Vom Glück auf der Wiese

Ich saß heute nach einem erfrischenden Regenguss auf einer Wiese, mein Hintern so nass wie meine Haare, und bestaunte die Natur. Ich genoss die Frische nach dem Regen, den ganz besonderen Geruch der nassen Gräser und ich freute mich einfach nur darüber, dass ich dort sein konnte. Einfach nur sein. Mehr nicht. Die Umgebung und der Moment berührten mich und ich fragte mich, warum das so ist. Ein paar Augenblicke der Ruhe, des Glücks und der Liebe. Geschenkt bekommen für gar nichts, nur fürs Sein. Was sollte ich tun? Ein Foto machen? Gefühle lassen sich nicht in Pixel umwandeln, damit sie die Zeit überdauern. Gefühle sind präsent und lassen sich auch nicht in ein Einweckglas packen, bei 100 Grad für zwei Stunden kochen und dann aus dem Keller holen, wenn es uns mies geht.
Wahrscheinlich sind wir Menschen so strukturiert, dass wir unser Glück so lange und so nah bei uns haben wollen, wie es nur geht. Und wenn ich, von diesem Wunsch beseelt, damit angefangen hätte, die Gräser einzusammeln, jeden Halm einzeln an mich zu pressen, mir die Büsche und Blumen vereinnahmt hätte, dann hätte ich hoffen können, dass mein Glück ganz nah bei mir ist. Weil ich es ganz fest umschließe, niemand es mir wegnehmen und es mich nicht verlassen kann.
So zerstören wir unser Glück. Drücken wir zu fest, wird die Berührung zu Druck. Das, was wir bei uns behalten wollen, zerdrücken wir und abgesehen davon merken wir beim Zerdrücken gar nicht mehr, wie wunderbar und einzigartig die Gräser, Blumen und Zweige sind, weil wir auch sie zerstören. Nicht zuletzt tut es uns selbst weh, wenn wir fest zudrücken. Aus der Idee, das wunderbare Glück zu assimilieren, wird eine schmerzhafte Vereinnahmung. Dabei ist es ganz einfach, sich von der Schönheit berühren zu lassen.

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