Ein paar Worte zum Sonntag

Liebe Freunde, der Papst ist weg. Ist es gut, ist es schlecht? Was will uns Benedikt damit sagen? Meine Schäflein, achtet auch auf eure Work-Life-Balance und hört rechtzeitig auf, Frondienste zu verrichten! Oder einfach nur: Gelobt sei der Herr, der uns wenigstens den Sonntag ließ? Der freie Sonntag als Sinnbild des arbeitsfreien Lebensherbstes, wobei es beim Papst wohl eher das Weihnachten oder Silvester des Lebens ist. Nicht erst, seitdem der deutsche Grundpfeiler im Vatikan fehlt, stellen wir uns die Grundfragen des Lebens neu:
»Woher kommen wir?«
»Woran sollen wir glauben?«
»Wie sollen wir leben?«
Brauchen wir den Papst, Jesus, Gott oder den Glauben noch? Kommen wir auch ohne ganz gut aus, weil wir mit der Angie, dem Euro, Pferdefleisch, Finanzkrise, Facebook und Twitter genug haben, woran wir glauben oder aber verzweifeln können? Was ist noch wahr und was ist falsch? Wie wir alle wissen, ist nichts ohne sein Gegenteil wahr. Und da wissenschaftlich verlässliche Erklärungen weder für jungfräuliche Empfängnis, Wiederauferstehung, Eurokrise, Volksverdummung oder Urknall gegeben werden können, müssen wir uns weiter in Glauben oder Wahnsinn flüchten.
Dabei gibt es die eine, wenn auch recht ernüchternde Wahrheit schon sehr lange. Sie wird unter dem strengen Siegel der Verschwiegenheit von Generation zu Generation weitergegeben. Mir wurde alles von Martha Goldstein erzählt. Und nun, liebe Freunde, heute teile ich dieses Wissen mit euch.
Immer, wenn ich bei meiner Oma die Sommerferien verbrachte, kam deren Freundin zu Besuch und klärte mich auf. Allerdings nur über die großen Fragen der Welt. Damals interessierten mich eher die kleinen, lasterhaften, aber darüber sprach sie nie. Jeden Tag las Martha Goldstein mir die Geschichte der reisenden Götter vor. Sie war in der Sprache der Adakier geschrieben und die Freundin meiner Oma (mit mehrfach betonten jüdischen Wurzeln) war wahrscheinlich der einzig lebende Mensch auf dieser Welt, der diese Sprache noch lesen konnte. Jedenfalls übersetzte sie mir die Schriftzeichen immer wieder gleich und dies scheint mir Beweis genug, dass es tatsächlich so war. Nach ihrem Tod habe ich ihr gesamtes Haus durchsucht, aber das alte Pergament konnte ich nicht finden. Wahrscheinlich hat sie es vor ihrem Weggang verspeist und leider wurde sie verbrannt, sodass weitere Nachforschungen posthumer Art höchst unrentabel schienen. Nun aber zur eigentlichen Geschichte.
Vor vielen Jahren, zu Beginn der Zeit, die wir denken können, reisten die Götter durch das Universum, das nicht weniger als Nichts war. Sie verweilten mal hier, mal dort, sahen aber nur das Nichts. Dies war ihnen die meiste Zeit genug, doch zuweilen war das Nichts gänzlich langweilig. Zumal auch die Götter Teil des Nichts waren, da sie aus nämlichen kamen und in selbiges gingen. Alles war nichts. Irgendwann wurde es einem der Götter zu langweilig. Er schlug vor, dem Nichts ein Ende zu bereiten und etwas zu schaffen! Doch was sollten sie schaffen, wo doch, bei genügsamer Betrachtungsweise, das Nichts die meisten Tage durchaus erfüllend war? Wie viele Gefahren würde wohl etwas, das anders war als das Nichts, mit sich bringen?
»Wir könnten zum Beispiel Licht machen!«, entfuhr es dem Hellsten unter den Göttern. Alle anderen sahen ihn geringschätzig an.
