F oder V, das ist hier die Frage!

Das Schöne an der Tätigkeit als Verleger und Autorenkollege ist, dass man die Texte der Verlagsmiezen früher zu lesen bekommt als die anderen. Das ist durchaus elitär und ich weiß diesen Umstand sehr zu schätzen. Ich habe immer die große Freude, die Texte von Ophelia Hansen und Jana Huster zu studieren. Dabei kam mir nun bei beiden, unabhängig voneinander, ein Text mit einem spirituell Erleuchteten vor die Augen. Der Herr wollte in den jeweiligen Läden, die Ophelia und Jana neben ihrer Schreiberei betreiben, Kunst ausstellen. Bei Ophelia wollte er zudem Unterleibsporträts inszenieren. Zum einen habe er dazu Kontakt zu einer Gynäkologin gesucht und zum anderen bat er Ophelia, für ihn »Modell zu spreizen«. Mal ganz abgesehen davon, dass ich Ophelia für diese Formulierung dankbar bin, finde ich die Idee des Herrn zum einen gar nicht schlecht. Zum anderen aber weiß ich als Gelegenheits-Sex-and-the-City-Schauer, dass es so etwas bereits gibt. Ich erinnere mich noch gut an die Folge, in der ein Maler übergroße »Porträts« weiblicher Geschlechtsteile in einer Ausstellung präsentierte. Dazu stellte er völlig ungeniert fest: »Die Wahrheit liegt in der Fotze!«.

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Mir wäre fast mein Feierabendwhiskey im Hals stecken geblieben, als ich das hörte, aber was bleibt zu sagen? Wo er recht hat, hat er recht, basta. Neben dem unbestrittenen Wahrheitsgehalt der Formulierung kam mir beim Notieren des Zitats die Frage in den Sinn: Wird das böse Wort eigentlich mit F oder V geschrieben? Zu solchen Fragen zieht man am Besten die Doktorenschaft zu Rate. Fotze kommt bei Dr. Google auf 7,79 Millionen Treffer. Und bei Dr. Duden gibt es ganz eindeutig nur die Fotze mit F.  Meinen Narzissmus pflegend, habe ich dann mal »Jischinski« beim Dr. Google eingegeben und komme nur auf 2.700 Treffer. Ich bin so weit weg von einer Fotze, wie man sich nur vorstellen kann. Ich war betrübt und bin es noch immer. Die gute »Votze« dagegen kommt bei Dr. Google auf 1,24 Millionen Treffer und bleibt im Duden unerwähnt. Mache ich es nun demokratisch bei Google? Gewonnen hat der mit der Mehrheit an Stimmen? Was mache ich dann mit der Riesenschar der Nichtwähler? Mit den ungehörten Stimmen all der Menschen, die nicht darüber befinden konnten: »F oder V, das ist hier die Frage!« Ich schließe mich einfach der Mehrheit an und bleibe dabei: »Die Wahrheit liegt in der Fotze!« Oder irgendwo dazwischen, wie Herr Bonmot sagen würde. Dann böte sich rein optisch aber wieder das V an. Als gespreiztes Modell gewissermaßen. Wir werden es wohl nie erfahren. Ich lasse mich einfach anrufen, wenn der nette Kerl wieder im Laden der beiden Verlagsmiezen steht. Mit dem kann man gut über so was reden, glaube ich. Bis dahin schaue ich mir die Suchergebnisse von Google im Bildbereich an. So viel Wahrheit auf einen Haufen habe ich noch nie gesehen.

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