihn, seine Hände wurden feucht und sein Puls raste. Die Orte flogen an ihm vorbei. Leipzig, Berlin, Rostock. Nun bloß noch bis Stralsund und dann, ja dann.
Auf dem Rügendamm steigerte sich seine Vorfreude so sehr, dass er am liebsten die hässliche Schaffnerin geschändet hätte, obwohl sie wie eine verhinderte Wurstverkäuferin aussah, ihre Augen wie Steine in Aspik, der Oberkörper aufgeschwommenes Fett und die Füße Schweinshaxen in zu engen Schuhen. Doch auch dieser Kelch der Verführung ging an ihm vorüber, allerdings nicht ohne einen Tropfen der Vorfreude zu hinterlassen.
Den Weg über Bergen bis Putgarten überstand er wie im Fieber, er rannte ins Hotel und schleuderte seine Sachen ins Zimmer. ›Bleib ruhig, komm zur Besinnung!‹, ermahnte er sich. Es schien nicht angemessen zu sein, diesen Moment überstürzt und überdreht zu begehen. Er musste ruhiger werden, durchatmen, sich auf das Wesentliche konzentrieren. Es wäre die pure Verschwendung, wenn er jetzt, wo er so nah vor diesem, seinem ureigenen Erguss stand, hyperventilierte und wie ein kleiner Junge unkontrolliert mit seiner kostbaren Saat umging. Es galt, sie befreiend in das Meer zu jagen, nicht beklemmend bereits auf dem Felsen zu vergeuden.
Er zog sich um, nahm eine Flasche Wein mit sich und ging bewusst tief ein- und ausatmend Richtung Arkonabahn. Die kleine elektrische Bahn würde ihn bis zum Kap bringen, dann würde er die Treppen zum Ufer hinabsteigen und diesen steinigen Weg gehen, bis er die westwärts untergehende Sonne im Gesicht hätte. Dann würde er seine Hosen runterlassen und wichsen, dass die Götter staunen könnten. Den Weg dorthin kannte er genau. Als Student war er ihn gegangen. Mit seiner damaligen Freundin an seiner Seite. In einer Felsspalte hatte er sich in die ihre gepresst und sie im Stehen genommen. Damals hätte er es ich nicht träumen lassen, dass an gleicher Stelle einmal der Sieg des Onan gefeiert werden würde. Ihm gegenüber in der Bahn saß ein Mann in seinem Alter, ein unscheinbarer Kerl und unwissender Geschlechtsverkehrer. Was wusste der schon vom heiligen Wichsen am Kap Arkona?
Er ging hastig die Stufen herab und ermahnte sich wieder und wieder zur Ruhe. Sein Schwanz pochte heftig in seiner Hose und er spürte, wie sich eine ungeheure Kraft in seinen Lenden zusammenzog. Behende sprang er von Stein zu Stein, meisterte jeden Grat und kam schließlich dem Felsvorsprung immer näher, hinter dem die Wintersonne auf ihn und seinen immer härter werdenden Schwanz wartete. Kurz vor seinem Ziel dachte er an seine Frau und überlegte, ob er ihr den wahren Grund für seine Reise erzählen sollte. Nein, unmöglich, das durfte sie nie erfahren. Es war ein stiller Moment, reserviert nur für ihn. Dafür durfte sie in Ruhe ein Buch lesen, Marienhof schauen oder allein in die Sauna gehen. Sogar ein ganzes Wochenende in einem Relaxhotel mit Massagen und Moorbädern hätte er ihr als angemessene Gegenleistung für seinen Höhepunkt der Selbstliebe gegönnt. Doch das hier, das waren nur die Sonne, die karge Natur, er und sein Schwanz. Er bog um die Ecke, die Sonne blendete ihn und nagte am Kreidefelsen wie der Wolf in Vorbereitung auf die armen Geißlein. Mit süßer Stimme hörte er die Sirenen der Lust nach ihm und seinen Samen rufen. Er stellte die Flasche Wein ab und streifte langsam seine Hosen herunter, seinen Slip und schließlich hielt er dieses pochende Stück Fleisch in seiner rechten Hand, massierte es und fühlte einen Rausch der Befriedigung in sich aufwallen. Weil ihn die Sonne zu sehr blendete, hielt er die linke Hand vor seine Augen und da sah er sie.
Vor sich verteilt auf dem steinigen Ufer standen Hunderte Männer, sahen in die Sonne und wichsten ins Meer. Nun nahm er auch den Mann neben sich wahr. Es war der aus der Bahn. Er lächelte schief, hielt die Hand auf und wies auf ein Schild an dem Kreidefelsen.
»Schöner Wichsen auf Rügen – heute nur drei Euro!«

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