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	<description>Wenn wir die Frauen schon nicht verstehen können, lasst sie uns wenigstens lieben.</description>
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		<title>35 Minuten Glück</title>
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		<pubDate>Fri, 10 Feb 2012 21:42:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jischinski</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Türen der Bahn öffnen sich. Pendler steigen aus, andere steigen zu. Die Klingel ertönt und ein paar Jugendliche quetschen sich hastig durch die sich schließenden Türen. Die Bahn ruckt kurz und fährt der nächsten Station entgegen. Ostbahnhof. Endlich. Dort steigt sie ein. Jeden Morgen. Außer, wenn sie Urlaub macht oder krank ist. Die meisten [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=jischinski.wordpress.com&amp;blog=16024080&amp;post=266&amp;subd=jischinski&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Türen der Bahn öffnen sich. Pendler steigen aus, andere steigen zu. Die Klingel ertönt und ein paar Jugendliche quetschen sich hastig durch die sich schließenden Türen. Die Bahn ruckt kurz und fährt der nächsten Station entgegen. Ostbahnhof. Endlich. Dort steigt sie ein. Jeden Morgen. Außer, wenn sie Urlaub macht oder krank ist. Die meisten ihrer Krankheiten sieht er kommen. Dann fühlt er, dass es Zeit für sie wird, ein paar Tage zu Hause zu bleiben. Damit sie wieder richtig gesund werden kann. Doch ihren Urlaub konnte er noch nie voraussagen. Nicht einmal anhand der Ferienzeiten, denn auch nach denen scheint sie sich nicht zu richten. Also hat sie keine Kinder, schlussfolgert er. Zum Glück. Kinder wären ihm nicht recht. Nicht, weil er keine will. Wegen der Schwierigkeiten zu Beginn. Der Sympathien der Kleinen wegen, die mitentscheidend für das Gelingen der Beziehung sind. Sie hat nicht einmal einen Mann. Er ist sich inzwischen sicher. Keine Ringe. Dafür diese Sehnsucht im Blick. Ständig suchend, ob der Richtige in die Bahn kommt. Sie hat in der gesamten Zeit oft telefoniert. Doch nie war es so ein vertrautes Gespräch, bei dem sich die Stimme senkt und es ein zärtliches Getuschel am Ende gibt. Sie sucht, ganz eindeutig.</p>
<p>Sie kleidet sich immer modern und geschmackvoll. Jugendlich, aber doch mit Stil. Sie muss sein Alter haben. Knapp über dreißig. Er bekommt feuchte Hände und sein Puls beschleunigt sich. Nur noch wenige Sekunden, dann steigt sie zu. Wie jeden Morgen. Immer in dasselbe Abteil. In sein Abteil. In ihr gemeinsames Abteil. Ganz in seine Nähe. Seit über zwei Jahren geht das jetzt so. Er hat sie eingehend studiert und kennt jede Pore ihrer sichtbaren Haut, weiß um ihre Kleidung, um ihre Stimmungen, fühlt genau, wie ihr Tag war. Wie lange liest sie an einem Buch, welche Bücher liest sie? Er weiß es. Er kann sich in sie hineinfühlen. Nur er kann das.</p>
<p>Heute, hat er am Morgen bei der Rasur beschlossen, heute spricht er sie an. Er hat genau 35 Minuten Zeit, um ihr sein Herz auszuschütten, dann steigt sie aus. Dann kommt erst wieder der nächste Tag in Frage. Schon oft hat er sich vorgenommen, sie anzusprechen, doch es war nie der rechte Augenblick gekommen. Doch mit der Zeit keimte in ihm die Erkenntnis, dass dieser Moment nie perfekt werden würde, wenn er ihn von tausend Dingen abhängig macht. Mal war es das Wetter, dann der missgünstige Blick von einem der Fahrgäste oder aber sie schien ihm nicht in der rechten Stimmung für seine Offenbarung zu sein. Meistens war er es selbst nicht. Wie sollte er es auch sein? Schließlich kamen ihm Liebeserklärungen noch nie leicht über die Lippen und er hätte sich viel mehr darüber gefreut, wenn sie ihn angesprochen hätte. Mein Gott, sie hatte denselben Weg wie er! Sie kannte ihn mindestens genauso lang, vielleicht sogar genauso gut! Und warum tut sie dann nicht den ersten Schritt? Alte Schule? Er weiß es nicht und sieht gebannt, wie die S-Bahn in den Ostbahnhof einfährt. Langsam kommt die Bahn zum Stehen, die Menschen drängen aneinander vorbei und da! Ja, da kommt sie herein und sie sieht wieder einmal umwerfend aus. Ihr langes, blondes Haar ist frisch gewaschen und er weiß genau, wie es riecht. Sie wird auch ganz sicher ihr Lieblingsparfum verwendet haben. Das, von dem ihm immer schwindlig wird. Sie hat eine enge Jeans an und ein weißes Oberteil, das ihre unglaubliche Figur so sehr betont, dass er jedem Mann im Abteil die Augen ausstechen könnte, wenn er nur einen Blick auf sie wirft. Ihren Brustansatz kann er sofort sehen, doch übermannt ihn dieses Wohlgefühl nicht mehr so stark wie noch vor ein paar Monaten, insbesondere im Sommer. Jetzt pochen seine Adern auch, aber es ist eher wie ein freudiges Wiedersehen, als ein atemloses Erstaunen beim ersten Sehen. Sie setzt sich ihm gegenüber, schlägt die Beine übereinander und er sieht sofort, dass sie sein Lieblingsfußkettchen um ihre Fessel gelegt hat. Ein schlichtes, silbernes Kettchen ohne Anhänger, aber an ihrem Knöchel schimmert es Platin. Sein Puls beschleunigt sich noch einmal rasant.</p>
<p>Die Bahn fährt los und die Uhr beginnt zu ticken. 35 Minuten, dann wird sie aussteigen. Wie lange wird die Rede dauern? Es wird kein Minnesang werden, aber ein bisschen ausholen muss er schon. Zehn Minuten oder zwanzig? Und soll er das mittendrin machen oder noch die entsprechende Zeit warten, bis sie genau am Ende seiner Rede aussteigt? Wenn er sich verhaspelt, was dann? Wenn er durch etwas Unvorhergesehenes aus dem Konzept gebracht wird? Die Lage spitzt sich zu und schon sind die ersten fünf Minuten vergangen. Es bleibt ihm noch eine halbe Stunde. Komm, du schaffst das! Eine innere Stimme muntert ihn auf. Noch zögert er, ohne den Blick von ihr zu nehmen. Was, wenn er sich täuscht? Wenn sie ihm gar nicht zuhören will? Wenn sie trotz der langen, gemeinsamen Zeit gar nicht weiß, wer er ist? Wenn er sich getäuscht hat? In ihr, in seinen Empfindungen? Nein! Er weiß genau, dass sie es ist. Was spielen dann seine Zweifel noch für eine Rolle? Nur noch 25 Minuten, dann steigt sie aus. Inzwischen hat sie ein Buch genommen und liest darin. Ein letzter mentaler Ruck und er steht auf. Die Bahn wackelt und er hätte gern mehr Stand unter seinen Füßen. Er greift an die Haltestangen. Wackligen Schrittes geht er zu ihr, stellt sich vor sie und räuspert sich. Sie legt ihr Buch auf den Schoß, schaut aus ihren blauen Augen zu ihm auf, lächelt und sagt: »Ja, bitte?«</p>
<p>Er merkt, wie ihm die Kräfte schwinden, wie alle Kraft in ihm nachlässt. Da ist sie, ganz nah vor ihm. Zum Greifen nah. Heute kann es kein »zurück« geben! Leicht stotternd fängt er an.</p>
<p>»Wissen Sie, dass wir jeden Morgen zusammen in dieser Bahn fahren?«</p>
<p>Sie schaut ihn an. Noch immer aus diesen unglaublich blauen Augen. »Ja. Das weiß ich. Ich habe Sie schon oft gesehen. Und?«</p>
<p>Ihre Stimme, direkt an ihn gerichtet, verzaubert ihn völlig. Da ist ihr Kopf endlich vor ihm, das Haar, ihr Duft und der Klang ihrer Stimme. Ganz nebenbei sieht er, wie sich ihre Brüste beim Atmen heben und senken. Vielleicht ist es doch nicht der richtige Moment. Möglicherweise wird dieser nie kommen. ›Ich sollte mich auf meinen Platz setzen. Oder noch besser aussteigen‹, denkt er bei sich.</p>
<p>»Was wollen Sie denn sagen?«, hört er sie fragen. Schon wieder ein Blick aus diesen Augen. Er hat das Gefühl, als würde er mit der Erwiderung dieses Blickes Versprechungen abgeben, die er nie halten kann. Und als würde er gerade ertrinken. Einfach so, nur in ihrem Blick. Nicht bloß baden in einem Meer der Möglichkeiten, nein richtig ertrinken, aber wissen, dass er alles Wasser von ihr in sich aufnehmen will, bis er auf dem Meeresboden sinkt und dort glücklich liegen bleibt. Weil er weiß, dass er in ihren Augen alles gesehen hat, was es in seinem Leben wert ist, betrachtet zu werden. Zurück zu seinem Platz? Nein! Jetzt erst recht! Es kann gar nicht schief gehen.</p>
<p>»Sehen Sie, ich sitze nun schon zwei Jahre Ihnen gegenüber in der S-Bahn. Ganz genau genommen sind es zwei Jahre, drei Monate und acht Tage. Sie waren in dieser Zeit an 78 Tagen nicht in der Bahn. An den meisten dieser Tage waren Sie im Urlaub oder aber krank. Vielleicht sind Sie manchmal auch mit dem Taxi oder dem Bus gefahren, aber das glaube ich nicht. Letztes Jahr im Sommer hatten Sie einen heftigen Streit mit Ihrer Mutter, den Sie trotz eines versöhnlichen Abschieds am Telefon noch vier Tage mit sich herumschleppten, ohne dass es ihre Arbeitskollegen merkten. Keiner hat sich für sie interessiert, doch ich habe mit Ihnen gelitten, war immer bei Ihnen und dachte in dieser Zeit besonders oft an Sie. So sehr wie niemand sonst auf dieser Welt habe ich Ihnen gewünscht, dass Sie sich wieder mit Ihrer Mutter vertragen. Und mir fiel ein Stein vom Herzen, als endlich alles wieder gut war.</p>
