Mitfahrgelegenheit

Es ist ein kühler Herbsttag und Regen peitscht an die Windschutzscheibe. Ich biege gerade stadtauswärts auf die Avus in Richtung Heimat ein, als ich am Straßenrand einen verlodderten Kerl in einem weißen Talar sehe, der total durchnässt ist. Ich überlege, ob ich stehen bleiben und ihn mitnehmen soll. Aber eigentlich nehme ich keine Anhalter mit. Schließlich hört man immer einmal Nachrichten über irgendwelche Idioten, die auf diese Art reisen und sich im Fahrzeug als manisch veranlagte Irre entpuppen. Außerdem bin ich auf langen Fahrten gern allein. Das stetige Fahren eignet sich zur Meditation und zur Strukturierung der sonst wirren Gedanken hervorragend. Ich stelle dabei mentale Listen auf, was ich noch zu erledigen habe, wenn ich angekommen bin. Das geht ganz einfach. Ich brauche mir nur vorzustellen, wie ich die Tür meiner Wohnung öffne und einen Streifzug durch die Räume unternehme.  Staub wischen, die Spinnenweben im Flur entfernen und den wackligen Handtuchhalter im Bad anschrauben. Dann fallen mir auch noch die nicht sofort sichtbaren, aber nicht minder lästigen Dinge ein. Meine Zehennägel schneiden, den Abfluss reinigen oder die Steuererklärung für vorletztes Jahr machen. Andererseits sind mir Menschen lieber als Listen und Erledigungen im Haushalt. Bevor ich also überstrukturiert und mit einem arbeitswütigen Glühen in den Augen nach Hause komme, rede ich lieber mit einem Anhalter. Am Ende siegen mein schlechtes Gewissen und Menschenfreundlichkeit über Zehennägel schneiden und Belege sortieren. Diesen Typen lasse ich nicht im Regen stehen.
Ich bremse und fahre rechts ran. Im Rückspiegel sehe ich, dass er sich in Bewegung zu mir setzt. Seine langen Haare reichen bis zu den Schultern und klatschen beim Laufen vor sein Gesicht. Er hat keine Tasche bei sich, was ich schon wieder komisch, wenn nicht sogar verdächtig finde. Aber jetzt einfach losfahren? Das geht auch nicht. Er öffnet die Tür, steckt seinen Kopf herein und schaut mich an.
»Vielen Dank, dass Sie angehalten haben. Fahren Sie zufällig in Richtung Süden?«
»Ja. Das tue ich. Zumindest bis zum Hermsdorfer Kreuz fahre ich auf der A9. Dann biege ich aber nach Osten ab, auf die A4.«
»Das passt schon einmal ganz gut. Würden Sie mich bitte bis zu diesem Kreuz mitnehmen?«
»Natürlich. Steigen Sie ein.«
Er lässt sich auf den Beifahrersitz fallen, schließt die Tür und schnauft tief durch. Ich fahre los. Er ist schlank, fast mager, hat sehr feine Hände, für das Wetter eindeutig zu braune Haut und er riecht verdammt gut.
»Würde es Ihnen etwas ausmachen, die Heizung nach oben zu stellen? Mir ist ganz schön kalt.«
Er klappert wirklich. Ich habe bei seinen Haaren den Eindruck, dass sie nicht nur wegen des Wassers fettig wirken und sein Bart hat eine Pflege bitter nötig. Doch auch wenn er aussieht wie ein fröstelnder Wegelagerer, gehen von ihm Wärme und Nähe aus. Ich vertraue ihm, obwohl ich ihn nicht kenne. Deshalb sage ich: »Klar drehe ich die Heizung hoch. Sie frieren offenkundig. Wie lange standen Sie schon dort im Regen?«
Er lächelt zu mir herüber und in meinem Seitenblick kann ich unendlich gütige Augen sehen. Vielleicht habe ich auch nur so ein Gefühl. Beruhigend ist es allemal.
»Eine Ewigkeit habe ich dort draußen gestanden. Das macht aber nichts. Ich habe Zeit.«
Er spricht mit einer klaren und warmen Stimme. Ich überlege kurz, ob ich ihn bitten sollte, mir eine Geschichte zu erzählen. Dafür hat er die genau richtige Tonlage. Wie eine wärmende, flauschige Decke, in die man sich als Kind einhüllen kann, bevor Oma ein Märchen vorliest. Wohlbehagen und Vertrauen kann man aus jeder Faser einer solchen Decke riechen.
