Herrenrunde

Es fanden sich wie jeden Freitagabend am Stammtisch zur Alten Klause zusammen die Herren Pudlich, Revierförster, Winkler, Maurermeister und Kaiser, Malermeister. Es wurde wie immer schwadroniert über den Verfall der Werte, die guten alten Zeiten und die fahlen Zukunftsaussichten. Bis dann endlich der Herr Revierförster Pudlich meinte, es gebe ein viel wichtigeres, sprich tagesaktuelles Thema, dessen Erörterung ihm am Herzen liege. Die anderen hohen Herren der exquisiten Runde ermunterten Pudlich zum Vortrage und so kam Erstaunliches  an ihre Ohren. Der Revierförster hob die Stimme und sagte:
»Meine Freunde, wie ihr wisst, bin ich mein Leben lang auf der Jagd gewesen, im Wald wie auch im Leben. Ich habe kapitale 20-Ender geschossen, reichlich Sauen und unzähliges Federvieh, aber in meiner all zu knapp bemessenen Freiheit war es mir nicht vergönnt, ein Prachtweib vor die Flinte zu bekommen.«
Die beiden Zuhörer nickten stumm und verstanden ihren Freund nur zu gut. Maurermeister Winkler wurde trotz seines mächtigen Körpers von zwei Metern Größe und knappen drei Zentnern Gewicht immer kleiner. Jeder, der nur sein gesprenkeltes Gesicht gesehen hätte, würde sich den Körper darunter kaum in diesem Umfang vorstellen können, da so viele Mitesser auf Wangen, Kinn und Stirn verteilt waren, dass es nach menschlichem Ermessen kaum möglich war, dass noch genügend Nahrung für den übrigen Körper verfügbar sein konnte.
Pudlich aber führte weiter aus:
»Trotzdem bin ich immer auf der Suche und scheue trotz vieler Rückschläge keine Kontaktaufnahme zum anderen Geschlecht.«
Auch Malermeister Kaiser, das ganze Gegenteil zu Maurermeister Winkler, nickte mit seinem fahlen Schädel und jeder Beobachter mochte sofort zu ihm stürzen, damit sich sein Kopf nicht aus der losen Halterung seines dünnen Halses löste. Er hörte Pudlich aufmerksam zu und lauschte den Geschichten, die Pudlich schon so oft erzählte. Zum Beispiel erzählte der Herr Revierförster, wie seine Überzeugung, dass die Anzahl von Tätowierungen am Körper einer Frau im reziprok proportionalen Verhältnis zur spirituellen Kapazität der Trägerin stünde, von einer übermäßig tätowierten Frau Dr. phil. vor einigen Jahren jäh zerstört wurde. Der Gipfel nun aber sei der Fakt, dass das Arschgeweih immer weiter auf dem Rückzug sei, gewissermaßen vom Aussterben bedroht. Winkler und Kaiser meinten nach dem Genuss des fünften Herrengedecks in Folge unisono, dass Pudlich nun wieder zu viel von der Arbeit sprach, doch dann glitten beide zeitgleich zum pawlowschen Gipfel der Erkenntnis.
»Das Arschgeweih?? Also, das über dem Hintern einer Frau?«
»Welches sonst?«, fragte Pudlich ungläubig. Noch mit Kopfschütteln beschäftigt, erläuterte er den Freunden seine Feststellung. Irgendwie sei diese hübsche Dekoration auf dem Rückzug, obwohl sie ihm als Förster schon rein vom Namen her sehr gefallen habe. Grundsätzlich käme für ihn nur eine Frau mit einem Arschgeweih in Frage. Doch manche Damen ließen sich diesen für eine Partnerschaft mit Pudlich notwendigen Schmuck einfach weglasern und so wurde seine Zielgruppe immer kleiner. Nach einigen Augenblicken betretenen Schweigens wurden die Sorgenfalten auf den Stirnen der Herren Winkler und Kaiser immer breiter. Wieder zeitgleich fragten sie Pudlich:
»Und was machen wir?«
»Wie, was macht ihr?«
»Du hast dein Arschgeweih«, meinte Winkler, »du bist ja auch ein Förster. Ich aber bin Maurer und der Kaiser ist Maler, da ist es doch kein Wunder, dass wir nix vom Kuchen abbekommen.«
Die Freunde hatten recht. Doch sie hatten eben auch Pudlich zum Freund und der wiederum hatte es vor einigen Jahren fast geschafft, eine stark tätowierte Frau Dr. phil. beinahe zum Beischlaf mit ihm zu bewegen. Zwar nur beinahe, aber immerhin. Und sie hatte ihm etwas über logisches Denken und Begriffsdefinitionen beigebracht. Also kramte Pudlich in den unendlichen Weiten seines Revierförsterhirns nach einer Lösung für seine Freunde. Und sie sollte nicht lange auf sich waren lassen.
»Ich habs! Du, Winkler, wirst dich nur noch nach Frauen mit einem Ritzenstuck umsehen und du, Kaiser, suchst Frauen mit einer Steißbordüre!«
Was waren die Herren der Stammtischrunde danach erleichtert, lukrative und ihrer Profession entsprechend adäquate Frauen suchen zu dürfen! Außenstehende würden meinen, Maurermeister Winkler habe in jenem Moment einen Quadratzentimeter Mitesser verloren und Malermeister Kaiser habe einen Stiernacken bekommen. Eine Frau haben alle drei bis heute nicht. Aber das steht auf einem ganz anderen Blatt.

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