<p>Ich habe noch nicht herausfinden können, wie das Parfum heißt, das Sie verwenden, obwohl ich in so vielen Parfümerien war und alles gerochen habe, was es dort gibt. Deshalb glaube ich, dass es nur auf Ihrer Haut so perfekt duftet. Dass Sie diesem Duft erst eine Seele einhauchen und Sie Ihrer Einmaligkeit auch damit Ausdruck verleihen. Denn ohne Sie wäre dieses Parfum nur ein Flakon voller Beliebigkeit und Normalität. Nur Sie machen ihn exquisit. Immer, wenn Sie bei Ihrer Arbeit etwas Wichtiges tun müssen, einen entscheidenden Termin haben oder aber ein Meeting mit Vorgesetzten, binden Sie sich Ihre Haare streng nach hinten. Das steht Ihnen sehr gut, aber das sind nicht Sie. Sie sollten auch in diesen Momenten Ihrer weiblichen Seite vertrauen und Sie sind wirklich eine ganz tolle Frau! Sie wirken dann immer etwas verkleidet, haben das doch aber gar nicht nötig. Sie sind klug, emotional, aufmerksam, empathisch und konsequent. Stehen Sie zu Ihrer Weiblichkeit und allem, was Sie ausmacht! Verkleiden Sie sich bitte nicht! Ich sehe ich hinter der Fassade, dass Ihnen etwas fehlt und dass Sie sich unglücklich fühlen. Dieses Gefühl haben Sie sehr oft und es setzt Ihnen zu. Ich kann mir vorstellen, dass Sie gut allein sein können, es aber nicht unbedingt sein wollen. Nun, was ich damit eigentlich sagen will ist, dass ich mir sehr wünschen würde, dass wir uns einmal außerhalb dieser Bahn hier treffen.«</p>
<p>Endlich ist der alles entscheidende Satz draußen. Da ist noch so viel mehr zu sagen, doch alle dafür notwendigen Worte stecken in diesem Kloß, der in seinem Hals immer größer wird. Sie schaut ihn mit großen Augen und halb offenem Mund an. Sie sieht dabei umwerfend schön aus. Die Zeit steht genau in diesem Moment still. Er sieht nur noch ihre Augen und um sie beide herum ist das Nichts. Keine Geräusche der Bahn, keine Stimmen, nur sie beide. Er klammert sich noch fester an die Stange, Schweißperlen laufen an seinem Rücken herab und der Gegenstand in seinem Hals wird mit jedem Atemzug größer, sodass er ganz sicher ersticken wird. Die Stille wird plötzlich durchbrochen.</p>
<p>»Ich muss jetzt hier raus«, sagt sie, während die Geräuschkulisse zurückkehrt, er die anderen Leute und die quietschenden Bremsen hören kann. Langsam kommt die Bahn zum Stehen.</p>
<p>»Nein, das müssen Sie nicht! Hier sind Sie noch nie ausgestiegen! Sie steigen erst viel später aus. So, wie jeden Tag!«</p>
<p>»Heute schon, glauben Sie mir!« Ihr Blick ist nun anders. Die Bahn steht inzwischen und die Türen haben sich geöffnet. Sie steht auf, drängt sich an ihm vorbei und steigt aus. Er fasst allen Mut zusammen und schreit ihr hinterher, schreit so laut, dass es das gesamte Abteil hören muss: »Merken Sie eigentlich gar nicht, dass sie jeden Tag mit dem Mann Ihres Lebens in der Bahn sitzen? Dass Sie niemand jemals so kennen wird, wie ich es tue? Dass Sie kein anderer Mann so lieben wird?«</p>
<p>Schon hat er sie aus den Augen verloren. Sie verschwindet spurlos in der Masse der Reisenden. Das Signal zum Einsteigen ertönt und er springt zurück in die Bahn. Die Türen schließen sich und die Bahn fährt los. Er lässt sich müde und enttäuscht auf ihren Platz fallen. Was war nur passiert? Warum rannte sie vor ihm weg? War etwas mit seiner Rede nicht in Ordnung? Er legt seine Stirn an die kühle Fensterscheibe und fährt bis zur Endstation und danach wieder nach Hause. Die ganze Zeit über ziehen die Häuser und Straßen nur schemenhaft an ihm vorbei. Sie ist weg! Er hat es vermasselt, ganz eindeutig. Arbeiten kann er heute nicht. Daheim angekommen, legt er sich auf das Bett und starrt die Decke an. So verbringt er auch den Tag danach. Er isst nur das Nötigste, trinkt und schläft. Unaufhörlich kreisen die Gedanken in seinem Kopf. Der Film ihrer Begegnung und seine Worte laufen in seinem ganz persönlichen Kino in einer Endlosschleife. Was ist falsch gelaufen? Er findet keine Antwort und er kann unmöglich noch einmal mit dieser Bahn fahren. Nie wieder! Er kann sie nicht wiedersehen. Was würde sie ihm sagen? Würde sie überhaupt da sein? Fragen über Fragen zermartern sein Hirn. Sie musste vor ihm weggelaufen sein! Denn wo musste sie denn an dieser Haltestelle sonst hin? Und wenn es dort etwas gab, warum gerade an diesem Tag? Sie war noch nie dort ausgestiegen! Möglicherweise hat sie jemanden kennengelernt. Ganz bestimmt gibt es da einen anderen. Ihm wird schlecht bei dem Gedanken an sie in den Armen eines anderen. ›Vielleicht hätte ich sie doch etwas früher ansprechen sollen‹, denkt er. Auch am nächsten Tag geht er nicht zur Arbeit. Am folgenden auch nicht. Die Tage vergehen und er verlässt nicht einmal mehr das Haus. Er isst und trinkt nichts mehr. Nachts liegt er wach, weil er nur in ihre blauen Augen schaut und tagsüber kann er nicht schlafen, weil er immer wieder sieht, wie sie vor ihm davon rennt. Er fühlt sich schlapp und kann nicht mehr aufstehen. Jede Bewegung schmerzt und in der Wohnung scheint es ihm inzwischen immer dunkel zu sein. Mit den Gedanken an sie, dem Gefühl eines Lächelns aus ihren Augen und ihrem Duft in der Nase schläft er ein. Zwei Wochen später verständigen die Nachbarn die Polizei, weil es aus der Wohnung unangenehm riecht. Er wird mit einem sehr friedlichen Gesichtsausdruck gefunden. Sie legen ihn in einen Sarg und tragen ihn weg.</p>
<p>Sie fährt jeden Tag mit der Bahn. Wenn sie ihren Arzttermin nicht gehabt hätte, wäre Zeit geblieben, mit ihm zu sprechen. Ihm für all das zu danken, was er ihr gesagt hat. Sie muss lächeln, wenn sie ihn wieder vor sich sieht, als er gestammelt hat wie ein kleiner Junge, aber trotzdem mutig wie ein richtiger Kerl war. Sie ist jeden Tag in diese Bahn eingestiegen und hat nach ihm Ausschau gehalten. Konnte sie sich irren, ihn übersehen? Nein, unmöglich! Auch heute Morgen schaut sie wieder auf seinen Platz. Er ist leer. Wie so oft in den letzten Tagen. Sie weiß noch genau, wie er aussieht und wie er riecht. Und dass er die Füße beim Reden verdreht hat. Dass er fast keine Luft geholt hat und dass sie ihn hätte küssen können. Doch sie musste zu diesen Termin! Manchen Tag ärgert sie sich, dass sie ihn nicht vorher angesprochen hat. Aber an der Stelle ist sie etwas altmodisch. Das ist Männersache. Während sie auf seinen Platz schaut und wieder an ihn denkt, überkommt sie ein warmes Kribbeln, das sich in ihrem Bauch einnistet und von dort in ihren Körper strahlt. Sie lächelt und fühlt es ganz sicher. Eines Tages wird er wieder dort sitzen. Und dann fangen sie endlich an, gemeinsam zu leben. Einfach so.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Vollendung</title>
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		<pubDate>Sun, 08 Jan 2012 22:22:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jischinski</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Aufgabe war ganz einfach. »Schreib doch bitte mal einen Wunschzettel, was du zu deinem Geburtstag haben möchtest. Ich werde immer gefragt, was du dir wünscht.« Also habe ich mich hingesetzt, ein weißes Blatt Papier zur Hand genommen und dazu einen Stift. Gänzlich unbescheiden dachte ich, dass das Format A4 ausreichen dürfte, meine Wünsche vollständig [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=jischinski.wordpress.com&amp;blog=16024080&amp;post=262&amp;subd=jischinski&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Aufgabe war ganz einfach. »Schreib doch bitte mal einen Wunschzettel, was du zu deinem Geburtstag haben möchtest. Ich werde immer gefragt, was du dir wünscht.«</p>
<p>Also habe ich mich hingesetzt, ein weißes Blatt Papier zur Hand genommen und dazu einen Stift. Gänzlich unbescheiden dachte ich, dass das Format A4 ausreichen dürfte, meine Wünsche vollständig aufzunehmen. Nach einer Stunde legte ich den Stift entnervt zur Seite, gequält und glücklich zugleich. Es stand nicht ein Wunsch auf dem Blatt und so sehr ich auch darüber nachdachte, es fiel mir keiner ein.</p>
<p>Wenn ich eine kurze Inventur der messbaren Größen meines Lebens mache und den merkantilen Blick darauf werfe, kann ich nur feststellen, dass ich alles habe, was für ein würdevolles Leben im 21. Jahrhundert notwendig ist.</p>