»Und wo genau wollen Sie hin? Nach Süden sagten Sie doch.«
»Ja, das ist richtig. Ich will nach Süden.«
Wenn er es mir sagen will, wird er es schon tun. Also frage ich nicht noch einmal nach. Da er keine Anstalten macht, ein Gespräch anzufangen, ich aber nicht schweigen will, wenn ich schon einen Menschen im Auto habe, frage ich trotzdem weiter:
»Warum haben Sie denn einen solchen Talar an? Ist schon etwas ungewöhnlich, oder?«
›Schon allein, weil es nicht wettertauglich ist. Und darüber hinaus wirkt es befremdlich‹, denke ich mir.
Er lächelt. Doch dieses Mal wirkt es ein klein wenig höhnisch.
»Sie sind sicher nicht gläubig, oder?«
»Nein, warum? Und was hat das mit Ihrer Kleidung zu tun?«
»Eine Menge. Denn ich habe keinen Talar an mir, sondern eine Soutane. Die gläubigen Menschen wissen so etwas und die Ungläubigen eben nicht. Ein Talar ist viel weiter geschnitten und eine Soutane ist bis zur Hüfte sogar tailliert. Außerdem tragen nur Geistliche eine Soutane.«
Nun habe ich es also. Man glaubt immer, dass es Geistesgestörte gibt, die per Anhalter umherreisen und andere Menschen abschlachten, mehrfach zerteilen und dann in Abfallsäcke stecken. Aber es sind die ganz normal kaputten Existenzen, die einem nichts Körperliches anhaben wollen, aber das Hirn in einer Art und Weise malträtieren, dass man irgendwann den Freitod als verlockend empfindet.
»Aja, vielen Dank für die Aufklärung«, sage ich ihm. »Und wenn Sie mir schon nicht sagen wollen, wohin genau Sie in den Süden wollen, sagen Sie mir vielleicht, was Sie im Süden tun werden?«
»Ich bin dort geschäftlich unterwegs und muss ein paar Dinge gerade rücken. Ich hatte Vereinbarungen getroffen, die nicht eingehalten werden. Daran möchte ich nun erinnern.«
Das ist doch eine genaue und überaus erhellende Antwort. Ich finde es schade, einen Anhalter mitgenommen zu haben, der sich nur so schleppend und ausschließlich auf meine Fragen hin unterhält. Geld will ich für den Transport schon keins, dann kann er wenigstens etwas zum Gespräch beitragen.
»Sie sind mir vorhin ausgewichen, als ich gefragt hatte, wohin genau nach Süden Sie fahren wollen. Ist es ein Geheimnis, das Sie mir nicht verraten wollen?«
»Nach Italien muss ich.«
»Das ist aber noch ein ganzes Stück vom Hermsdorfer Kreuz entfernt. Hoffentlich finden Sie bei dem Wetter jemanden, der Sie mitnimmt. Es sieht im Moment danach aus, als würde es überall auf der Welt regnen.«
›Vor allem werden Sie Probleme als Anhalter haben, da Sie ein mindestens Verwirrter, wenn nicht sogar ein Geistesgestörter sind.‹
»Das bin ich nicht«, sagt er.
»Was sind Sie nicht?«
»Das, was Sie eben dachten.«
»Was dachte ich denn?«
»Sie dachten, dass ich mindestens ein Verwirrter, wenn nicht sogar ein Geistesgestörter bin.«
»Das habe ich nicht gedacht!«, log ich.
»Jetzt lügen Sie auch noch und wissen es überdies. Vielleicht sollte ich wirklich ein anderes Fahrzeug suchen.«
Jetzt reicht es mir! So ein Schnösel! Macht hier auf Gedankenleser, obwohl er dankbar sein darf, dass ich ihn aufgelesen habe. Ich drücke in meiner leicht aufkommenden Wut etwas mehr aufs Gas als notwendig, aber irgendeinen Kanal für meinen Ärger brauche ich. Um das Pedal nicht gänzlich durchzudrücken, mache ich mir dann doch noch verbal Luft.
