Hinter den Kulissen von Standard & Poor’s (Teil 2)

»Nein, David, das sind eindeutig Vierecke. Und Vierecke heißen nichts Gutes. Das wissen wir alle.«
Greg und David sind Profis. Das sind sie alle bei Standard & Poor’s. In Sekundenbruchteilen gehen sie die internen Anweisungen für den Fund Management Rating Process durch. Stufe für Stufe. Sie wissen, was zu tun ist. Deshalb sagt David: »Ich gebe Ed Bescheid. Sie informieren die anderen und lassen die üblichen Tests machen. Wir sehen uns um neunhundert im Konferenzraum.«
»Klar, David, wir sehen uns dann.«
David verlässt den Raum und Greg nimmt den Hörer zur Hand. Innerhalb einer halben Stunde sind alle informiert. Hier arbeiten nur Profis. Sie sind bei Standard & Poors. Wo sonst sollten die Besten auch sein?
Der Konferenzraum ist voll besetzt. Greg sitzt neben David, ihnen gegenüber sitzt Deven, das Urgestein. John ist da und auch Rick. Jetzt muss nur noch Ed eintreffen, dann können sie starten.
Die Tür geht auf, Ed kommt, mit einem Packen Papier unter seinem Arm, herein und setzt sich an das Ende des Tisches.
»Jungs, die Lage ist absolut ernst. Ich will jetzt die Ergebnisse des Quantitative Screenings, des Prior Background Assessments und des Qualitative Face-to-Face Interviews haben. Dann werden wir den Beschluss als Rating Commitee fassen und schauen, was rauskommt. Also, fangen wir mit dir an, John. Was hast du?«
»Ed, ich kann Greg nur bestätigen. Ich hatte schon gestern Abend dieses Ziehen in meinem Knie und heute Morgen hat es geknackt.«
Ein Raunen geht durch das Rund. Die Profis wissen, dass es keine guten Nachrichten sind.
»Jedenfalls hatte ich das genau so, als wir die letzte Abstufung hatten.«
»Danke, John«, sagt Ed mit ernster Miene. Dann zeigt er auf Rick. »Was ist bei dir?«
»Als ich heute Morgen ins Büro kam, war alles wie immer. Zunächst. Dann aber musste ich würgen. Nichts wirklich Neues, dafür werde ich schließlich bezahlt. Aber als ich mein Sputum in meinen Napf spukte, hatte es gleich so etwas breiiges, teigiges, von ungesunder Farbe. Gelblich, fast wie Eiter. Ich befürchte, dass wir eine große Sache haben. So ne Triple-A-Geschichte.« Allen tritt Schweiß auf die Stirn. Die Luft ist zum Schneiden. Dieser Tag wird nicht so schnell vergessen werden. Die Welt wird wieder einmal auf sie schauen. Doch genau dafür sind sie da.
»Hast du noch etwas Genaueres, ein paar wichtige Details?«, hakt Ed nach.
»Vielleicht war es etwas, wie soll ich sagen? Buttriger, ja buttriger als sonst.«
»Was kann das heißen?«, fragt Greg in die Runde, »wir haben Johns Knie, die Vierecke in meinem Kaffee und Ricks Sputum ist buttrig. Ist da irgendwo ein Hinweis, den wir nur noch nicht erkennen?«
Schweigen. Ed ergreift wieder die Initiative. »Gut, Jungs, wir sind auch noch nicht am Ende. Deven, was sagst du?«
Deven, der älteste Analyst im Raum, schaut bedächtig zu den anderen, streicht sein graues Haar nach hinten und reibt sich mit der Hand durch die weißen Bartstoppeln. »Nun«, sagt er sehr langsam, »ich habe diese Nacht geträumt, dass ich wieder mal raus in die Natur fahre, mich an einen See setze und angle. Stundenlang aufs Wasser schauen und den Kopf frei bekommen. Ja, das wäre was. Und das Einzige, was nicht gepasst hat, war dieses nervige Quaken der Frösche. Es ging mir dermaßen auf die Eier! Ich habe ein Bild von Fröschen, mehr kann ich nicht sagen.« Dann verstummt Deven und fällt in eine Art Leichenstarre.
»Danke, Deven«, sagt Ed, »Und David, was ist mir dir?«

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s