<p>Gut, ich habe kein iPhone. Aber dafür habe ich über dreihundertsechzig Facebook-Freunde. Ansonsten verfüge ich über alle mehr oder weniger notwendigen Dinge des täglichen Lebens, die man sich schenken könnte. Bücher und CDs sind für mich Lustobjekte und ich kaufe sie mir, wenn mir danach ist. Als logische und sehr sachliche Schlussfolgerung bleiben als Geschenke also nur Bücher- und CD-Regale. Wie hübsch! Und endlich mal eine ordentliche Größe für Geschenke! Ich merke also nicht erst seit der gestellten Aufgabe, dass ich keinen klassischen Geschenkewunsch habe. Ich könnte mich nun damit abfinden, dass ich, im Endspurt auf Ende 30, meine Begehrlichkeiten verändern sollte. Socken, Unterhemden und Taschentücher sind ebenso adrett wie nützlich. Rasierwasser kann man immer gebrauchen und Gutscheine sind geradezu universell einsetzbar. Nicht zu vergessen Alkohol! Ich trinke in letzter Zeit eh zu wenig davon.</p>
<p>Da bleiben also noch die großen Wünsche.</p>
<p>Mehr Leser für meine Bücher zum Beispiel. Hm. Vielleicht sollte ich erst einmal anfangen, besser zu schreiben, dann geht das von allein.</p>
<p>Mehr Zeit. Dann sollte ich genau das tun, wovon ich weiß, dass es zu tun ist.</p>
<p>Mehr Sport wäre auch nicht schlecht. Gleiche Antwort.</p>
<p>Es ist im Ergebnis so, dass ich für alle nicht in ein Paket verschnürbare Begehrlichkeiten die Lösung genau kenne. Nicht zuletzt rate ich diese Dinge beruflich sehr häufig anderen Menschen und bedenke sie mit einem kritischen Blick, wenn sie die vereinbarte Marschroute nicht einhalten. Warum tue ich es selbst nicht? Die Knechtschaft des Dienstleisters? Die Qualität des eigenen Schuhwerks, wenn man sich auf den Spruch des Schusters und seiner Leisten zurrückbesinnt?</p>
<p>Gut. Dann fange ich einfach mal an.</p>
<p>Ich wünsche mir zu meinem Geburtstag die Macht, nicht an mein Telefon zu gehen, wenn es klingelt. Ich möchte das tun, wonach mir gerade ist, ohne Rücksicht auf andere zu nehmen. Ich will einen Tag nur für mich. Das ist ein tolles Geschenk! Wenn ich über das Telefon nachdenke, ist es schon gruselig. Wir erfinden immer mehr Dinge, die uns das Leben erleichtern sollen, aber schlussendlich verkomplizieren sie es. Das Telefon ist nur ein Beispiel von vielen.</p>
<p>Wenn ich nun über meinen Geburtstag sinniere, durchflutet mich schon ein ganz angenehmes Gefühl. Das Handy ist aus und ich habe einen freien Tag. Am Morgen kommen meine Kinder zu mir und beglückwünschen mich. Sie geben mir selbst gebastelte Geschenke, über die ich mich sehr freue. Was sie nicht wissen ist, dass sie gar nichts hätten basteln müssen. Sie sind jeden Tag ein Geschenk. Vielleicht nicht gleich jeden, denn es gibt durchaus Momente, da möchte ich sie wieder zurückgeben. Allerdings bereue ich diesen Gedanken recht schnell. Ihre Liebe und das schöne, mich bereichernde Gefühl, ihr Papa zu sein, ist etwas, das mich immer ein wenig größer, oder einfach nur besser macht. Vielleicht ist der Gedanke an kommende Geburtstage und das damit einhergehende Alter nicht so reizvoll, weil ich weiß, dass ich das Beste im Leben bereits vollbracht habe. Doch ich freue mich darauf, dass sie weiter wachsen, habe gedanklich schon die große Keule hinter mir, wenn ihr erster Freund durch unsere Wohnungstür will, aber andererseits sehe ich sie manchen Tag schon vor mir: erwachsen, ganz in weiß und überglücklich.</p>
<p>Genau an der Schwelle zu meinem Geburtstag wird meine Frau mich mit ihren Geschenken überraschen. Und ich weiß, dass diese wieder ganz besonders sein werden. Mit viel Liebe ausgesucht, gestaltet und verpackt. Das größte Geschenk ist die Person, die die kleinen und großen Päckchen überreicht. So viele Menschen suchen in ihrem Leben nach einem Partner für die Ewigkeit. Scheidungsquoten und fortschreitende Individualisierung lassen mehr und mehr den Glauben daran verblassen. Es ist auch nicht einfach, einen Partner auf Augenhöhe zu finden. Und vor allem strengt es wirklich an! Aber auf eine Weise, die trotz allem nicht anstrengend ist. Weil das Aneinanderreiben immer wieder zu Einsichten führt, die ich ohne meine Frau nicht hätte. Auch wenn es nicht immer schön ist, kritisiert zu werden, ist es doch ein Geschenk, dass ich ihr so wichtig bin, dass sie sich mit mir auseinandersetzt. Wie viele Paare setzen sich ernsthaft miteinander auseinander? Wie viele begreifen den Partner als Chance der gegenseitigen Weiterentwicklung und Vervollkommnung? Ich wäre nicht der, der ich bin, wenn es meine Frau nicht gäbe. Und erfreulicherweise bin ich sehr gern, der, der ich bin. Und so weiß ich, dass dieses Blatt Papier wunderbar unbeschrieben bleiben darf. Dass ich meinen Wunschzettel so lassen kann. Weil ich meinen Geburtstag mit den drei Frauen verbringen werde, die mich vervollständigen.</p>
<p>(Veröffentlicht am 8. Januar, aber auch nur deshalb, weil ich am 9. Januar keine Zeit haben werde.)</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Aus aktuellem Anlass&#8230;</title>
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		<pubDate>Tue, 03 Jan 2012 22:43:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jischinski</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Endlich war es soweit. Sein erstes Mal. Er hatte die Sache sorgfältig durchdacht, lange geplant und er war auch überaus aufgeregt. Zudem hatten ihm ein paar Freunde berichtet, dass sie es auch schon getan hätten und sehr zufrieden mit dem Ergebnis waren. Bisher hatte er sich an den Vorgang noch nicht so recht heran gewagt. [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=jischinski.wordpress.com&amp;blog=16024080&amp;post=233&amp;subd=jischinski&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Endlich war es soweit. Sein erstes Mal. Er hatte die Sache sorgfältig durchdacht, lange geplant und er war auch überaus aufgeregt. Zudem hatten ihm ein paar Freunde berichtet, dass sie es auch schon getan hätten und sehr zufrieden mit dem Ergebnis waren. Bisher hatte er sich an den Vorgang noch nicht so recht heran gewagt. Zu viele Geheimnisse und Vorurteile rankten sich darum. Würde er noch derselbe sein, wenn er es hinter sich hatte? Was würde seine Partnerin sagen, wenn er seinen Vorschlag an sie heran trug? Das waren die Fragen, die ihn vorher beschäftigten. Überraschenderweise reagierte seine Partnerin völlig gelangweilt auf seine Mitteilung, endlich auch zu denen zu gehören, die die Sache selbst machten. Völlig ohne fremde Hilfe. Es war dabei allerdings fast so, als hätte sie gar kein Interesse daran, als wäre es ihr egal! Und er hatte sich vorher extra reichlich belesen und ganze Nächte mit der theoretischen Vorbereitung auf die Angelegenheit zugebracht. Am Ende stand er mit seiner Begeisterung ganz allein da. Am Abend vor dem großen Ereignis ging er mit seinen Kumpels noch einmal ordentlich einen trinken. Es war, als würde er alles hinter sich lassen und endlich zu einem Mann, ja mehr sogar, zu einem erwachsenen Staatsbürger, zu einem vollwertigen Mitglied der Gesellschaft werden. Seine Freunde hänselten ihn noch ein wenig, weil er sich schon so lange dagegen wehrte und eine gewisse Scheu an den Tag legte.<br />
Mit einem ordentlichen Brummschädel gesegnet, machte er sich am folgenden Sonntag an die Arbeit. Er fragte seine Freundin noch, ob sie dabei sein wolle, aber sie winkte nur ab und verdrückte sich ins Fitnessstudio.<br />
Er hatte sich alles nach Hause schicken lassen und nun lag der diskrete Umschlag unschuldig vor ihm. Ein unscheinbares Braun, das davon zeugte, dass der Versender sein Handwerk verstand. Was sollten auch die Nachbarn denken, wenn sie vom Inhalt erfuhren? Er strich noch ein wenig gedankenverloren darüber, bevor er ihn genüsslich öffnete. Er entnahm dem Umschlag alles und breitete es vor sich aus. Das war also das große Mysterium! Nun lag es vor ihm und genau wie seine Bekannten würde er alles ganz allein tun, völlig ohne fremde Hilfe.<br />
Er überlegte kurz, ob er einen billigen Kuli nehmen sollte oder den Kalligrafiefüllhalter, den ihm seine Freundin zum Geburtstag geschenkt hatte und der bislang noch auf seinen ersten Einsatz wartete. Er entschied sich aber für einen Bleistift, falls unerwartet ein paar Fehler auftraten. Die Ernüchterung folgte nach einer reichlichen Stunde. Das also war sein erstes Mal. Völlig enttäuschend! Wie haben die anderen das bloß gemacht? Ganz allein, ohne fachlich versierte Hilfe? Er hatte sich durch ein wahres Labyrinth gekämpft und auch nicht davor zurückgeschreckt, die sterbenslangweilige Bedienungsanleitung zu studieren. Er gedachte sogar der armen Geschöpfe, die ihrem Geist einen solchen Unsinn abringen mussten. Wurden die dafür entschädigt, oder machten sie das auch noch gern?<br />