»Und was würde dann aus unserem schönen Nichts? Was bekämen wir zu Gesicht, wenn plötzlich Licht wäre?«, fragte der Anführer. Alle stimmten zu. Das Wagnis war zu groß, wenn plötzlich aus dem dunklen Nichts ein helles würde. Der Schreiber unter den Göttern aber holte wie aus dem Nichts ein Pergament hervor und skizzierte in Windeseile seine Vorstellung von etwas anderem als dem Nichts. Plötzlich war da ein Etwas auf seinem Papier und er hielt es den anderen Göttern vor die dunklen Augen.
»Ich sehe nichts!«, entfuhr es dem Anführer der Götter.
»Dann mach Licht!«, sagte der Helle.
Und so sprach der Anführer: »Es werde Licht!«
Es wurde Licht und er schaute auf den Zettel. Auch die anderen Götter blickten auf ihn. Fast im Chor riefen sie aus: »So eine Ungeheuerlichkeit!«
Der Anführer fügte hinzu, dass, wenn er jemals zuvor etwas gelesen hätte, das vor seiner Nase befindliche das Unsinnigste sei, was er je gelesen hat. Mit Kennerblicken sahen sie einander tief in die Augen, sammelten in ihren Mündern allen Speichel, den sie finden konnten, und spien gleichzeitig auf den Zettel. Der Schreiber sah betreten auf die verschwommenen Zeichen auf seinem Pergament und ein paar Tränen der Enttäuschung purzelten mit auf das Blatt. Während langsam das Licht erlosch und sie das Nichts wieder fest in seinen Bann schloss, zerknüllte der Schreiber das Pergament und warf es hinter sich. Es flog schwerelos durch das Nichts.
»Dann wollen wir mal wieder«, sagte der Anführer und bedachte den Schreiber noch einmal mit einem verständnislosen Kopfschütteln: »Mach so etwas bitte nie wieder, hörst du?!«
Der Schreiber nickte und im Fortbewegen vernahm er hinter sich ein zartes Rascheln, das immer lauter wurde. Heute wollen die einen dabei den Urknall gehört haben, die anderen erklären diesen Fetzen glatt für die Bibel. Dabei ist alles Nichts geblieben.

Knetmännchen

Es ist schon fast dunkel und ich sitze in meinem Zimmer. An der Wand wellt sich ein DDR-Oberliga-87/88-Poster und gegenüber hängt recht vergilbt Van Gogh mit seinem Ohrverband. Daneben ist ein Regal, in dem Trompeterbücher schön geordnet nebeneinander stehen. »Bootsmann auf der Scholle« von Benno Pludra ist dabei und auch »Das Märchen von der verlorenen Zeit« von Liana Daskalowa.  Aber auch ein paar Alex Taschenbücher sind zu sehen. »Das Wirtshaus im Spessart« von Wilhelm Hauff und »Nimmerklug in Sonnenstadt« von Nikolai Nossow zum Beispiel. Ich habe sie alle schon gelesen. Mehrfach. Erst letzte Woche habe ich mir ein paar davon noch einmal vorgenommen. Selbst »Schnurzel, das Neinchen« von Friedrich Wolf habe ich wieder mit Freude gelesen.
Vor mir liegen kleine Berge von Knete. Farblich sortiert. Ein paar ganz klare Haufen blau, gelb und rot, aber die meisten sind irgendein Mischmasch, den ich selbst aus altem  Material gemischt habe. In meiner Hand entsteht gerade ein kleines Männchen nach der Vorlage wie ich sie immer mache. Ein Kopf in der Größe einer Haselnuss und mit einer Kugelschreibermine steche ich zwei Augen und den Mund hinein. Ganz nach Belieben folgen noch Haare oder ein Bart. Den Körper forme ich vorsichtig und verbinde ihn mit einem Streichholzstück mit dem Kopf. Je nachdem, was ich gerade spielen will, kommen die Utensilien dazu. Eine Rückennummer, wenn es um Fußball geht, eine Rüstung, wenn es ein Ritter werden soll, Ski, wenn es ein Skispringer wird.