»Dann machen Sie das doch in Gottesnamen! Ich habe Sie schließlich nicht eingeladen und meinetwegen können Sie auch bis nach Italien laufen in ihrer schicken Soutane, die so herrlich tailliert geschnitten ist. Bloß möglich, dass der Lappen am Ende Ihrer Reise noch etwas weiter fällt, weil Sie so abgemagert sein werden, wenn Sie angekommen sind. Wenn Sie so wollen, haben Sie dann aus der Soutane doch noch einen Talar gemacht!«
›Arschloch!‹, füge ich in Gedanken an.
»Sie sind ein schlechter Mensch im Denken. Ich bin weder ein Geistesgestörter noch ein Arschloch. Eigentlich wollte ich Sie fragen, ob Sie die Zeit entbehren könnten, mich bis nach Italien zu fahren.«
»Bis nach Italien? Geht es Ihnen gut? Sie sollten mir dankbar sein, dass ich Sie überhaupt aufgegabelt habe und bis zum Hermsdorfer Kreuz mitnehme.«
Was bildet sich dieser Idiot eigentlich ein? Macht hier einen auf Woodstock, mystifiziert sich ein bisschen und ich soll ihn nach Italien fahren? Anmaßender geht es kaum.
»Wissen Sie was? Ich halte immer am Rasthof Fläming an und trinke dort einen sackteuren Milchkaffee. Wollen Sie bei der Gelegenheit nicht das Fahrzeug wechseln? Vielleicht finden Sie jemand Netteren, der sie nach Süden mitnimmt. Möglicherweise sogar eine rassige Italienerin, die Sie gleich bis zum Ziel bringt.«
Er legt seine wunderschöne linke Hand auf meine Rechte und hebt mit dieser unglaublichen Stimme an:
»Lassen Sie uns das einfach beim Milchkaffee besprechen. Ich lade Sie ein.«
Ich ziehe meine Brauen nach oben, schiele zu ihm rüber und frage: »Ich will ja nicht aufdringlich sein, aber wo bitteschön haben Sie Ihr Geld versteckt?«
Er lacht nur und sagt: »Lassen Sie das nur meine Sorge sein. Sie werden Ihren Milchkaffee bekommen. Und es wird auch noch etwas für mich übrig bleiben.«
Wir fahren noch einige Kilometer ohne jegliche Konversation. Bei Anhaltern verwirrt mich das genauso wie bei Taxifahrern. Da sitzen sich zwei Menschen so nah auf der Pelle und könnten von Belanglosigkeiten bis zu Hochphilosophischem alles austauschen, doch was tun sie? Nichts! In Zügen ist das noch faszinierender, weil dort zehn, zwanzig und mehr Menschen zeitgleich vertieft in Zeitungen, Smartphones und Bücher sitzen. Sie verpassen die Einmaligkeit eines Menschen neben sich, während sie Belanglosigkeiten im sozialen Netzwerk austauschen. Erstaunlich, wenn nicht sogar traurig.
Es wäre mir weniger unangenehm, wenn eine mir bekannte Person neben mir säße. Bei einem fremden Menschen weiß ich in diesem Moment gar nicht, was in seinem Kopf vor sich geht. Soutane hin oder her.
Endlich sind wir da. Ich setze den Blinker und dessen Geräusch ist das erste, was mir wieder etwas Sicherheit und Vertrauen gibt. Im diesigen Licht der Dämmerung, vermischt mit dem kaum durchschaubaren Regen, parke ich vor dem Rasthof und schalte den Motor aus.
»So. Da sind wir. Lassen Sie uns reingehen. Drinnen ist es garantiert auch angenehm warm.«
»Das ist schön. Vielen Dank schon einmal.«
Mann, diese Stimme! Ich habe noch nie eine so wundervolle männliche Stimme gehört. Der Kerl sollte ins Musikgeschäft einsteigen, wenn er nicht sogar von dort ist. Abgedreht genug sieht er ja aus. Wir trennen uns am Tresen, wo er sich anschickt, eine Dame anzusprechen und unsere Getränke zu bestellen. Ich gehe aber gehe auf die Toilette. Dort angekommen uriniere ich eine gefühlte halbe Stunde. Dabei schaue ich an mir herab und in einem sehr effektvoll direkt über dem Pissoir angebrachten Spiegel. Ich betrachte meine Leibesmitte und denke daran, wie ich am Morgen im Hotel mit einer prächtigen Erektion erwachte und mir die eigentlich zentrale Frage des männlichen Daseins zu Beginn eines Tages stellte: Urinieren oder Onanieren?