Das erste Mal wurde ihm unheimlich. Bis zu diesem Zeitpunkt war er immer der Meinung, über einen gesunden Menschenverstand zu verfügen, der den normalen Ansprüchen eines bürgerlichen Lebens Genüge tat. Nun aber war er mit seinem Latein am Ende. Insbesondere, weil sein Freund Joachim damit prahlte, es sich schon seit Jahren selbst zu machen und dass sich die Sache bei ihm immer auszahlte. Das Einzige, das er aber bekommen würde, wäre eine schwere Hirnhautentzündung, wenn er seinen Geist weiterhin damit quälte. Er nahm sich alles für einen letzten Versuch vor.<br />
Es war zum Verzweifeln. Nach einer weiteren Stunde ungläubigen Staunens gab er endgültig auf. Er kramte seine Buntstifte hervor und malte auf allem rum,  füllte Kästchen aus und peppte die Bedienungsanleitung auf. Ein bisschen wie Malen nach Zahlen, bloß mit bildungsbürgerlichem Anspruch. Es sah am Ende richtig schick aus. Völlig erschöpft bettete er sich zu einem Mittagsschlaf. Als er aufwachte, lagen neben seinem Kopf ein Zettel und eine Visitenkarte. Auf dem Zettel stand: „Hallo Schatz, bin Kaffee trinken mit Moni. Sie kennt einen guten Steuerberater. Ruf dort einfach an. Sie sagt, dass der unsere Steuererklärung machen kann. Übrigens: Tolles Bild!“</p>
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		<title>Mein Verleger meint, Kürzestgeschichten sind im Moment sehr gefragt!!</title>
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		<pubDate>Tue, 03 Jan 2012 22:40:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jischinski</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Anfangen&#8221;, sagte er, &#8220;du musst endlich anfangen!&#8221; &#8220;Nein!&#8221;, sagte ich, &#8220;Mit dem Anfang hat es jetzt ein Ende.&#8221;<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=jischinski.wordpress.com&amp;blog=16024080&amp;post=244&amp;subd=jischinski&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;Anfangen&#8221;, sagte er, &#8220;du musst endlich anfangen!&#8221; &#8220;Nein!&#8221;, sagte ich, &#8220;Mit dem Anfang hat es jetzt ein Ende.&#8221;</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/jischinski.wordpress.com/244/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/jischinski.wordpress.com/244/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/jischinski.wordpress.com/244/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/jischinski.wordpress.com/244/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/jischinski.wordpress.com/244/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/jischinski.wordpress.com/244/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/jischinski.wordpress.com/244/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/jischinski.wordpress.com/244/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/jischinski.wordpress.com/244/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/jischinski.wordpress.com/244/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/jischinski.wordpress.com/244/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/jischinski.wordpress.com/244/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/jischinski.wordpress.com/244/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/jischinski.wordpress.com/244/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=jischinski.wordpress.com&amp;blog=16024080&amp;post=244&amp;subd=jischinski&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Stille Nacht, Heilige Nacht</title>
		<link>http://jischinski.wordpress.com/2011/12/24/stille-nacht-heilige-nacht/</link>
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		<pubDate>Sat, 24 Dec 2011 10:55:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jischinski</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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		<description><![CDATA[Bei Peter ging es ganz schnell. Diagnose Krebs und er starb drei Wochen später. Das war in Ordnung. Kein langes Siechtum, keine Wochen oder Monate, die man menschenunwürdig zu Tode gepflegt wird. Einfach nur das Wissen, dass es schnell vorbei ist. Es gab für Peter auch in der knappen Zeit noch genügend Gelegenheiten zum Abschiednehmen, [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=jischinski.wordpress.com&amp;blog=16024080&amp;post=252&amp;subd=jischinski&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Bei Peter ging es ganz schnell. Diagnose Krebs und er starb drei Wochen später. Das war in Ordnung. Kein langes Siechtum, keine Wochen oder Monate, die man menschenunwürdig zu Tode gepflegt wird. Einfach nur das Wissen, dass es schnell vorbei ist. Es gab für Peter auch in der knappen Zeit noch genügend Gelegenheiten zum Abschiednehmen, zum Regulieren, Aussprechen oder Bereuen.<br />
Das würde ihr gut gefallen. Sie sieht ihrem schlafenden Mann ins Gesicht. Durch das Fenster wirft der Mond viel zu viel Helligkeit in den Raum. Seine Augen sind fest geschlossen. An den faltigen Lidern sind seine langen, fast weißen Wimpern. Als sie noch dunkelbraun waren, verliehen sie seinen Augen etwas ganz besonderes. Ein kleines Universum voller Versprechen, die er früher einmal gehalten hat. Bei weitem nicht alle, aber immerhin. Nun ist seine Haut fahl geworden, was nicht nur am Mondlicht liegt. Die Frische von einst fehlt. Und sie fehlt nicht nur seiner Haut. Früher hatte sie sich immer gewünscht, dass sie vor ihm stirbt. Wenn sie nun auf ihn blickt, ist sie sich dabei nicht mehr so sicher. Vor allem, weil der Anblick seiner alternden Gestalt noch zu ertragen wäre, würde er nicht wie jede Nacht schnarchen. Ganz gleich, wie sie sich hinlegt, das Schnarchen dringt an ihre Ohren. Sie schaut ihm ins Gesicht und hofft, dass allein die Kraft ihrer Gedanken reicht, sein Schnarchen zu beenden. Nichts passiert. Sie legt sich wieder hin und starrt an die Decke. Sie atmet tief ein und aus. Die Augen fallen von allein zu und eigentlich ist sie ohnmächtig vor Müdigkeit. Doch neben ihr liegt Paul und schnarcht seit Stunden. Am nächsten Morgen wird er wieder behaupten, dass er kaum Schlaf gefunden und kein Auge geschlossen habe. Nicole legt ihre Hände auf die Bettdecke und kann das Leben ihres Körpers spüren. Ihr Brustkorb hebt und senkt sich, doch jeder Atemzug ihres Gatten dringt wie ein Maschinengewehr an ihre Ohren. Es reicht.<br />
Sie zieht die Bettdecke zurück und die Kälte des Raumes umschließt sie sofort. Neben ihr auf dem Stuhl liegt ihr Morgenmantel. Der wärmt zwar noch nicht, aber schon wenige Augenblicke, nachdem sie ihn angezogen hat, ist ihr wohler. Langsam tastet sie sich durch die Dunkelheit voran. Als sie in der Tür steht, blickt sie zurück auf Paul im Mondlicht. Er liegt da wie auf einer Bühne. Hervorgehoben durch die Scheinwerfer spielt er sein eigenes Konzert. Eins, das keiner hören will. Die letzte im Publikum verlässt den Saal. Nicole geht in die Küche, öffnet den Kühlschrank und nimmt die Milch heraus. Eiskalte Milch mitten in der Nacht, das ist ganz sicher nicht gesund. Doch es ist egal. Sie ist alt und hat alles erlebt. Was soll schon noch kommen? Am nächsten Tag wird Weihnachten sein. Heiligabend. Ihre Tochter Sylvia wird kommen, gemeinsam mit ihrem Mann und den zwei Enkeln. Wirklich süße Kinder haben sie gezeugt. Fiona und Josi. Dazu kommt ihr Sohn Martin. Mit seiner Frau und ihren wesentlich weniger gelungenen Kindern Chantalle und Florentine.  