Nach und nach entsteht im Moment die Komplettausrüstung für  sechs Fußball-Mannschaften, die in einer Liga jeder gegen jeden spielen werden. Zwischendurch schaue ich nach draußen. Die Straßenlampen sind schon eingeschaltet und sie werfen ein trübes Licht auf die Bürgersteige. Ganz entfernt kann ich noch einen Schornstein am Horizont ausmachen, aber so langsam taucht alles in Dunkelheit ein. Ein paar Vögel zwitschern noch und ansonsten ist es ruhig und friedlich. Der Spieler in meiner Hand bekommt die Nummer neun und wird wahrscheinlich Torschützenkönig. Auf jeden Fall hat er sehr gute Karten dafür, denn er ist mir sehr sympathisch, weil seine Gesichtszüge sehr gelungen sind. Alle Figuren sehen unterschiedlich aus, obwohl ich denselben Kugelschreiber nehme und darauf bedacht bin, immer wieder die gleichen Augen und Münder zu stechen, doch es gelingt mir nicht. Jeder Knetmann ist ein kleines Kunstwerk.
Der André aus dem Block gegenüber hat einmal Playmobil-Figuren von seinem Onkel aus dem Westen bekommen. Sie sind Ritter und nicht veränderbar. Wenn er Lust darauf hat, dass sie Fußball spielen sollen oder Polizisten sind, sieht das immer sehr komisch aus. Ich fühle mich da wesentlich freier und variabler. Wenn bei mir eine meiner Knetfiguren nicht mehr zum Thema passt, wird sie eben entsprechend korrigiert.
Letztens habe ich eine große Packung mit neuer Knete gekauft. Sie liegt auf meiner Kommode unter dem Oberliga-Poster, aber ich traue mich nicht so richtig daran und habe nur ganz wenig davon genommen. Schließlich habe ich genug von der alten Masse und sie liegt wirklich noch gut in der Hand, lässt sich wunderbar modellieren und auch die Farben mischen sich phantastisch. Ein bisschen komme ich mir vor wie in einem wohlbehüteten Paradies. Draußen diese friedliche Stille und von meinem Zimmer aus kann ich meine Eltern hören, wie sie in der Küche das Abendessen zubereiten.
Ich bin eingebettet in eine herzliche Fürsorge, bekomme eine Rundumversorgung, werde verpflegt und warm gehalten. Meine Hände bewegen sich gekonnt und eine Figur nach der anderen entsteht. Schon bald habe ich die erste Mannschaft zusammen. Ich lasse sie nur aus vier Spielern plus Torwart bestehen, weil ich als Spielfeld nur die Regalfläche meines Klappbetts habe.
Das sind vielleicht zwanzig Zentimeter in der Breite. Die Länge passe ich entsprechend an, aber es soll ja wirklichkeitsgetreu aussehen. Zwei Ersatzspieler dazu und schon ist alles perfekt. Wenn einer wirklich den Verein wechseln sollte, dann muss ich nur den Kopf der Figur wechseln. Bei deutlichen Unterschieden in der Athletik kann es aber schon einmal sein, dass ich aufgrund eines Transfers eine neue Figur modelliere.
Die Tür öffnet sich einen Spalt und meine Mutter schaut vorsichtig hinein. Sie will mich nicht so sehr beim Spielen stören und das gefällt mir. »Kommst du dann bitte ins Wohnzimmer? Das Abendessen ist fertig.«
»Ja gleich, Mama. Ich mache nur noch diese Figur hier fertig.«
Die Tür verschließt sich wieder und ich statte den Torwart noch mit ein paar Handschuhen und einer Mütze aus. Auf den Rücken eine eins und schon ist auch die zweite Mannschaft meiner imaginären Liga fertig.
Im Wohnzimmer ist der Tisch schon gedeckt, frisches Brot steht auf ihm, dazu Butter und Käse, Wurst und ein paar Gurkenscheiben. Manchmal ist es gar nicht so wichtig, was man isst. Es kommt nur darauf an, wo und mit wem. Zuhause könnte man wahrscheinlich sogar Katzen grillen und es würde schmecken, wenn man aber zu Gast bei jemandem wäre, sähe die Sache schon anders aus. Unser Kater zieht an mir vorbei und schaut mich an, als hätte er meine Gedanken erraten.