Während ich durch den Spiegel beruhigend feststelle, dass ich einen harten und gleichbleibenden Strahl von mir gebe, sinniere ich darüber, ob mein schon im Auto aufkeimender Verdacht bezüglich des Typen richtig sein kann. Nein, es gibt eigentlich keinen Zweifel, wer er ist. Mögen mich andere für bescheuert halten, oder sich einfach in der Diagnose meiner Geisteskrankheit bestätigt fühlen, er ist es. Ich fühle mich angenehm erleichtert, als ich die letzten Tropfen abschüttle, wasche mir die Hände und spritze mir kaltes Wasser ins Gesicht. Dann schaue ich meinem Spiegelbild genau in die Augen und bin mir sicher, dass ich im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte bin. Genauso gut könnte ich in dieser Stimmung mein Testament aufsetzen. Ich verlasse die Toilette und finde ihn an einem Tisch mit zwei Tassen darauf. Es wundert mich nun nicht mehr, dass er sie bekommen hat. Ich setze mich ihm gegenüber, nehme einen Schluck, bedanke mich dafür und schaue ihn einfach nur an. Eine tolle Erscheinung. Doch die Zeit des Wunderns ist vorbei.
»Soll ich Ihnen etwas verraten? Wenn ich Zeit- und Raumüberlegungen beiseitelasse und auch Glaubensfragen übergehe, weiß ich, wer Sie sein könnten. Nein, ich weiß sogar, wer Sie ganz sicher sind.«
»Und, wer bin ich?«
»Sie sind sein Sohn.«

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Er bleibt völlig gelassen. Kein Erstaunen, kein Schweißausbruch, keine brüchige Stimme, nichts. Nur ganz lapidar: »Nun, da haben Sie recht. Und, sind Sie überrascht?«
»Nein. Erst letzte Woche habe ich Napoleon nach Norderfriedrichskoog gefahren und die Woche davor habe ich Kant nach Königsberg gebracht. Der arme Kerl. Stand völlig verwirrt vor der Humboldt-Uni.«
Er kann auch wunderbar lachen. »Humor haben Sie. Das ist schön.«
»Fällt aber noch nicht unter die Zehn Gebote«, antworte ich, nachdem ich noch einen Schluck Milchkaffee getrunken und mir den Milchbart abgewischt habe.
»Haben Sie denn Probleme mit den Geboten?«
»Nein. Sie sind gut gemeint. Nur kann man unmöglich immer nach ihnen leben. Oder zumindest kann man es nur versuchen, sie zu erreichen, aber doch sehe ich sie lediglich als moralische Richtlinien, die wir erreichen sollten, auch wenn es schwer ist.«
Er lächelt und sieht dabei doch ernst aus. »Das ist gar nicht so schlecht. Und ja, es sind Richtlinien. Es ist einem normalen Menschen gar nicht möglich, ein Leben lang in Erfüllung der Gebote zu leben. Sonst hätten Sie ja nicht diese Vielzahl von Beziehungen zu Frauen hinter sich. Nur so als ein Beispiel.«
Gedanklich zähle ich durch, finde die Zahl nun aber nicht gerade teuflisch, im Grunde eher christlich, fast pastoral.
»So viele waren es nun auch nicht.«
»Aber auch nicht nur eine, oder?«
»Sollten wir denn in nur einer bleiben? Auch wenn sich diese verschlechtert, die Partner sich entwickeln, die Partnerschaft aber nicht?«
Er grinst wieder nur. »Vielleicht sollten die Menschen es versuchen, vielleicht auch nicht. Sie sollten aufhören zu streiten, oder streiten, bis sie sich einigen. Sie sollten wütend aufeinander sein und schweigen oder reden und reden. Die Antwort weiß nur er.« Dabei schaut er nach oben. »Was meinen Sie?«
»Wissen Sie, was mich bei meinen Beziehungen immer gestört hat? Diese ewige Frage nach dem Recht und nach der Schuld. Ist es nicht irgendwann einmal egal, wer Recht hat oder nicht? Und ist nicht die gesamte Wut, die sich dem anderen gegenüber anstaut nicht mehr als eine Autointoxikation? Man vergiftet sich jeden Tag ein bisschen mehr, glaubt aber immer, schuld sei der andere. Irgendwann stirbt man, dabei wäre es ein leichtes gewesen, dem anderen zu verzeihen, wenn man es sich selbst gegenüber getan hätte.«
Er lächelt milde zu mir. Etwas zu milde für meinen Geschmack.