Das Haus wird voll werden und eigentlich hatte sie sich das früher wunderbar vorgestellt. Ein Bild, wie es romantischer nicht sein könnte. Sie und Paul sitzen im Wohnzimmer. In der Ecke steht, wie schon über viele Jahre hinweg immer wieder, ein geschmückter Baum. Nichts opulentes, ein paar Kugeln in harmonierenden Rottönen, mit dezenter Beleuchtung und etwas Goldschmuck. Irgendwo brennt eine Räucherkerze, die aromatisch Zimt- oder Bratapfelduft verströmt. Im besten Fall hat es geschneit und aus der warmen Stube schauen sie als große, glückliche Familie gemeinsam nach draußen, wohl wissend, dass es echten Frieden nur innerhalb dieser Mauern geben kann. Die Milch sticht ihr sofort in den Magen. War sie in der Speiseröhre noch angenehm erfrischend, bestraft sie Nicole jetzt sofort und sie muss schmerzerfüllt das Glas auf den Tisch stellen. Mit zusammengebissenen Zähnen läuft sie auf Zehenspitzen in das Wohnzimmer und schaut auf den Baum. Auch hier fällt das Mondlicht in den Raum. Ohne Beleuchtung hat der Baum etwas gespenstisches, fast totes. Andererseits ist die Nordmanntanne das einzige Element ihrer Vorstellung von einst, das wirklich stimmt. Die Kinder haben sich zerstritten und machen ihnen und den Enkeln für diesen Tag nur etwas vor, die Schwiegertochter und der Schwiegersohn sind beide mindestens die drittschlechteste Wahl, die ihre Kinder hätten treffen können. Chantalle und Florentine sind Kinder mit Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom, auch wenn Martin gebetsmühlenartig wiederholt, sie seien bloß lebhaft und temperamentvoll. Paul wird wie immer dasitzen und seiner Lieblingsbeschäftigung nachgehen. Schweigen. Wenn endlich alle gegangen sind und Nicole das Geschirr abgeräumt, das Geschenkpapier verstaut und den Dreck im Flur entfernt hat, verzieht sich Paul. Dann geht er in seinen Hobbykeller. Was er dort macht, ist ihr ein Rätsel. Er könnte bei ihr sitzen und sich mit ihr unterhalten, aber nein, er sitzt im Hobbykeller. Sie stellt sich vor, wie er dort vor einem Spiegel sitzt und schweigt. Die ganze Zeit. Eine Art meditatives Schweigen für den inneren Frieden. Überlastete Manager zahlen für so etwas viel Geld und Paul hat es gratis jeden Tag. Dann wird er wieder hochkommen, sich neben sie setzen und schweigen. Geübt ist geübt. Er wird die im Keller erarbeitete Perfektion neben ihr demonstrieren. Oft gibt es den einen oder anderen Streit, welches Programm sie schauen und einen wie immer sinnlosen Disput darüber, wann sie am ersten Feiertag mit dem Mittagessen beginnen. Verdammt! Nichts und niemand bedrängt sie. Sie könnten lange ausschlafen, einen Spaziergang machen, den Tag genießen und wenn das Wetter Mist wäre, könnten sie auch im Bett liegen bleiben und miteinander schlafen. Aber, weiß Gott, die Idee daran hatte Paul wahrscheinlich bereits zu Grabe getragen. Dort wird seine Libido auf ihn warten, wenn sie ihn eines Tages beerdigen wird. Aber für einen Blick auf die jungen, knackigen Frauen von zwanzig bis dreißig reicht es noch. Er ist so erbärmlich geworden. Sie sitzt inzwischen auf dem Sofa und schaut auf den Baum im Mondlicht. So soll es also weitergehen? Die restlichen zehn, vielleicht sogar zwanzig Jahre? Da klingt ein Platz im Heim verlockender. Das war so nicht vereinbart, als sie einander ewige Liebe, Treue und Achtung versprachen. Es hatte auch niemand gesagt, dass sie ein Leben lang miteinander sprechen müssen. Das hätte Paul ganz sicher nicht unterschrieben. Von einem Nicht-Schnarchen steht ebenfalls nirgendwo etwas. Die seelischen Grausamkeiten im Ehealltag werden von Tag zu Tag mehr. Weihnachten dient im besten Fall noch zu einer Bestandsaufnahme. Eine Art Inventur der Ehe. Inzwischen schreibt sie jedes Jahr mehr ab. Keine Buchgewinne mehr, keine stillen Reserven. Abschreibung auf den Erinnerungswert ist angesagt. Sie steht auf, die Fransen des Teppichs kitzeln an ihren Füßen, während sie zur Bar geht. Leise öffnet sie die alte Tür. Das Licht in der Bar erhellt den Raum und sie greift zur Grappaflasche. Ein wundervoller »Grappa Riserva«, in Portweinfässern gereift. Golden und ölig fließt er in das Glas. Sie stellt die Flasche zurück, nimmt das Glas und hält es gegen das Licht. Einfach wunderbar, wie diese Flüssigkeit schimmert! Sie schließt die Bar, geht zurück zum Sofa und setzt sich. Schon der erste Schluck ist delikat. Rund und voll mit leichten Karamell- und Fruchttönen und im Abgang spürt sie ganz klar einen kräftigen Port. Unglaublich. Soll Paul doch so viel schnarchen, wie er will! Nachdem sie das Glas geleert hat, geht sie zurück zur Bar und schenkt sich nach. Etwas mehr als vorher. Deutlich mehr.  Das Glas ist bis zum Rand voll und sieht fantastisch aus, wenn sie es im Lichtschein anschaut. Wieder schließt sie die Tür, geht zum Sofa zurück und trinkt mit großen Schlucken. Der Gedanke an die Gäste am nächsten Tag ist schon wesentlich besser zu ertragen. Sie wird es schaffen. Die gehen auch wieder. Bloß Paul wird noch da sein, wenn die anderen gegangen sind. Eines &#8211; vielleicht nicht mehr so fernen &#8211; Tages wird auch er gehen. Für immer. Sie nimmt noch einen letzten Schluck, leckt sich das ölige Elixier von den Lippen und geht noch fast sicheren Schrittes zurück ins Schlafzimmer. Früher haben sie am Abend vor Heiligabend gemeinsam die Geschenke der Kinder verpackt. So viel haben sie nicht miteinander gemacht, aber das waren schöne Momente. Überhaupt war Weihnachten nur ein richtiges Fest, als die Kinder noch im Haus waren. Seitdem wurde es langweilig. Paul gab sich nicht einmal mehr Mühe, die Hässlichkeit und Unnötigkeit seiner Geschenke zu bedauern. Stoisch und teilnahmslos nahm er ihre Kränkung hin, bis er die Zeit für würdig und gekommen hielt, sich in sein Refugium zu verziehen. Nicole saß dann vor dem Fernseher und schaute das Programm, das sie gern sehen wollte. Ein schwacher Trost.<br />
Sie steht wieder im Schlafzimmer. Es schmerzt schon fast in ihren Ohren. Sie wird unmöglich schlafen können. Paul legt eine Energie an den Tag, oder besser die Nacht, die er in keinem anderen Bereich seines Lebens und noch weniger in ihrer Beziehung hatte. Nicole setzt sich auf ihre Seite des Bettes, stemmt die Ellenbogen auf die Knie und legt den Kopf auf die Hände. Sie umfasst ihren Kopf, schließt die Augen, nimmt die Hände vor die Ohren und konzentriert sich ganz fest. Es nutzt nichts. Eine Maschinengewehrsalve dringt an ihr Ohr, der Lärm zerfetzt ihr das Trommelfell und schon schießen ihr die ersten Tränen in die Augen. Sie schaut über ihre Schulter zu Paul. Der Mund ist geöffnet, Speichelfäden ziehen sich von der Ober- zur Unterlippe und an den Geruch seines Atems will sie gerade gar nicht denken. Sie klopft sich mit den Händen vor die Ohren, beginnt zu wimmern und die Tränen werden immer mehr. Er merkt nicht einmal, wie sie neben ihm leidet. Er hört sie nicht, er sieht sie nicht, er spürt sie nicht. Sie ist so selbstverständlich für ihn. Eine Haushaltshilfe, die ihm Nahrung bereitet, die Wäsche wäscht und ihn duldsam erträgt. Als Partnerin ist sie nicht mehr da. Als Liebende ist sie bereits vor Jahren ausgezogen. Leidenschaft und körperliche Anziehung ist scheinbar nur etwas für die Jüngeren. Dabei fühlt sie da noch immer ein Feuer in sich brennen. Doch wenn sie neben sich schaut, sieht sie einen Mensch gewordenen Feuerlöscher für in Wallung geratenes Blut.<br />
Es reicht! Das muss ein Ende haben! Nicht irgendwann, nicht morgen, jetzt!<br />
Das Schnarchen wird unerträglich laut. Sie greift zu ihrem Kopfkissen, spannt es mit beiden Händen und wirft sich mit einer schnellen Bewegung auf Paul. Das Kissen erstickt den Lärm sofort. Sie presst es fest auf seinen Kopf und stemmt sich mit aller Kraft auf ihn. Ihre Knie hat sie auf seine Arme gedrückt. Sie spürt, wie sich eine unbändige Wut entlädt, wie sie ihm am liebsten noch all die Enttäuschung in die Haut prügeln will, sein Versagen als Mann, seine Lächerlichkeit als alter Nerd in seinem Scheiß-Hobbykeller. Vor allem aber will sie ihre Ruhe. Nicht mehr als die verdammte Stille, die er an den Tag legt, wenn er nicht schläft. Hat sie nicht ein Recht darauf, weil sie ihn all die Jahre ertragen hat? Ja, sie darf Ruhe einfordern, nichts als Ruhe! Endlich lässt der Widerstand unter ihr nach, bis gar nichts mehr von ihm zu spüren ist. Sie nimmt ihre Hände zurück und lockert den Druck auf das Kissen. Dann hebt sie es an. Paul ist ganz still. Paradiesisch. Sie legt das Kissen zurück auf ihre Seite und streicht es glatt. Sie streckt sich aus und schaut mit einem Lächeln an die Decke. Dann kuschelt sie sich in ihre Bettdecke und lauscht hinaus. Unendliche Stille. Friedlich ist es, fast gespenstisch ruhig. Weihnachten kann kommen.</p>
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		<title>Spatzenmuse nun auch als E-Book erhältlich</title>
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		<pubDate>Mon, 19 Dec 2011 15:08:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jischinski</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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		<description><![CDATA[Endlich ist es soweit! Der Roman &#8220;Spatzenmuse&#8221; ist nun als E-Book erhältlich. Für einen Internet-basierten Roman längst überfällig, nicht wahr? So kommt man hin: http://www.amazon.de/Spatzenmuse-ebook/dp/B006NXAUJO/ref=sr_1_2?ie=UTF8&#38;qid=1324306711&#38;sr=8-2 http://www.thalia.de/shop/ebook_kategorien/suche/?sq=spatzenmuse&#38;sswg=EBOOK<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=jischinski.wordpress.com&amp;blog=16024080&amp;post=247&amp;subd=jischinski&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Endlich ist es soweit! Der Roman &#8220;Spatzenmuse&#8221; ist nun als E-Book erhältlich. Für einen Internet-basierten Roman längst überfällig, nicht wahr? So kommt man hin:</p>