Meine Mutter und mein Vater kommen zum Tisch, setzen sich und beginnen zu essen. Wir sind nicht kirchlich, also wird nicht gebetet. Aber auch andere Rituale haben wir nicht. Wir essen einfach und es ist in Ordnung. Während wir essen, wird die Stille umso mehr greifbar. Mein Vater isst genauso still, wie er sonst auch ist und meine Mutter schaut leise kauend vor sich hin. Ich schmiere mir ein Brot mit Käse und als ich hinein beiße, habe ich ein ganz wohliges Gefühl von Heimat und Geborgenheit. Es tut gut, auch wenn es spricht.
Nach dem Essen wird es einen Moment noch stiller, wenn das überhaupt möglich ist.
»Wir müssen dann noch einmal mit dir reden«, erhebt meine Mutter die Stimme.
Das klingt problematisch und erinnert mich an die anderen Male, als meine Eltern mit mir reden mussten. Das klingt nie gut. Eltern, die das Gespräch mit »Wir müssen einmal mit dir reden« beginnen, bringen so eine unnötige Schwere in einen leichten Tag. Ich hoffe, dass ich das einmal anderes machen werde, wenn ich selbst Kinder habe, denke ich mir und antworte, der Gefahr unerschrocken ins Auge blickend: »Ja, gut. Worum geht‹s?«
»Ich habe dich vorhin mit deinen Knetmännchen spielen sehen«, fängt meine Mutter in einem Tonfall an, als hätte ich mir eine Spritze gesetzt, »und wir fragen uns, ob du dafür nun nicht schon so alt bist.«
Mein fragender Blick irritiert sie scheinbar noch mehr.
»Na ja, wir haben immerhin noch die Eisenbahnplatte auf dem Dachboden und die erscheint uns immer noch besser als diese komischen Männchen.«
»Ich weiß gar nicht, was ihr an den Männchen auszusetzen habt! Das ist überaus kreativ und passt in keine Norm, das ist alles. Und schlecht ist deshalb nicht gleich.«
Meine Eltern schauen sich betreten an. Wieder ist es an meiner Mutter, das Wort an mich zu richten.
»Gut. Dann einmal anders. Wir sind deine Eltern und werden es immer bleiben. Wir werden dich auch für immer lieben, ganz gleich was du tust. Aber, versteh uns bitte nicht falsch, es ist ein Unterschied, ob du mit deinen Männchen vor über fünfzehn Jahren gespielt hast oder ob du heute damit spielst. Damals warst du dreizehn oder vierzehn, das war okay. Aber heute?«
Ich schaue sie fragend an und verstehe die Welt nicht mehr. Meinen Job hatte ich verloren, meine langjährige Freundin Heike gleich mit. Womöglich gab es da einen Zusammenhang, weil mein ehemaliger Chef Helmut ihr neuer Freund ist, aber wer weiß das schon so genau. Ich könnte auch sagen, dass sie eine alte Hure ist, sie schlecht machen und meinen ganzen Frust und Ärger durch Gewalt kompensieren. Ihren Freund und meinen Ex-Chef verprügeln, vierteilen, kastrieren. Aber nein, das tue ich nicht. Auch vergreife ich mich nicht an dieser hinterhältigen Schlange, wie sie es verdient hätte, reiße ihr den Kopf ab, verarbeite sie zu Tatar oder werfe sie in den Fluss. Nein. Was tue ich verständiger junger Mann, der auch verlieren kann? Ich gehe zurück zu meinen Eltern. Schaue, ob ich aus dem Geschehenen etwas lernen kann, ob ich es vielleicht war, der Fehler gemacht hat, auch wenn das nahezu ausgeschlossen werden kann. In aller Demut komme ich also zu meinen Eltern, darf bei ihnen wohnen, gebe etwas von meinem Arbeitslosengeld ab und sie machen mir Vorschriften, wie ich meinen Tag zu verbringen habe?
