Schatz, wie war dein Tag?

 

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Sie grinste ihn zu Beginn an wie immer. Selbstgefällig und um ihre Machtposition wissend. Das „NEIN“ fest im Blick verankert, die Antragsablehnung mit jeder Faser ihres Körpers absorbiert. Im Nachhinein war er etwas enttäuscht. Er hatte sich größere Hoffnungen für diesen Termin gemacht. Wieder wollte Frau Liessmann seinen Antrag besprechen und er war sich absolut sicher, dass sie ihn ablehnen würde.

Nun stand er vor ihr und das erhebende Gefühl blieb aus. Das war so nicht geplant. Der ganze Hass sollte sich in Freude umkehren. Das sterbensfahle Weiß der Amtsstube mit den albernen Urlaubsfotos von Frau Liessmann sollte in Farben explodieren. Das Grün des Teppichs sollte endlich für Belebung stehen oder mindestens Hoffnung geben. Eine Art Genuss sollte sich in ihm breitmachen, ein befreiender Schrei seine Kehle verlassen, der Puls nach oben schnellen. Doch nichts passierte.

Sie lag einfach nur da. Drei Schüsse in den Kopf, in ihren Antragstellerabweisungsblick mit Designerbrille. Eine Kugel war aus dem Hinterkopf ausgetreten und Knochensplitter, Blut und Hirn verteilten sich hinter ihrem Stuhl an der Wand. Das war schön, aber nicht befreiend genug.

Etwas Schweres musste her, etwas mit Wucht. Ah! Wozu brauchte Frau Liessmann einen solch überdimensionierten Locher? Ein gußeiserner Fuß und ein Hebel, der in der Lage war, dicke Bücher zu lochen. So dick konnten die Akten bei ihr gar nicht werden. Schließlich genehmigte sie nichts. Nun diente der Locher einer guten Sache. Er kniete sich vor sie und konnte gar nicht mehr aufhören. Wieder und wieder hob der das Ungetüm über seinen Kopf und schlug es mit aller Kraft auf das Gesicht der Toten. Das Blut spritzte auf Ordner und Anträge, auf den kotzgrünen Teppich auf ihre gelbe Bluse. Dann kam noch das grau-blaue Mischmasch ihres Hirns hinzu und endlich, ja endlich, kam Genugtuung in ihm auf. Frau Liessmann mit ihrem blöden Antrag! Nie wieder würde sie jemandem gegenübertreten wie eine Gottheit einem Bittsteller, sich herrschaftlich vor ihm aufbauen und ihr Lieblingswort mit ihren vollen Lippen formen: „NEIN!“

Nun stürzten sie sich auf ihn, rissen ihn weg von Frau Liessmann und dem, was von ihr übrig war.Drei kräftige Männer schlugen wild auf ihn ein, zerrten ihn weg von der Leiche und endlich war es soweit. Warm durchflutete es ihn und er begann zu lachen.

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