<p><a title="amazon" href="http://www.amazon.de/Spatzenmuse-ebook/dp/B006NXAUJO/ref=sr_1_2?ie=UTF8&amp;qid=1324306711&amp;sr=8-2">http://www.amazon.de/Spatzenmuse-ebook/dp/B006NXAUJO/ref=sr_1_2?ie=UTF8&amp;qid=1324306711&amp;sr=8-2</a></p>
<p><a title="Thalia" href="http://www.thalia.de/shop/ebook_kategorien/suche/?sq=spatzenmuse&amp;sswg=EBOOK">http://www.thalia.de/shop/ebook_kategorien/suche/?sq=spatzenmuse&amp;sswg=EBOOK</a></p>
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		<title>&#8220;Knapp daneben ist auch vorbei&#8221; oder &#8220;Vorerst gescheitert&#8221;</title>
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		<pubDate>Wed, 30 Nov 2011 00:24:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jischinski</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie ich soeben erfahren habe, wurde eine billige Kopie meines noch geheimen Buches &#8220;Knapp daneben ist auch vorbei!&#8221; von einem schlechten Plagiator in den Handel gebracht. Ich möchte darauf hinweisen, dass in diesem Buch nur abgeschrieben wurde. Alle darin verwendeten Buchstaben habe ich bereits während meiner Schulzeit aufgeschrieben!! Vom Verband Deutscher Schriftsteller verlange ich die [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=jischinski.wordpress.com&amp;blog=16024080&amp;post=240&amp;subd=jischinski&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wie ich soeben erfahren habe, wurde eine billige Kopie meines noch geheimen Buches &#8220;Knapp daneben ist auch vorbei!&#8221; von einem schlechten Plagiator in den Handel gebracht. Ich möchte darauf hinweisen, dass in diesem Buch nur abgeschrieben wurde. Alle darin verwendeten Buchstaben habe ich bereits während meiner Schulzeit aufgeschrieben!! Vom Verband Deutscher Schriftsteller verlange ich die Aberkennung des Autoren-Titels für den Schreiberling. Darüber hinaus werde ich wegen anmaßender Nachahmung rechtliche Schritte in Erwägung ziehen. Ich habe bereits im Jahr 1995 mein Kassenbrillen-Nickelgestell bei Fielmann in Zahlung gegeben und meinen Gel-Verbrauch habe ich eingedenk aller Klimaschutzkonferenzen von vier Kilogramm im letzten Jahr auf gerade einmal eine Tube in diesem Jahr gesenkt. Bitte kaufen Sie das Original vom Original. &#8220;Knapp daneben ist auch vorbei!&#8221; kommt schon bald in den Handel. Schonungslos wird dann abgerechnet. Kein Blatt vor den Mund genommen. Hier kommen bislang noch geheime Auszüge:<br />
&#8220;Axel* ist doof.&#8221;<br />
&#8220;Bernd* ist eine Petze.&#8221;<br />
Mehr wird aber noch nicht verraten!</p>
<p>*Die Namen wurden geändert. Außerdem ist Axel eine Frau.</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/jischinski.wordpress.com/240/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/jischinski.wordpress.com/240/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/jischinski.wordpress.com/240/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/jischinski.wordpress.com/240/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/jischinski.wordpress.com/240/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/jischinski.wordpress.com/240/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/jischinski.wordpress.com/240/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/jischinski.wordpress.com/240/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/jischinski.wordpress.com/240/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/jischinski.wordpress.com/240/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/jischinski.wordpress.com/240/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/jischinski.wordpress.com/240/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/jischinski.wordpress.com/240/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/jischinski.wordpress.com/240/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=jischinski.wordpress.com&amp;blog=16024080&amp;post=240&amp;subd=jischinski&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Blaues Wunder</title>
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		<pubDate>Sun, 20 Nov 2011 16:24:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jischinski</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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		<description><![CDATA[Endlich hielt er sie einsatzbereit in der Hand. Gar nicht so groß. Aber mit gewaltiger Wirkung. Und teuer natürlich. Die insgesamt zwölf kleinen blauen Pillen hatten sage und schreibe 160 EUR gekostet, doch das war ihm das Wiedersehen mit Petra wert. Er hatte sie bei einem Seminar über Problemfälle bei der Debitorenbuchhaltung kennengelernt und nun [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=jischinski.wordpress.com&amp;blog=16024080&amp;post=227&amp;subd=jischinski&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Endlich hielt er sie einsatzbereit in der Hand. Gar nicht so groß. Aber mit gewaltiger Wirkung. Und teuer natürlich. Die insgesamt zwölf kleinen blauen Pillen hatten sage und schreibe 160 EUR gekostet, doch das war ihm das Wiedersehen mit Petra wert. Er hatte sie bei einem Seminar über Problemfälle bei der Debitorenbuchhaltung kennengelernt und nun stand er mit der Pille in der einen und einem Blumenstrauß in der anderen Hand vor dem Hotel, in dem sie sich verabredet hatten. Er studierte noch einmal die Bedienungsanleitung, damit er das Wundermittel nicht zu früh einwarf. Während des Lesens dachte er darüber nach, wann er es zum letzten Mal mit Birgit getan hatte. War es vor drei Jahren oder vier? Und das Mal davor zwei Jahre her oder zweieinhalb? ›Bei Gott‹, dachte er, ›Weihnachten war nun tatsächlich schon öfter‹.<br />
Seitdem die Kinder aus dem Haus waren, wurde es von Jahr zu Jahr weniger. Aber wenn er seinen gleichaltrigen Kollegen trauen durfte, dann war es völlig normal, dass ein Paar mit Mitte Fünfzig nur noch selten das Bett zum Zwecke des Beischlafs miteinander teilte. Mit Petra aber würde es anders werden. Petra war eine Buchhalterin nach seinem Geschmack. Gewissenhaft, pünktlich, aber eben auch voller feuriger Begierde, die sich nicht in einem Buchungssatz entladen ließ. Zudem war sie noch knackige achtundvierzig und hatte die Figur einer tüchtigen Sportlerin.<br />
Es war inzwischen kurz vor neun und Petra würde natürlich zur verabredeten Zeit ankommen, keine Frage. Das Abendessen mit eingerechnet und ein paar notwendige Zärtlichkeiten dazu, schien es nun der richtige Moment, den Turbo zu starten. Er ging zurück zu seinem Auto und setzte sich hinein. Noch einmal sah er auf die blaue Pille in seiner Hand, dann warf er sie schnell ein und schluckte sie mit einem kräftigen Schluck Wasser herunter.<br />
Zehn Minuten nach neun war er um zwei Erkenntnisse reicher. Die eine war, dass Petra nicht so pünktlich war, wie er gehofft hatte und die andere hatte mit dem unglaublich harten Ding in seiner Hose zu tun. Er hatte sich also bei beiden verschätzt. Doch so lange er im Auto auf Petras Ankunft warten konnte, gab es kein Problem. Außer dem natürlich, dass seine Erektion inzwischen schon heftig schmerzte.<br />
Kurz vor zehn erreichte ihn eine SMS von Petra. Es täte ihr leid, aber sie könne nicht kommen, weil sie ihren Mann zu einem wichtigen Termin begleiten müsse.<br />
›Na toll!‹ dachte er ›und was mache ich jetzt damit?‹ Sein Blick war auf seine Hose gerichtet, in der noch immer der Ständer des Jahrhunderts pochte.<br />
Es gab gar keine andere Möglichkeit. Vorsichtig stieg er aus seinem Auto, richtete sich langsam auf und zupfte seine Jacke so zurecht, dass nicht jeder gleich seine Erektion erahnen konnte. An der Rezeption empfing ihn eine junge Frau, die den Schmerz in seinen Lenden nur noch verstärkte.<br />
»Guten Abend. Liebling mein Name. Ich hatte ein Doppelzimmer reserviert.«<br />
Sie tippte ein wenig auf ihrem Rechner herum und Liebling merkte, wie sich sein Puls bei ihrem Anblick immer weiter beschleunigte.<br />
»Ja. Das ist richtig. Übernachten Sie allein?« fragte sie erstaunt.<br />
»Ja, nur ich allein.« Das »leider« konnte er gerade noch so unterdrücken.<br />