»Sie sind gar nicht so schlecht. Solche Einsichten haben viele erst auf dem Sterbebett oder nie.«
»Aber helfen sie mir denn wirklich, wenn sie die anderen nicht erreichen? Wenn die nur nach Geboten Ausschau halten, den Blick nach außen richten, wo sie doch nur im innen aufräumen müssten?«
Wir haben inzwischen ausgetrunken, die Tassen auf einem Beiwagen abgestellt und gehen nach draußen. Als uns der Regen wieder in Empfang nimmt, legt er seine Hand auf meine Schulter und sagt: »Wenn Sie das verstehen, wird es irgendwann noch einen weiteren Menschen geben. Und dann noch einen und so weiter. Ideen sterben nie, wenn sie weitergegeben werden.«
Wir sind am Auto angelangt. »Optimist zu sein gehört bei Ihnen wahrscheinlich zum Berufsbild, oder?«
»Es erleichtert die Sache etwas und bewahrt mich vorm Aufgeben. Ich werde mir gleich ein anderes Auto suchen und Sie verlassen. Haben Sie noch eine Weisheit für mich?«
»War ich ein so schlechter Fahrer? Entschuldigen Sie bitte, dass ich zu Beginn nicht so freundlich zu Ihnen war. Jetzt unterhalten wir uns doch sehr gut.«
»Darum geht es nicht. Wir hatten genau den Weg gemeinsam, den wir haben sollten. Das ist schon alles.«
Ich öffne das Auto, setze mich und lasse die Seitenscheibe runter. Er steht neben mir und hat tatsächlich eine unglaubliche Aura. So viel Wärme und diese Energie! Aber ich habe das Gefühl, dass ich dran bin. Als hätte er mir eine Frage gestellt.
»Nun gut. Ich habe nicht immer nach den Geboten gelebt. Ich habe geprasst, gelogen, betrogen, begehrt und die falschen Götzen angebetet. Aber ich habe mich sehr wohl bemüht. Es ist schwer, sehr schwer. Und wenn Sie mich nun nach einer Weisheit fragen würden, dann gibt es wohl nur eine, die ich wirklich habe. Es gibt so viele Menschen, die als einmaliges Original geboren werden, aber beim Sterben sind sie nur eine billige Kopie von irgendetwas. Ich will das Original bleiben. Mit all meinen Fehlern, mit meinen Stärken und Schwächen. Mit dem, was mich liebenswert macht und dem, womit ich anecke. Bei mir selbst und bei anderen. Vielleicht bin ich dann noch immer nicht vollkommen im christlichen Sinne. Aber ich habe gelebt. Ich habe ein einzigartiges, ich habe mein Leben gelebt.«
Während ich das sage, schaue ich gedankenverloren auf die Tropfen auf der Windschutzscheibe. Die Scheibenwischer sind noch nicht eingeschaltet und deshalb fließt das Wasser zu Rinnsalen zusammen und ich kann nichts sehen. Als ich mich wieder zu ihm wende, ist er nicht mehr da.

1 Kommentar zu „Mitfahrgelegenheit“

  1. Wow! Eine wundervolle Begebenheit, die es in unseren Zeiten nur noch so selten gibt … Ich werde heute abend noch 400 km zurücklegen und habe eine Mitfahrgelegenheit aufgegeben, weil ich es für ökologisch und zwischenmenschlich sinnvoll halte.
    Ob ich für einen Anhalter ohne Gepäck mit beschriebenem Aussehen anhalten würde, weiss ich aber auch nicht … Na jetzt bin ich mal gespannt, wer bei mir mitfährt …
    Ich wünsche ein entspanntes Wochenende!
    lg Janina

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