Mein Gott, Knetmännchen basteln und sie gegeneinander Fußball spielen lassen war beileibe nicht so asozial wie Talkshows und »Richterin Barbara Salesch« schauen oder vor dem Supermarkt Dosenbier kippen. Mann! Ich hatte mein Leben im Griff. Ein kurzer Hänger, eine Phase der inneren Einkehr. Andere gehen dafür ins Kloster und gehe eben zu meinen Eltern und spiele mit Knete. Was ist daran auszusetzen? So ein Zeug stammle ich meinen Eltern entgegen, um ihnen nicht zu sagen, dass ich es natürlich peinlich finde, mit fast einunddreißig Jahren wieder zu ihnen zurück zu kehren. Vermögens-, kinder- und aussichtslos. Das war wie sitzenbleiben. Es eben nicht geschafft haben. Klar, dass die Beschäftigung mit Knetfiguren da ein bisschen dämlich aussieht.
»Ich sag euch was. Gleich am Montag gehe ich ins Arbeitsamt und suche mir Arbeit. Wenn ich welche habe, ziehe ich so bald wie möglich aus und dann ist auch wieder Schluss mit den Knetmännchen. Und die Eisenbahnplatte brauchen wir auch nicht vom Speicher zu holen«, füge ich noch hinzu, mich innerlich vor meinem eigenen Witz zerpflückend.
Er kommt aber nicht so gut an. Gar nicht. Der Gesichtsausdruck meiner Eltern ändert sich nicht. Mein Vater nickt meiner Mutter zu.
»Es geht auch nicht um die Knetmännchen, mit denen du Fußball spielst. Das wäre vielleicht bedenklich, aber noch nicht wirklich schlimm.« Meine Mutter holt tief Luft, dann greift sie unter den Tisch und holt eine mir durchaus bekannte Skulptur hervor. Ein wahres Meisterwerk der plastischen Knetkunst, aber wie mir schon schwant, nicht in den Augen meiner Eltern.
Das Angebinde steht auf dem Tisch wie ein Mahnmal. »Es ist schade, dass dich Heike verlassen hat. Wir haben sie sehr gemocht und können es heute noch nicht verstehen, wie du sie gehen lassen konntest, aber, wie schon gesagt, wir werden dich immer lieben, auch wenn du dein Leben und deine Beziehungen immer noch nicht auf die Reihe bekommst.«
Sie holt wieder tief Luft, lässt mir aber trotzdem keine Zeit zu einer ausreichenden Rechtfertigung. »Das hier aber«, sie zeigt auf mein Kunstwerk, »das hier geht gar nicht. Das hat sie nicht verdient.«
Vor uns steht eine Plastik, die eine nackte Frau und einen Mann zeigt. Ich habe mir wirklich Mühe gegeben und man kann Heike richtig gut erkennen. Mein alter Kunstlehrer, der gerade einmal zwei Blocks weiter wohnte, wäre stolz auf mich, wenn er noch leben würde. So aber wird er die Detailverliebtheit der Darstellung ihres Gesichts, ihrer Brüste und ihres sonstigen Körpers nie sehen. Und leider auch nicht die wirklich gut gelungene Kettensäge, die von ihrem Bauch bis in ihren Schoß reicht und reichlich rote Knete zutage fördert.
Helmut liegt neben ihr und hat ein hübsches Loch in seinem Kopf. Ich will wirklich nicht sagen, dass Heike eine Schlampe ist, aber so richtig nett war das eben nicht. Und, mein Gott, das ist schließlich nur Knete und Kunst. Was soll der vorwurfsvolle Blick? Andere Menschen schreiben Horrorromane und leben in Freiheit. Nun spricht auch mein Vater.
»Wir möchten, dass du gehst. Sofort. Jetzt gleich nach unserem Gespräch.«
Er greift auf den Platz neben sich und legt mir einen Zeitungsausschnitt vor die Nase.
»Beziehungsdrama! Junge Frau mit Kettensäge zerstückelt.« Schwarzer Balken über Helmuts und Heikes Augen und ein bisschen Weichzeichner über der Stelle, wo die Kettensäge steckt. Die Ermittlungen laufen, aber alles sieht nach einem Mord mit anschließenden Selbstmord Helmuts aus. Einzig verwirrend sind Spuren von Knete.  Ohne Fingerabdrücke. Ein Hinweis ist das noch lange nicht. Sage ich doch.