Sie gab ihm den Schlüssel und er ging, ja er rannte fast, zu seinem Zimmer. Dort angekommen, entledigte er sich in Windeseile seiner Hose und onanierte sofort. Es trat keine Linderung ein. Also tat er es noch einmal. Danach wieder. Ohne Erfolg. Das Ding stand da als wäre es in Stein gemeißelt. Liebling dachte nach. Er konnte doch unmöglich so lange an sich herumspielen, bis es nachließ. Niemand konnte ihm sagen, wann das war und wie oft er dazu hätte kommen müssen. Außerdem würde ihm diese Nacht im Hotel schlussendlich eine Sehnenscheidenentzündung einbringen und eine Krankschreibung über Wochen. Und wie er das seiner Birgit hätte erklären wollen, dazu hatte er nicht eine Idee. Er tat sich noch einmal ausführlich gut, hatte aber eigentlich die Hoffnung schon aufgegeben, dass sich etwas ändern könnte. Nach einem letzten, nun schon sehr verzweifelten Versuch, beschloss er kurz vor elf das Hotel zu verlassen und nach Hause zu fahren. Birgit könne er immer noch erklären, dass das Seminar ausgefallen ist und er sich mit ein paar ebenso wie er enttäuschten Kollegen noch ein bisschen über diese oder jene Problemfälle der täglichen Arbeit verständigt hat.<br />
Der überraschten jungen Dame am Empfang gab er den Schlüssel zurück und zahlte mit einiger Pein den Zimmerpreis von einhundertachtzig Euro in bar. Das Geld hatte er schon kurz nach dem Telefonat mit Petra abgehoben, um später keinen Verdacht aufkommen zu lassen und eine Kartenzahlung kam ja sowieso nicht in Frage.<br />
Auf der Heimfahrt probierte er sich noch viermal an der Problemlösung, aber mehr als ein feuchtes Taschentuch kam dabei nicht heraus. Also schlich er sich kurz vor Mitternacht in seine Wohnung, verbrachte noch eine halbe Ewigkeit beim Zähneputzen in der irrigen Hoffnung, irgend etwas an ihm möge sich doch noch verkleinern. Schließlich musste er sich doch mit seiner Prachtlatte neben seine Birgit legen und ein Kloß stieg in seinem Hals auf. Eigentlich wollte er fremdgehen. Ganz vorsätzlich und weil er es sich über die Jahre hinweg verdient hatte. Schlussendlich hatte er aber nur etliche Male onaniert und er dachte schon mit Schrecken an die übrigen elf Pillen in seinem Tresor. Vorsichtig legte er sich auf seine Betthälfte und achtete genau darauf, dass er Birgit nicht berührte. Er drehte sich von ihr weg und versuchte an schwierige Buchungsvorgänge zu denken. Vielleicht half das ja. Mitten in die Schwierigkeiten der Abschlagszahlungsverbuchung spürte er Birgit hinter sich.<br />
»Schön, dass du schon da bist«, flüsterte sie halb schlafend, »erzähl mir morgen alles, ja?«<br />
»Mmh, mache ich. Schlaf gut, mein Schatz.«<br />
Aus bloßer Gewohnheit drehte er sich halb zu ihr, um ihr einen Kuss auf ihre Stirn zu geben und nach der tausendfachen Wiederholung dieses Rituals kam sie ihm ein Stück entgegen. Doch es war ein Stück zuviel des Weges. Irgendwie stieß sie mit ihrem Bauch an seine stahlharte Erektion. Liebling erstarrte.<br />
»Schatz? So lange hast du dich ja schon lange nicht mehr gefreut, mich zu sehen.«<br />
»Mmh.« Bloß nicht zuviel Konversation, dachte Liebling, vielleicht schläft sie gleich wieder ein.<br />
Doch die Hoffnung Lieblings erstarb, denn als hätte Birgit einen Zauberstab berührt, erwachte sie zu neuem Leben.<br />
»Schatz, du arbeitest wirklich zu viel. Kaum unterhältst du dich mit ein paar Kollegen über Buchungsprobleme und schon kommst du mit diesem Hammer nach Hause. Du solltest öfter mit deinen Kollegen sprechen.«<br />
Und schon hatte sie ihn an den Eiern. Als hätte sie all die Jahre auf diesen Moment gewartet, bearbeitete sie Liebling nach allen Regeln der Kunst und nämlicher sah sich um Jahre zurückversetzt an den Beginn ihrer Beziehung, als sie es kaum aushielten und die Hände nicht voneinander lassen konnten.<br />
Birgit empfing ihn bereitwillig und sie schaukelten sich in einen wahren Rausch hinein. Ekstatisch verbrachten sie mehrere Stunden und Liebling vergaß dabei all den Streit der letzten Wochen und Monate und die Verbitterung über die Schwachstellen ihrer Beziehung. Ja, er konnte sogar spielend sein Versagen als Liebhaber vergessen. Doch kurz nach vier stieg Birgit von ihm herab und verließ wortlos das Zimmer. Wortlos. Das hatte eine Menge zu sagen. Liebling traf sie völlig ermattet in der Küche. Sie sah ausgezehrt und kaputt aus. Sie blickte auf seine Erektion.<br />
»Irgendetwas mit dir stimmt nicht. Damit«, sie zeigte auf seinen Penis, »stimmt ganz sicher etwas nicht. Wenn du mich nach all der Zeit umbringen willst, mach es bitte kürzer und schmerzloser. Und außerdem wäre es schön, wenn du diese einmalige Energie auf mehrere Wochen und Monate dosieren könntest.«<br />
»Mmh.« Liebling wusste ja auch nicht mehr weiter. Dabei hatte er das Gefühl, dass die Beziehung zu Birgit gerade wieder auf dem Weg der Besserung war. Und schließlich hatte er noch elf Pillen. Sicherheitshalber ging er zur Toilette und legte noch zweimal Hand an. Keine Veränderung. Er sah in den Spiegel. Wie weit war es bloß gekommen? Er wollte seine Frau betrügen und um dazu überhaupt einen hoch zu bekommen, schluckte er Wunderpillen. Wenn hier jemand umzubringen war, dann doch wohl er. Betrübt schlich er sich zu seiner Frau zurück.<br />
»Sag jetzt bitte nicht: Mmh!«, herrschte sie ihn an. Normal hätte er jetzt den Schwanz eingezogen, aber das war ja gerade unmöglich. »Du hast ja Recht. Ich bin ein Scheißkerl. Kannst du mir noch einmal verzeihen?«<br />
»Wenn du nie wieder Mmh sagst und ab und an wieder so einen Prachtkerl präsentierst, könnte ich es mir überlegen.« Sie drückten einander länger als sonst. »Ich bin müde und lege mich schon einmal hin. Du kannst ja zusehen, wie du das da los bekommst und dann nachkommen.«<br />
Sie küsste ihn und ging schweren Schrittes zu Bett. Liebling und seine Erektion standen ratlos im Raum. Er begann damit, Handtücher und Decken an ihr aufzuhängen, aber der Ständer ließ nicht nach. Er ging unter die Dusche und ließ eiskaltes Wasser darüber laufen. Erfolglos.<br />
Dann setzte er sich vor den Fernseher und schaltete diesen ein. Nach ein paar Senderrunden, die er inhaltslos und ohne körperliche Veränderungen gedreht hatte, blieb er bei Kabel eins hängen. Es lief die schlecht synchronisierte Fassung eines amerikanischen Softpornos. Es dauerte keine halbe Minute. Seine Erektion war verschwunden. Es gibt Dinge, die funktionieren immer.</p>
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		<item>
		<title>Hinter den Kulissen von Standard &amp; Poor&#8217;s (Finale)</title>
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		<pubDate>Sun, 13 Nov 2011 12:56:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jischinski</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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		<description><![CDATA[David baut sich auf, obwohl er das in diesem Anzug gar nicht tun müsste, räuspert sich und beginnt zu sprechen. »Ich habe alle Lifestyle-Magazine der letzten Wochen durchgeschaut, wirklich auf jeden Hinweis geachtet. Vanity Fair hatte nichts, der New Yorker auch nicht. Aber«, nun lehnt er sich zurück und nimmt seine Lieblings-Gewinner-Pose ein, »es gibt [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=jischinski.wordpress.com&amp;blog=16024080&amp;post=219&amp;subd=jischinski&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>David baut sich auf, obwohl er das in diesem Anzug gar nicht tun müsste, räuspert sich und beginnt zu sprechen. »Ich habe alle Lifestyle-Magazine der letzten Wochen durchgeschaut, wirklich auf jeden Hinweis geachtet. Vanity Fair hatte nichts, der New Yorker auch nicht. Aber«, nun lehnt er sich zurück und nimmt seine Lieblings-Gewinner-Pose ein, »es gibt da was.«<br />
Alle Augen sind auf David gerichtet und Greg kotzt dieses Gehabe seines Chefs an. Dieses Gockelhafte, mit dem er sich immer die Sympathien der anderen verschafft. Soll er doch seine Klöten gleich auf den Tisch packen. Mann! Es geht hier nicht um ihn, sondern um eine viel größere Sache! Sie schreiben gerade Geschichte und David muss sich feiern lassen.<br />
»Der Trend geht ganz klar zu Plateauschuhen. Unauffällig getragen, aber du gewinnst locker fünf Zentimeter. Wenn es clever gemacht ist, sogar noch mehr.« David lässt seine Worte im Raum verhallen und die anderen schauen ungläubig zu ihm. ›Wie er das nur macht!‹ steht über ihren Köpfen.<br />
»Klasse, David, ich danke dir«, unterbricht Ed die Stille. »Du bist wirklich unglaublich und ich denke, dass wir auf einem guten Weg sind. Ich habe natürlich auch noch was.«<br />
