Thermohaussack

Aus gegebenen Anlass mit einem herzlichen Gruß an die frierenden Frauen dieser Welt:

Welcher Mann kennt diese Situation nicht? Du kommst in das Wohnzimmer, hast nicht mehr an dir als einen Slip und ein Unterhemd und dir schlägt eine Wolke entgegen, als würdest du in die Sauna eintreten. Es sind mindestens gefühlte fünfzig Grad und vor dir sitzt deine Partnerin, eingehüllt in alle Decken, die sie in der gesamten Wohnung finden konnte und sagt: „Ist irgend etwas mit unserer Heizung nicht in Ordnung? Ich friere so doll!“
Du möchtest augenblicklich zur Heizung springen, um zu kontrollieren, ob diese Hitze im Wohnzimmer wirklich nicht von der Heizung, sondern vom vielfach herauf beschworenen Klimawandel kommen kann. Doch zum einen fällt dein Blick aus dem Fenster und du kannst den Schnee auf den Bäumen entdecken. Zum anderen würde jede Eigenbewegung zu einem gehörigen Schweißausbruch führen. Deshalb bleibst du reglos in der Tür stehen und machst gar nichts.
„Kannst du bitte die Tür schließen? Es wird immer kälter.“
Es hat sich vielleicht auf frische 48,5 Grad abgekühlt, aber von Kälte kann wahrlich keine Rede sein, denkst du, verziehst dich angesichts der Ausweglosigkeit der Situation aber lieber in Zeitlupentempo in die Küche und liest ein wenig in der Zeitung. Das Zeitungsstudium ist kaum erbaulich und bringt auch keine neuen Erkenntnisse zu Hitzeschildern und Thermoschutzanzügen für den Hausgebrauch. Es liegt auf der Hand, dass ein schöner Abend zu zweit unter diesen Bedingungen unmöglich ist. Und weil du ein Partner bist, der auf die Bedürfnisse seiner Frau eingeht, überlegst du dir natürlich, wie das Problem mit einem für beide Seiten annehmbaren Ergebnis gelöst werden könnte. Wobei die Auskenner unter den Frauenverstehern natürlich zu Recht einwenden mögen, dass das Problem nicht zuerst einer Lösung zugeführt werden muss, sondern zunächst ausgiebig mit der Frau zu diskutieren ist. Aber in Anbetracht des sich im Wohnzimmer schon lösenden Heizungslacks bedarf es einer schnellen Antwort auf die Fragen der Zeit.
Vielleicht sollte es so etwas wie einen Haussack für die Frau geben. So einen wie diese Schlafsäcke für Babys, bloß mit Beinen für die im Haushalt notwendige Bewegungsfreiheit. Man könnte den Anzug für verschiedene Kältegrade herstellen lassen, wie es auch bei den normalen Schlafsäcken der Fall ist. Welch unendlich gütige Tat für die Frauenwelt! Nie wieder kalte Füße, ein Wohnzimmer mit echter Wohlfühltemperatur und eine bezahlbare Nebenkostenabrechnung! Der Himmel auf Erden. Die Taganzüge könnten sehr stilvoll gestaltet und modisch derart aufgepeppt werden, dass auch ein kompletter Weiberabend in dieser Montur durchgeführt werden könnte.
Die Damen könnten sich beim zusätzlich wärmenden Tee über die Farbwahl und den feinen Stoff ihrer Säcke unterhalten. Modellnamen wären Tinky-Winky, Lala, Dipsy und Poh. Dazu gibt es kleine Feinheiten, die der ganzen Aufmerksamkeit bedürfen. Zum Beispiel kleine Innentaschen, in denen Lippenpomade, Taschentücher oder ein Tampon Platz finden. Natürlich gibt es bei dieser Art der thermischen Problemlösung ein paar Nachteile. Die Figurbetonung gerät gewissermaßen ein wenig aus den Fugen. Aber man kann eben nicht alles haben. Frieren in der superknackigen Jeans mit der knappen Obertrikotage, unter der natürlich kein Hemdchen getragen wird, oder aber richtig wohlfühlen in dem großzügig gearbeiteten und mollig warmen Säckchen, da fällt Frau die Wahl doch leicht. Oder?
Selbstverständlich müsste es bei einer allumfassenden Problemlösung auch einen Frauensack für die Nacht geben. Besonders flauschig und kuschelwarm. Zudem einen mit einer extra eingebauten Fußheizung. Dieser braucht aber in Anbetracht der Notwendigkeit gewisser zwischenmenschlicher Bedürfnisse kleine Extras. Ich denke da an ein paar Öffnungen im Stoff, die sich stilvoll mittels einer Stofflasche öffnen und schließen lassen. Hierfür würde sich der gute alte Klettverschluss geradezu aufdrängen. Ganz nach dem individuellen Geschmack der Sackträgerin und ihres Partners könnte auch gewählt werden, wieviel Öffnungen sich wo befinden sollen. Eine schöne heile Welt voller farbenfroher Michelin-Frauchen, denen es einfach nur gut geht. Manche Marktlücke schließt sich wie von selbst.
Und die Nebenkostenabrechnung wird der neue Freund der Frau.

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