Es ist klar, dass der große Chef nicht ohne Grund diesen Posten begleidet. »Es ist kein Zufall, dass wir heute alle in unseren Analysen etwas gefunden haben. Ich hatte bereits in der letzten Woche ein kleines Zeichen, nahm es aber nicht richtig ernst. Heute aber, Männer«, er lässt eine längere Pause und schaut jedem Einzelnen in die Augen. Ed weiß, wie Politik gemacht wird. Die ganz Große. »Heute hatte ich Blut im Stuhl und meine Hämorrhoiden quälen mich bestialisch. Dazu habe ich Blähungen, dass es eine Rinderherde graut.« Alle schauen ihn an und nicken. Das verheißt nichts Gutes und die letzte Konsequenz ist bereits jetzt allen klar. Greg spricht sie aus. »Ist Kassandra schon informiert?«<br />
Ed nickt. »Ja, wir können sofort zu ihr gehen. Machen wir uns auf den Weg.«<br />
Sie räumen den Konferenzraum, gehen zum Fahrstuhl und fahren nach ganz oben. In das Herz der Firma. Dorthin, wo Kassandra sitzt. Ed steigt als erster aus und führt die Gruppe an. Dann klopft er an ihre Tür.<br />
»Herein, Ed! Und bring die anderen mit.«<br />
Die Männer nicken sich lächelnd zu. Kassandra weiß alles. Das wird ein Kinderspiel. Sie gehen hinein und stellen sich vor sie. Der Raum liegt in einem diffusen Licht, an den Wänden hängen Tücher, die Fenster sind verschlossen und die Vorhänge zugezogen. Duftkerzen sind im Raum verteilt und verströmen ein ambrosisches Aroma. Kassandra sitzt auf einem Diwan, die Arme sind zur Seite hin ausgestreckt und ihre Beine sind im Lotussitz verschränkt. Das lange, blonde Haar fällt in Kaskaden über ihren Körper, so dass es scheint, sie trüge nichts weiter als ihr Haar. Sie beginnt mit ihrer sanften Stimme, in einem Singsang vollkommener Ausgeglichenheit zu sprechen. »Ihr seid auf dem richtigen Wege. Der Kaffee, das gelbe, buttrige Sputum, das schmerzende Knie, die Frösche, Plateausohlen und blutiger Stuhl, Ed, ihr seid nicht ohne Grund die Besten. Die Welt kann sich auf euer Urteil verlassen. Ihr seid die Analysten der Stunde. Ich will euch noch eine kleine Geschichte auf den Weg geben.«<br />
Greg mag diese Momente, wenn Kassandra ihre Geschichten erzählt. Das erinnert ihn an seine Kindheit, als diese Welt noch eine Ordnung hatte und alles an seinem Platz lag.<br />
»In einem gemütlichen Café sehe ich einen kleinen Mann sitzen. Er trägt einen blauen Anzug und Schuhe mit Plateausohlen. Beim Hinsetzen hat er sich mit seinem Knie an einem der Tischbeine gestoßen. Er bestellt ein Croissant mit Butter, die so buttrig ist, wie Butter nur sein kann. Dazu lässt er sich Froschschenkel kommen. Die letzten Wochen haben ihm zugesetzt. Eine späte Vaterschaft, berufliche Sorgen und dieses ständige Ringen, größer sein zu wollen, als er ist. Das schlägt auf den Magen. Und den Darm. Deshalb hat er enormen Durchfall.«<br />
Die Männer nicken. Das Fund Monitoring ist damit beendet, die Grundsätze des Fund Management Rating Process sind komplett durchlaufen.<br />
»Danke, Kassandra«, sagt Ed. »Kommt, Männer, nun müssen wir es der Welt verkaufen.«<br />
Sie fahren wieder nach unten. Die Arbeit ist schnell verteilt. Pressekonferenz morgen, vorher das Übliche. Ed’s Arzttermin, David muss zur Kosmetik und Greg darf seinen eingewachsenen Zehennagel nicht vergessen. Nicht zuletzt treffen sie sich wie jeden Tag um drei beim Golfen.<br />
Dieses Mal ist Greg dran. Er darf die Nachricht verfassen. Ed neigt immer so zum Prosaischen. Er ist da er eher für das Verknappte. Was wollen sie der Welt auch erzählen? Sie sind schließlich die Profis, nicht die Bekloppten dort draußen. Deshalb tippt er schnell ein: »Downgrade France«. Gerade hat er auf Enter gedrückt, da geht die Tür auf und David schaut abgehetzt rein. Er holt tief Luft und sagt: »Haben Sie es schon abgeschickt?«<br />
»Klar, warum?«, fragt Greg.<br />
»Rick meinte eben am Spa, dass es sein könne, dass sein Sputum doch nicht buttrig war, sondern eher cremig. Und Deven sagte, dass die Frösche einen italienischen Akzent hatten. Da fiel mir ein, dass in den Gazetten auch viel über Haarimplantate stand. Also, so zwischen den Zeilen.«<br />
»Also doch Italien?«, fragt Greg.<br />
»Möglich. Durchaus möglich«, sagt David.<br />
Greg zuckt mit den Schultern. »Die können wir auch noch morgen machen. Es ist zehn vor drei. Lassen Sie uns Golfen gehen. Außerdem muss ich heute noch mit Jessica Schluss machen, bin grad so in Stimmung.«</p>
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		<title>Hinter den Kulissen von Standard &amp; Poor&#8217;s (Teil 2)</title>
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		<pubDate>Sun, 13 Nov 2011 07:53:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jischinski</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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		<description><![CDATA[»Nein, David, das sind eindeutig Vierecke. Und Vierecke heißen nichts Gutes. Das wissen wir alle.« Greg und David sind Profis. Das sind sie alle bei Standard &#38; Poor’s. In Sekundenbruchteilen gehen sie die internen Anweisungen für den Fund Management Rating Process durch. Stufe für Stufe. Sie wissen, was zu tun ist. Deshalb sagt David: »Ich [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=jischinski.wordpress.com&amp;blog=16024080&amp;post=216&amp;subd=jischinski&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>»Nein, David, das sind eindeutig Vierecke. Und Vierecke heißen nichts Gutes. Das wissen wir alle.«<br />
Greg und David sind Profis. Das sind sie alle bei Standard &amp; Poor’s. In Sekundenbruchteilen gehen sie die internen Anweisungen für den Fund Management Rating Process durch. Stufe für Stufe. Sie wissen, was zu tun ist. Deshalb sagt David: »Ich gebe Ed Bescheid. Sie informieren die anderen und lassen die üblichen Tests machen. Wir sehen uns um neunhundert im Konferenzraum.«<br />
»Klar, David, wir sehen uns dann.«<br />
David verlässt den Raum und Greg nimmt den Hörer zur Hand. Innerhalb einer halben Stunde sind alle informiert. Hier arbeiten nur Profis. Sie sind bei Standard &amp; Poors. Wo sonst sollten die Besten auch sein?<br />
Der Konferenzraum ist voll besetzt. Greg sitzt neben David, ihnen gegenüber sitzt Deven, das Urgestein. John ist da und auch Rick. Jetzt muss nur noch Ed eintreffen, dann können sie starten.<br />
Die Tür geht auf, Ed kommt, mit einem Packen Papier unter seinem Arm, herein und setzt sich an das Ende des Tisches.<br />
»Jungs, die Lage ist absolut ernst. Ich will jetzt die Ergebnisse des Quantitative Screenings, des Prior Background Assessments und des Qualitative Face-to-Face Interviews haben. Dann werden wir den Beschluss als Rating Commitee fassen und schauen, was rauskommt. Also, fangen wir mit dir an, John. Was hast du?«<br />
»Ed, ich kann Greg nur bestätigen. Ich hatte schon gestern Abend dieses Ziehen in meinem Knie und heute Morgen hat es geknackt.«<br />
Ein Raunen geht durch das Rund. Die Profis wissen, dass es keine guten Nachrichten sind.<br />
»Jedenfalls hatte ich das genau so, als wir die letzte Abstufung hatten.«<br />
»Danke, John«, sagt Ed mit ernster Miene. Dann zeigt er auf Rick. »Was ist bei dir?«<br />
»Als ich heute Morgen ins Büro kam, war alles wie immer. Zunächst. Dann aber musste ich würgen. Nichts wirklich Neues, dafür werde ich schließlich bezahlt. Aber als ich mein Sputum in meinen Napf spukte, hatte es gleich so etwas breiiges, teigiges, von ungesunder Farbe. Gelblich, fast wie Eiter. Ich befürchte, dass wir eine große Sache haben. So ne Triple-A-Geschichte.« Allen tritt Schweiß auf die Stirn. Die Luft ist zum Schneiden. Dieser Tag wird nicht so schnell vergessen werden. Die Welt wird wieder einmal auf sie schauen. Doch genau dafür sind sie da.<br />
»Hast du noch etwas Genaueres, ein paar wichtige Details?«, hakt Ed nach.<br />
»Vielleicht war es etwas, wie soll ich sagen? Buttriger, ja buttriger als sonst.«<br />
»Was kann das heißen?«, fragt Greg in die Runde, »wir haben Johns Knie, die Vierecke in meinem Kaffee und Ricks Sputum ist buttrig. Ist da irgendwo ein Hinweis, den wir nur noch nicht erkennen?«<br />
Schweigen. Ed ergreift wieder die Initiative. »Gut, Jungs, wir sind auch noch nicht am Ende. Deven, was sagst du?«<br />
Deven, der älteste Analyst im Raum, schaut bedächtig zu den anderen, streicht sein graues Haar nach hinten und reibt sich mit der Hand durch die weißen Bartstoppeln. »Nun«, sagt er sehr langsam, »ich habe diese Nacht geträumt, dass ich wieder mal raus in die Natur fahre, mich an einen See setze und angle. Stundenlang aufs Wasser schauen und den Kopf frei bekommen. Ja, das wäre was. Und das Einzige, was nicht gepasst hat, war dieses nervige Quaken der Frösche. Es ging mir dermaßen auf die Eier! Ich habe ein Bild von Fröschen, mehr kann ich nicht sagen.« Dann verstummt Deven und fällt in eine Art Leichenstarre.<br />
»Danke, Deven«, sagt Ed, »Und David, was ist mir dir?«</p>
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